After more than 20 years of service, the Marine Rescue Centre is now being "reinvented". The future i-Merz is optimised in terms of medical technology and comprehensively integrated into the task force providers.
The three task force supply centres are the backbone of the German Navy for supplying national and international naval units during operations and exercises. Over 230 tonnes of provisions and 9000 cubic metres of fuel - enough to refuel 130,000 mid-range cars in an entire small town - are just a small part of the comprehensive logistical supply. And this at any time and in any place in the world that combat ships can reach.
Up to two ships can be refuelled in parallel at a distance of around 40 metres at a speed of around 12 knots. Fixed goods such as provisions or ammunition can also be supplied in the same way. All of this requires reliable and complex technology as well as a well-coordinated team of specialists.
Gleiches gilt für die medizinische Versorgung mit dem Marineeinsatzrettungszentrum (Merz) der Einsatzgruppenversorger (EGV). Auf einer Fläche von drei Tennisplätzen ist das technische Leistungsspektrum eines mittelgroßen Krankenhauses installiert. Dies stellt eine umfassende chirurgische und intensivmedizinische Behandlung sicher und bildet das zentrale Bindeglied in der medizinischen Rettungskette von der Erstversorgung bis zur klinischen Behandlung. Derart ausgerüstet bietet das Merz für unsere Soldaten auf See den höchsten medizinischen Standard unter allen Marinen.[ds_preview]
Was sich hinter einem einfachen Begriff wie Rettungskette tatsächlich verbirgt, verdeutlicht das Beispiel der Operation Atalanta vor Somalia. Das Operationsgebiet ist nahezu zehnmal so groß wie Deutschland, daher ist ein Ausschiffen oder Ausfliegen von Verletzten mit einem Helikopter kaum möglich. Hier kommt der Einsatzgruppenversorger mit dem Merz ins Spiel und bildet das entscheidende Bindeglied, um Verletzte mit einem der bis zu zwei an Bord eingeschifften Helikopter aufzunehmen, medizinisch zu versorgen und zu transportieren, bis eine Verlegung in ein landgebundenes Krankenhaus räumlich möglich wird.
Merz neu erfunden – bis ins Detail
Seit rund 20 Jahren waren die beiden Marineeinsatzrettungszentren erfolgreich im Einsatz. Nach dem brandbedingten Verlust eines Merz hat die Projektleitung im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) eine Ersatzbeschaffung umgehend initiiert – die aber deutlich über einen reinen Eins-zu-eins-Ersatz hinausgeht.
Zusammen mit den in der Marine eingesetzten Sanitätskräften und dem bevollmächtigten Vertreter der Marine des EGV wurden die langjährigen Einsatzerfahrungen ausgewertet, intensive Gespräche mit Herstellern von Medizintechnik geführt, unterschiedliche technische Lösungen von den Mitarbeitenden im BAAINBw erarbeitet und in Abstimmung mit dem Bedarfsträger eine neue Lösung festgelegt – quasi das Merz neu erfunden.

B-Deck mit zwei OP-Räumen, Röntgenraum und
OP-Vorbereitungsraum. Grafik: Bw/Brückner
Im Kern tritt anstelle des bisherigen, auf Containern beruhenden Konzepts ein mit dem Schiff festverbundenes, somit integriertes Rettungszentrum, das i-Merz. Unabhängig von der Containerrasterung wird damit eine auf die medizinischen Behandlungsabläufe optimierte Raumaufteilung ermöglicht und umgesetzt. Doch diese Optimierung zeigt sich nicht nur im i-Merz, sondern auch im Zusammenspiel mit dem EGV. Die feste Anbindung an das Deckshaus ermöglicht jetzt einen vollkommen geschützten Patiententransport vom Hubschrauberhangar bis in das Rettungszentrum. Und nach der Behandlung wird eine ebenso geschützte Verlegung in die Bettenstation ermöglicht, die ein Deck unterhalb des i-Merz liegt.
Ausgestattet ist das zweigeschossige i-Merz wie ein mittelgroßes Krankenhaus. Es umfasst unter anderem zwei vollwertige Operationsräume, mehrere Untersuchungs- und Laborräume, einen zahnmedizinischen Behandlungsbereich sowie eine Röntgen- und Sterilisationsabteilung. Mit dem neuen i-Merz kommen nicht nur modernste Medizingeräte an Bord, auch die Digitalisierung hält Einzug und stellt damit neue Herausforderungen hinsichtlich der Netzwerke und Server dar. Vervollständigt wird dies durch technische Ausrüstungen für Klimatisierung, Sauerstofferzeugung, Kontaminationsschutz und die Einbindung in die Kommunikations- und Sicherungssysteme des EGV.
Bei Planung und Umsetzung sind, wie bei fast allen Projekten in der Nutzung, die spezifischen Gegebenheiten des vorhandenen Schiffs zu berücksichtigen, darunter Platzverhältnisse, Rettungswege, Energie-, Wasser- und Klimaversorgung. Hinzu kommt die Einbeziehung von speziellen militärischen Anforderungen. Besonders komplex wird das Projekt durch die Integration von Medizintechnik in ein Marineschiff. Dabei müssen einige über den klassischen Schiffbau hinausgehende Anforderungen aus der Medizintechnik berücksichtigt und realisiert werden. Zu nennen sind insbesondere extrem hohe Hygieneanforderungen, verlässlicher Strahlenschutz, hohe Luftreinheit, spezifische Zulassungsverfahren und die Bereitstellung von medizinischem Sauerstoff.
Die Realisierung des i-Merz reiht sich ein in eine lange Kette von technischen Maßnahmen der Projektleitung im BAAINBw, die neben den regelmäßigen materialerhaltenden Maßnahmen auch stets die Weiterentwicklung des komplexen Wehrmaterials im Auge hat – mit Weitblick und Erfahrung zur Sicherstellung der Einsatzreife.
Erst wenn die volle Funktionsfähigkeit inklusive der notwendigen Nachweise und Zulassungen gegeben ist, erfolgt das Aufsetzen und Anschließen des i-Merz auf dem EGV. Somit werden operative Einschränkungen der Verfügbarkeit auf ein notwendiges Minimum reduziert. Nach derzeitiger Planung soll dies im Frühjahr 2022 auf der FRANKFURT AM MAIN erfolgen.

So wird das neue i-Merz aussehen. Grafik: ZMS
Ein Ziel, über hundert Maßnahmen
Am 11. April 2021 feierte die BERLIN ihren 20. Geburtstag – bis dahin wurden 2187 Seetage, 495 418 Seemeilen – was rund 23 Erdumrundungen entspricht – und 15 Auslandseinsätze absolviert. Die Zahlen zeigen beeindruckend, was die drei Einsatzgruppenversorger bereits geleistet haben. Um die Einsatzreife jederzeit zu gewährleisten, wurden neben den regelmäßigen Instandhaltungsmaßnahmen bis heute über hundert technische Maßnahmen, sogenannte Produktänderungen, durchgeführt. Damit werden Obsoleszenzen beseitigt sowie Verbesserungen auf Detailebene bis hin zu komplexen Maßnahmen umgesetzt. Immer mit dem Ziel, die Einsatzreife zu erhalten und zuverlässig die Schiffe der Marine zur Verfügung zu stellen.
Neben der Realisierung des i-Merz werden alle drei EGV aktuell zur Aufnahme der neuen Bordhubschrauber NH 90 Sea Lion als Nachfolger der Sea King umgebaut. Für den EGV BONN wurde dies Anfang 2021 erfolgreich abgeschlossen, die FRANKFURT AM MAIN befindet sich derzeit im Umbau, nächstes Jahr folgt die BERLIN. Als weitere große Maßnahme zum Erhalt der Einsatzbereitschaft zählt das Retrofit der Seeversorgungsanlagen EGV 1. Los, bei dem im Kern die Steuerung regeneriert sowie Bedienabläufe verbessert werden. Auch hier werden auf der FRANFURT AM MAIN bereits erste Arbeiten ausgeführt. In den Startlöchern befindet sich zudem die Integration einer Ballastwasserbehandlungsanlage zur Erfüllung von Umweltschutzauflagen. Vorbereitet wird auch eine Erhöhung der Unterbringungskapazitäten entlang geänderter Kapazitätsbedarfe, und am Horizont zeichnen sich bereits die Integration neuer Kommunikationsmittel wie German Mission Network 4 oder die Anpassungen der Lagebilddarstellungsanlagen ab.

EGV Bonn. Foto: Bw/Tom Twardy
Grundlage für Neubauprojekte
Mit der Realisierung des integrierten Marineeinsatzrettungszentrums auf dem EGV erhält die Deutsche Marine medizinische Spitzentechnik zum Wohl und der Sicherheit der Menschen an Bord – bei Übungen, im Einsatz und in Notlagen. Die Einsatzfähigkeit des EGV und damit indirekt der zu unterstützenden Einsatzkräfte wird so nachhaltig gestärkt.
Die Realisierung des i-Merz reiht sich in eine lange Kette von technischen Maßnahmen der Projektleitung im BAAINBw, die neben den regelmäßigen materialerhaltenden Maßnahmen insbesondere die Weiterentwicklung des komplexen Wehrmaterials im Auge hat – mit Weitblick und Erfahrung zur Sicherstellung der Einsatzreife.
Mit diesen komplexen Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Wehrmaterials in der Nutzung werden aber auch wertvolle Erfahrungen für anstehende Neubauprojekte gewonnen, die insbesondere einen direkten Bezug zu Einsatzrealitäten haben und somit gewinnbringend in Neubauprojekte einfließen können. Das hier investierte „Lehrgeld“ zahlt sich durch eine praxistaugliche Gestaltung der Neubauprojekte aus und trägt dazu bei, mit begrenzten Ressourcen erfolgreiche Beschaffungen durchzuführen.
Autor: Technischer Regierungsdirektor Gunther Brückner ist Referatsleiter BAAINBw S5.1 (EGV und Tender).












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