The insolvency of the MV Werften Group poses considerable challenges not only for the structurally weak region in north-east Germany. Experts see a threat to the entire German shipbuilding industry.
Der 10. Januar 2022 wird in die jüngere Geschichte des deutschen Schiffbaus als schwarzer Tag eingehen. An diesem Tag meldete die Geschäfteleitung der zum malaysischen Genting-Konzern gehörenden MV Werften-Gruppe mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund Insolvenz an. Betroffen war auch die ebenfalls zu Genting gehörende Lloyd Werft in Bremerhaven. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern war der Schock gewaltig, obwohl er dort wohl nicht ganz unerwartet kam. Der Schock war vor allem deshalb so groß, weil die Werften den industriellen Kern dieses Bundeslandes bilden. Aber nicht nur die Werften allein sind betroffen, sondern auch die vielen Zulieferbetriebe, die sich in ihrem Umfeld etabliert hatten.[ds_preview]
So waren dann auch bereits nur wenige Tage nach der Insolvenzanmeldung erste Klagen von kleinen und mittelständischen Unternehmen über offene Rechnungen, vorbestellte Materialbestände oder vereinbarte Schiffbauleistungen für das erste Halbjahr 2022 zu vernehmen.

So soll die „Global I“ einmal aussehen, wenn sie als größtes Kreuzfahrtschiff der Welt tatsächlich fertig wird
Die Geschäftsleitung der Werftengruppe gab bei der Anmeldung der Insolvenz und unter Ausblendung der eigenen gravierenden Managementfehler der Politik die Schuld an der desaströsen Lage. Sie hätte, so der Vorwurf, verhindert, dass erhoffte und eigentlich zugesagte Gelder zum Weiterbau des Kreuzfahrtschiffes Global I nicht ausgezahlt. Die zuständigen Landesminister begründeten die Nichtauszahlung der ohnehin erst für 2024 zugesagten Mittel damit, dass es sowohl für Genting als auch für die Werften keine positive Fortführungsperspektive mehr gegeben hätte und deshalb auch die Fertigstellung der Global I nicht gesichert gewesen sei.
Aber es ging um mehr, denn dem Vernehmen nach sind für die Fertigstellung der Global I insgesamt 600 Millionen Euro erforderlich. Bund und Land waren bereit, diese Summe aus dem staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds aufzubringen, wenn sich der Genting-Eigentümer mit etwa zehn Prozent an dieser Summe beteiligt hätte. Das erfolgte jedoch nicht.
Vorranging war also die Fertigstellung der Global I, und erst in zweiter Linie ging es um den Fortbestand der Werftbetriebe. Vor dieser Situation stand der vom Amtsgericht Schwerin bestellte Insolvenzverwalter Christoph Morgen von der Kanzlei Brinkmann & Partner. Für die Lloyd Werft in Bremerhaven war es Per Hendrik Heerma. Beide arbeiten eng zusammen. Nachdem sich Christoph Morgen einen ersten Überblick über die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Werftengruppe verschafft hatte, sorgte er erst einmal dafür, dass alle Mitarbeiter ihre noch ausstehenden Löhne und Gehälter für den Dezember ausgezahlt bekamen. Zugleich bemühte er sich, Politik, Betriebsräte und IG Metall sowie Geschäftsleitung und Eigentümervertreter zusammenzubringen, um gemeinsam Lösungsmöglichkeiten für die anstehenden Probleme zu erarbeiten. Dabei ließ sich der Gesamtkomplex in die drei wesentlichen Bereiche Personal, Fertigstellung Global I und Erhalt der Standorte einordnen.
Den Belegschaften wurde schnell ein Vorschlag zur Bildung einer Transfergesellschaft unterbreitet. Dazu brachte es die IG Metall Küste auf den Punkt. „Die besten Standorte sind ohne Menschen nichts wert.“ Und in Wismar müsse eine ausreichend große Mannschaft gehalten werden, denn ohne Arbeiter und Konstrukteure lasse sich das Kreuzfahrtschiff Global I nicht fertigstellen.
Der Weiterbau des zu rund drei Viertel fertiggestellten, im Baudock in Wismar liegenden Global I und dessen Finanzierung ist aber nur eines von mehreren großen Problem. Noch schwieriger wird der Verkauf dieses größten Kreuzfahrtschiffes der Welt mit einer Kapazität für über 9000 Passagiere – wenn es denn einmal fertig wird. Konzipiert ist es ist für den asiatischen Markt, aber es wird schwer, dort unter den gegenwärtig restriktiven Bedingungen für das Kreuzfahrtgeschäft einen Käufer zu finden.

Die Expeditionsyacht Crystal Endeavor konnte fertig gebaut und abgeliefert werden
Kaum Hoffnung gibt es für die Fortführung der Werften als solche. Die Stadt Stralsund hat zwar frühzeitig ihre Absicht bekundet, das Werftgelände zu übernehmen und dort einen Gewerbepark zu errichten. Ähnliches wird in Rostock erwogen, lediglich aus Wismar ist bis jetzt nicht derartiges bekannt geworden. Für die Lloyd Werft gibt es hingegen erste positive Zeichen. Dort sollen die Bremerhavener Rönner-Gruppe und arabische Investoren ernsthafte Absichten bekundet haben. Ein „zeitnaher“ Abschluss sei denkbar, hieß es zuletzt.
Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) sieht den Erhalt der drei Werften an der Ostsee und der Lloyd Werft in Bremerhaven als entscheidend für den deutschen Schiffbau an. Einen Substanzverlust, wie er sich gegenwärtig abzeichnet, sei kaum mehr tragbar. Der VSM plädiert deshalb für die Fortführung der Betriebe mit neuen Eignern. Dafür müsse die Politik jetzt zügig die Voraussetzungen schaffen. Hierbei könne sich die neue Maritime Koordinatorin der Bundesregierung gleich vom Start aus bewähren.
Hans Jürgen Witthöft












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