Despite many difficulties, there are still a number of highly qualified repair yards in Germany. Together, they ensure the operational readiness of the navy.
Die Insolvenz der MV Werften mit Standorten in Wismar, Rostock, Stralsund und Bremerhaven sowie der Werft Pella Sietas in Hamburg und der Nobiskrug-Werft in Rendsburg haben erneut ein Schlaglicht auf die schwierige Lage geworfen, in der sich der Schiffbau in Deutschland seit Jahren befindet. Der Bau großer Handelsschiffe wie Containerfrachter oder Tanker ist komplett nach Asien abgewandert. Deutsche Werften konzentrierten sich daher auf technisch anspruchsvolle Nischenprodukte. Zu ihnen gehören Kreuzfahrtschiffe, Yachten und Spezialschiffe. In vielen dieser Segmente sind inzwischen auch Konkurrenten aus China oder Südkorea aktiv geworden, was den Druck hierzulande weiter erhöht. So sehen sich die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss, der Kreuzfahrtschiffbauer Meyer Werft in Papenburg und die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft durch Unterauslastung und fehlende Aufträge gezwungen, Arbeitsplätze zu streichen und Kurzarbeit einzuführen. Hinzu kommt die Coronapandemie, die den Substanzverlust im Schiffbau vor allem durch Arbeitsplatzabbau und damit auch Know-how zusätzlich verschärft hat.[ds_preview]

German Naval Yards Kiel, Foto: GNYK
Wie stark sich der Weltmarkt und die Lage im deutschen und europäischen Schiffbau auseinanderentwickeln, zeigen Zahlen des Analysehauses Clarksons Research. Demnach hat 2021 die gesamte Branche weltweit neue Aufträge im Wert von gut 100 Milliarden Dollar erhalten. Nur 3,8 Milliarden Dollar davon entfielen auf europäische Unternehmen, im Vorjahr waren es noch 6,1 Milliarden Dollar. Daher auch die dringende Warnung des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM): „Die deutsche Schiffbauindustrie kann sich weiteren Substanzverlust in dieser Größenordnung nicht mehr leisten.“
Nach einer Konsolidierungswelle in den vergangenen Jahren sind nur noch wenige deutsche Werftengruppen übrig geblieben, darunter die Meyer Werft und die Schiffbaugruppe Lürssen aus Bremen mit der neuen Dachmarke Naval Vessels Lürssen (NVL). Die NVL Group vereint mit der Hamburger Werften Blohm+Voss und Norderwerft, der Neuen Jadewerft in Wilhelmshaven und der Peenewerft in Wolgast vier hochspezialisierte Standorte an Nord- und Ostsee. Mit der Bremer Dachgesellschaft NVL verantwortet die Werftengruppe mit 1500 Mitarbeitern das gesamte Neubauspektrum sowie alle Reparaturaktivitäten von Marineschiffen und Küstenwachbooten innerhalb der Unternehmensgruppe. Zusätzlich zu den Reparaturwerften in Hamburg und Wilhelmshaven erfolgen Instandsetzung, Wartung und Reparatur für Marineeinheiten sowie für Behördenschiffe und lokale Schiffsbetreiber auch am Neubaustandort Wolgast.
Reparaturwerften sind unverzichtbar
Die angestrebte Langlebigkeit von Schiffen, bei Marineschiffen sind es mehr als 30 Jahre, erfordert sorgfältige Inspektionen und kontinuierliche Instandhaltungen. Regelmäßige Wartungsarbeiten, rechtzeitige Reparaturen und die Anpassung an den Stand der Technik durch Nachrüstung mit aktueller Technologie sind unverzichtbar. Dabei bilden unsere meist mittelständigen Reparaturwerften das Rückgrat der europaweiten Infrastruktur für Ship Maintenance, Repair and Conversion (SMRC). Trotz starker Konkurrenz durch Werften aus Polen, dem Baltikum, den Niederlanden, Portugal und Spanien überzeugen deutsche Unternehmen durch hohe Qualität, Design-Kompetenz, Schnelligkeit und Termintreue. Da Reparaturaufträge häufig kurzfristig eingehen, ist zudem Flexibilität ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Reparaturwerften
sind für die Einsatzbereitschaft der Flotte von besonderer Bedeutung.

Die Werft Tamsen Maritim in Rostock, Foto: Tamsen Maritim
Die 1871 gegründete Peters Werft in Wewelsfleth an der Stör mit 125 Mitarbeitern ist eine leistungsstarke Reparaturwerft, die sich neben dem Neubau vor allem auf den Umbau und die Instandsetzung von Schiffen und Yachten spezialisiert hat. Zu ihren bekanntesten Projekten zählt die Viermast-Stahlbark PEKING. Der Großsegler war 1911 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut worden. 2020 wurde er nach der Vollinstandsetzung in Wewelsfleth in seinen Heimathafen Hamburg überführt, wo er nunmehr das Wahrzeichen des neuen Deutschen Hafenmuseums in darstellt. Das umfangreiche Reparatur- und Instandsetzungsgeschäft der Werft wird von Behörden- und Marineschiffen dominiert. Dazu zählen Forschungs- und Vermessungsschiffe, Feuerschiffe, Schlepper, Zoll- und Polizeiboote sowie Marineschiffe, Derzeit liegt der Tender MOSEL zur Instandsetzung in der Peters Werft. Trotz der Coronapandemie freut sich das Unternehmen über volle Auftragsbücher. Zeitweise liegen bis zu zehn Schiffen gleichzeitig für Instandsetzungsarbeiten in der Werft.
Die Schiffswerft Gebr. Friedrich in Kiel, die 2021 ihr 100-jähriges Jubiläum feiern konnte, besitzt mit 180 Mitarbeitern eine Unternehmensstruktur aus Werft, Industrie, Elektrotechnik und Metallbau. Damit kann sie hochspezialisierte Aufträge aus einer Hand erledigen. Als eine der ersten europäischen Reparaturwerften hat die Werft eine IT-Umgebung zur Verarbeitung großer Datenmengen aufgebaut. Das sind Sensordaten des Schiffes, 3-D-Aufnahmen des Schiffsinneren und Schnittstellen zu Lifecycle-Management-Systemen bis hin zu CAD-Modelldaten für die additive Fertigung. Damit kann die Werft Ersatzteile aus Metall oder Kunststoff, die kaum noch zu beschaffen sind, mit hauseigenen Druckern selbst herstellen. Zu den Hauptkunden zählen seit jeher auch Marine und Behörden. So hatte die Werft in der Vergangenheit Schnellboote, Minensuchboote, Flottendienstboote oder Hilfsschiffe repariert und gewartet. Zudem entwickelte und fertigte die Werft Schalttafeln für U-Boote. Heute repariert und wartet Gebr. Friedrich Sicherungs- und Erprobungsboote der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71), die unbemannten Minenabwehrboote des Typs Seehund und kleine Landungsboote wie den LACHS. Zudem bietet sie Unterstützung des Marinearsenals bei der Instandsetzung von Marineschiffen.
Die über 100 Jahre alte Norderwerft der NVL Group in Hamburg hat sich auf Schiffsreparaturen, Refits, Modernisierungen und Upgrades sowie auf Wartung verschiedener Schiffstypen spezialisiert. Sie arbeitet eng mit ihren NVL-Schwesterfirmen Neue Jadewerft in Wilhelmshaven, Peene-Werft in Wolgast und Blohm+Voss in Hamburg zusammen. Die Norderwerft verfügt über drei Schwimmdocks und drei Kailiegeplätze und kann daher Marine- und Handelsschiffe von bis zu 200 Meter Länge aufnehmen. Neben der Reparatur und Wartung ziviler Schiffe besitzt die Norderwerft umfangreiche Erfahrungen in der Reparatur von Marineschiffen. Nach dem Betriebsstofftransporter RHÖN und dem Flottendienstboot OSTE liegt derzeit der Einsatzgruppenversorger FRANKFURT AM MAIN zur Instandsetzung bei den Hamburgern.
Auch die erst 2009 gegründete Werft Tamsen Maritim in Rostock hat sich neben dem Neubau von Booten und Schiffen vor allem auf die Reparatur und Instandsetzung von Marine- und Behördenschiffen aller Typen ausgerichtet. Daneben bildet die Werft mit ihren 120 Mitarbeitern auch einen Servicestandort für Versorgungsschiffe der Offshore-Windparks. Gegenwärtig werden Zoll- und SAR-Boote sowie rund 20 Meter lange Schlepp- und Sicherungsboote für die WTD 71 gebaut. 2012 errichtete die Werft den Übungsmast der Marineschule Mürwik. Das zivile Reparaturgeschäft umfasst Fahrgastschiffe, Fähren, Bagger, Schlepper, Yachten und Offshore Patrol Vessel. Schnellboote, Minenjagdboote mit ihren Seehunden und Schlepper der Marine bilden den Kern der militärischen Tätigkeiten. Zuletzt wurden die Marineschlepper WANGEROOGE, LANGENESS und NORDSTRAND bei dem Rostocker Unternehmen repariert. Die Werft bemüht sich, Reparatur- und Instandsetzungsaufträge für die Korvetten der Klasse 130 zu erhalten und eignet sich derzeit die dafür notwendige Expertise an. Für die Produktion großer Bauteile aus Kunststoff und für den Formenbau verfügt die Werft über die größte Fünf-Achs-CNC-Fräse Europas. Derzeit ist Tamsen Maritim zufriedenstellend ausgelastet und hat die Coronapandemie gut bewältigt.

Die Norderwerft in Hamburg, Foto: NVL
Die Neue Jade Werft in Wilhelmshaven der NVL Group ist auf die Reparatur-, Wartungs-, Refit- und Instandsetzungsarbeiten vornehmlich von Marineschiffen mit einer Länge von bis zu 160 Metern ausgerichtet. Daneben werden auf der Werft auch Tanker, Schlepper, Bagger oder Fahrgastschiffe repariert. Dabei kann sie auf das umfangreiche Lieferantennetz der NVL Group zurückgreifen. Die Neue Jade Werft verfügt über zwei Schwimmdocks, eine beheizte Schiffbauhalle und eine beheizte Fertigungshalle, wodurch ein wetterunabhängiges Arbeiten ermöglicht wird. Zusätzlich stehen vier Liegeplätze mit einer Kailänge von 440 Metern und einem zusätzlichen Liegeplatz von 315 Meter Länge zur Verfügung. Eine hochmoderne Unterwasserdrohne und eine digitale Überwachungsanlage unterstützen und sichern das Ein- und Ausdocken der Schiffe. Einen Schwerpunkt der Aktivitäten bilden die Arbeiten rund um die Fregatten der Klassen 122, 123 und 124 der Deutschen Marine. Künftig sollen auch die Korvetten der Klasse 130 von der Werft betreut werden. Mit über 70 erfolgreich abgeschlossenen Instandsetzungen ist die Neue Jade Werft ein fester Bestandteil der Depotinstandsetzung der Marine. Aktuell liegt die Fregatte BRANDENBURG zur Instandsetzung in der Werft.
Die Peene-Werft der NVL Group in Wolgast verfügt über eine große Kompetenz bei Wartung, Reparatur, Refit und Instandsetzung von Marineschiffen, Küstenwachbooten und Spezialschiffen bis zu 170 Meter Länge. Die moderne Infrastruktur der Werft umfasst mehrere Schiffbau- und Vorfertigungshallen mit einem 3000-Tonnen-Schiffslift, einen 950 Meter langen Ausrüstungskai, zwei Brennschneidemaschinen und ein großes Trockendock. Zudem besitzt die Werft mit ihren 330 Mitarbeitern ein Schweißausbildungszentrum für Lehrlinge. Derzeit befinden sich die Minenjagdboote GRÖMITZ und ROTTWEIL sowie der Tender DONAU zur Instandsetzung in der Werft.
Die Lindenau-Werft am Tor zum Nord-Ostsee-Kanal gehört zur in Kiel beheimateten Gruppe German Naval Yards. Mit ihren knapp 100 Mitarbeitern versteht sie sich heute vorrangig als Dienstleistungsbetrieb für kleine und dringende Reparaturarbeiten an zivilen und militärischen Schiffen, die an der 480 Meter langen Ausrüstungspier oder im Schwimmdock durchgeführt werden. Derzeit wird in der Werft eine 70 Meter lange Luxusyacht fertiggestellt.
Die German Naval Yards in Kiel (GNYK) hat sich mit rund 1000 Mitarbeitern auf die Planung und den Bau großer, hochintegrierter Marineschiffe wie Fregatten, Korvetten und OPVs spezialisiert. Derzeit beschäftigt sich die Werft als Partner der Arge K130 mit dem Bau der fünf neuen Korvetten des zweiten Loses. Zudem ist die Werft Hauptauftragnehmer für das integrierte Marineeinsatzrettungszentrum (iMERZ). das auf dem Einsatzgruppenversorger FRANKFURT AM MAIN fest eingebaut werden soll. Zudem wird am Umbau von zwei Hochleistungsschleppern für die französische Marine gearbeitet. Nach Abschluss der Arbeiten sollen diese multifunktional als Notschlepper und Feuerschiffe sowie als maritime Krankenstation betrieben werden. Darüber hinaus nimmt GNYK an verschiedenen Ausschreibungen für Neubau- und Reparaturprojekte im militärischen und kommerziellen Schiffbau teil.
Die Emder Werft und Dock ist ein Schiffsreparaturbetrieb mit 120 Mitarbeitern, der sich auf Reparatur- und Modernisierungsarbeiten, auf Umbauten und Nachrüstungen sowie auf Neubauten von zivilen und Marineschiffen ausgerichtet hat. Die Werft verfügt über zwei Schwimmdocks und ein Trockendock sowie über eine Kaianlage mit 1500 Meter Länge. Repariert und instandgesetzt wurden dort in jüngster Zeit das Ölauffangschiff BOTTSAND, die Korvette BRAUNSCHWEIG sowie das Forschungsschiff PLANET der WTD 71, das auf der Werft gebaut und 2005 in Dienst gestellt wurde.
Zukunft für MV-Werften ?
Nach der Insolvenz der MV-Werften hält Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck eine „Renaissance für Werftstandorte“ in Deutschland für möglich. Er sieht in der klimaneutralen Umrüstung und im Bau klimafreundlicher Schiffe neue Beschäftigungschancen. Zudem gebe es einen großen Bedarf für Konverterstationen, die für Windkraftanlagen auf dem Meer benötigt werden. „Wir sollten ein gemeinsames Interesse haben, hier über einen deutschen Anbieter zu verfügen“, meinte Habeck bei einem Besuch der MV-Werften im Februar 2022. So hat die italienische Fincantieri-Werft ein alternatives Geschäftsmodell entwickelt, das von Plattformen für Offshore-Windparks bis hin zu Stahlbrücken reicht. Die IG Metall Küste fordert Perspektiven für die Werftmitarbeiter sowie den Kompetenzerhalt der Werften. „Die besten Standorte sind ohne die Menschen nichts wert. Wir brauchen Investoren, die schnell Arbeit auf die Werften bringen und langfristige, industrielle Konzepte verfolgen.“ Die Insolvenzverwalter wiederum hoffen, die Werften durch Kredite oder Käufer erhalten zu können. Während die Reparaturwerften relativ gut durch die Werftenkrise kommen, bleibt die Zukunft der Schiffbauwerften vorerst ungewiss.
Dieter Stockfisch












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