The successor to the Sea King is the Sea Lion. Photo: Bw/Marine Air Command

The successor to the Sea King is the Sea Lion. Photo: Bw/Marine Air Command

The great leap

The complexity of the Navy's new helicopters requires intensive, modern training that cannot be provided on the Sea Lion and Sea Tiger operational models alone. A training helicopter is needed. Without it, the immense potential of the new systems cannot be utilised.

The naval aviators are delighted! After 50 years of the Sea King and 40 years of the Sea Lynx, they are converting both helicopter fleets to the NH 90. The Sea King will be replaced by the Sea Lion, the naval transport variant and currently the most modern version of the NH 90, while the Sea Lynx will go one step further. The NH 90 is to be introduced as a Multi-Role Frigate Helicopter (MRFH) under the name Sea Tiger. The target version of this already includes roughly what other nations are aiming for as part of a midlife update from the end of the twenties.
In future, a total of 48 helicopters of these two types will be available to the Navy for the entire spectrum of maritime SAR services, submarine hunting, maritime interdiction tasks, surface warfare such as support for coastal operations and maritime special forces operations.
Der Entwicklungsschritt könnte kaum größer ausfallen. Wenngleich vordergründig nur der Größenunterschied zwischen Sea Lynx und Sea Tiger auffällig ist, unterscheiden sich doch auch Sea King und Sea Lion wesentlich. Bereits der Sea Lion, obwohl nicht für den taktischen Einsatz vorgesehen, entspricht einer kleinen Operationszentrale. Im Sea Tiger kommen dann vernetzte und eigene Sensor-Informationen zusammen, die im Verbund mit entsprechender Bewaffnung die eigenständige und gleichzeitige mehrdimensionale Seekriegführung ermöglichen. Zumindest könnte das der Hubschrauber, falls die kleine Besatzung mit den Anforderungen Schritt halten kann, die sonst ein Seefernaufklärer oder die Operationszentrale eines Schiffes erfüllt. [ds_preview]
Die Anzahl der Besatzungsmitglieder bleibt aber begrenzt und die Möglichkeit der technischen Aufbereitung von Daten zur Informationsverarbeitung ist bereits ausdefiniert. Gute Einsatzkonzepte können helfen, haben aber nur begrenztes Optimierungspotenzial. Wie viel des immensen technischen Potenzials wir nutzen können und wie hoch der Kampfwert dieses leistungsfähigen Systems für die Marine sein wird, hängt also von Qualität und Tiefe der Ausbildung ab.
Hier fängt die Herausforderung an:
• Flugstunden auf dem NH 90 sind knapp und kostenintensiv, zugleich muss eine maximale Verfügbarkeit dieses high value assets im Einsatz gewährleistet werden.
• Eine mehrjährige Vorausbildung lässt sich angesichts eines bereits jetzt ungünstigen Verhältnisses von Ausbildungs- zu Einsatzzeiten nicht realisieren.
• Wie gestaltet man eine Ausbildung für ein solch komplexes System mit ebensolchem Auftrag, ohne die Schüler in Cockpit und Kabine zu überfordern?
• Wie sichert man die notwendige Kontinuität der Ausbildung, um einen raschen Aufwuchs zu gewährleisten in einer Phase der zeitgleichen Ausphasung zweier Altsysteme und Einführung der Neusysteme bei durchgängigem Erhalt der Einsatzverpflichtungen?

NH 90 (from left) and an EC 135 from HTM. Photo: Bw/Marine Aviation Command

NH 90 (from left) and an EC 135 from HTM. Photo: Bw/Marine Aviation Command

All diese Überlegungen sind nicht neu. Bereits vor Jahren trugen sie dazu bei, dass sich die Deutsche Marine für eine „Einflotten-Lösung“ entschied, also Sea Lynx und Sea King durch Hubschrauber mit gemeinsamer Basis zu ersetzen. Sie führten auch dazu, dass sich die Marine am Projekt Light Utility Helicopter Streitkräfte (LUH SK) beteiligte, der Einführung eines streitkräftegemeinsamen Ausbildungshubschraubers. Dieser soll die Brücke bilden zwischen der rund hundert Flugstunden umfassenden Hubschrauber-Grundschulung auf dem Basismuster EC 135 und der Einsatzausbildung auf den komplexen neuen Waffensystemen. Denn gerade für die Marine ist ein direkter Umstieg nach nur hundert Flugstunden als Single-Pilot von einem kleinen Zwei-Tonnen-Hubschrauber auf einen Zehn–Tonnen-Hubschrauber, der in einem komplexen Crewkonzept geflogen und in den forderndsten maritimen Spektren eingesetzt wird, undenkbar. Das zu wählende Hubschraubermuster sollte dabei in der Bedienung eine möglichst hohe Vergleichbarkeit mit dem Basismuster oder dem späterem Waffensystem aufweisen. Es sollte auch Flugstunden möglichst günstig und zuverlässig bereitstellen, um eine planbare Ausbildung in einer angemessenen Ausbildungszeit realisieren zu können.
Um möglichst viele Flugstunden von den knappen Einsatzmustern zu verlagern, sollten nahezu alle späteren Aufgaben mit vergleichbaren Abläufen auf dem Ausbildungshubschrauber geübt werden können. Für die Marine heißt das: Der Hubschrauber muss ein decklandefähiges Radfahrwerk haben, ein Seeraumüberwachungsradar, eine Seenotrettungswinde und ein Missionssystem, das das Üben späterer Verfahrensabläufe ermöglicht.
Die Bedarfe von Marine einerseits und Luftwaffe wie Heer andererseits in dem Projekt LUH SK zu vereinen, ist anspruchsvoll. Alle Beteiligten sind aber gewillt, diesen Weg zu gehen. Allerdings ist eine Umsetzung dieses Projekts erst in den Jahren ab 2025 und mit einer ersten Realisierung für das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum Bückeburg vorgesehen. Der größte Bedarf an Ausbildungsflugstunden für die Deutsche Marine wird jedoch bereits 2023 auftreten, wenn neben dem Umstieg auf den Sea Lion auch die Einführung Sea Tiger vorbereitet werden muss. Zu diesem Zeitpunkt treffen Regenerationsausbildung und Umschulung des gesamten Bestandspersonals der Marine aufeinander.
Dieses Dilemma war nur in Teilen absehbar. Zum einen hatten sich die Marineflieger eine größere Einsatzreife des Sea Lion bei Übernahme und dadurch einen schnelleren Aufbau eines Flugstundenpolsters, also auch einem Abbau des Umschulungsbedarfs erhofft. Hauptsächlich aber war mit einer früheren Verfügbarkeit der ersten Sea Tiger gerechnet worden. Da der inzwischen geschlossene Vertrag mit Airbus Helicopters Deutschland nun die erste Auslieferung eines Sea Tiger erst in dem Monat vorsieht, in dem der letzte Sea Lynx ausgephast wird, muss das gesamte Bestandspersonal der Bordhubschrauber-Staffel ebenfalls über den Sea Lion umgeschult werden. Ein Abfedern dieses temporär extrem erhöhten Schulungsbedarfs über einen Simulator ist ebenfalls nicht möglich, da auch der Sea-Lion-Simulator erst 2023 ready for training sein wird.
Was also ohnehin operativ erstrebenswert, wirtschaftlich sinnvoll und für eine attraktive Ausbildung essenziell ist, wird plötzlich auch zeitkritisch. Der bereits anerkannte Bedarf muss schon in einem Zeitfenster gedeckt werden, in dem das Projekt LUH SK nun absehbar nicht realisierbar ist; in dem sich aber auch keine Infrastruktur erstellen oder Fluglehrpersonal generieren ließe. Gleichzeitig wird klar: Ohne einen solchen Hubschrauber wird eine jahrelange Lücke zwischen Sea Lynx und einem operativ qualifizierten Personalkörper auf dem Sea Tiger klaffen. Der Fähigkeitsübertrag und damit die Einführung dieses Milliarden-Euro-Rüstungsprojektes droht zu scheitern.
Schließen ließe sich diese Lücke zum Projekt LUH SK über einen Ausbildungsvertrag mit einem zivilen Dienstleister, der sowohl über entsprechende Hubschrauber als auch über die maritim-militärische Lehrexpertise verfügt. So sehr sich das nach einer Nischenqualifikation anhört, solche Firmen gibt es. Benötigte Fähigkeiten könnten zeitgerecht aufgebaut und Flugstunden mit Fluglehrern zuverlässig zu einem Bruchteil der Flugstunden-Preise unserer komplexen Waffensysteme verfügbar gemacht werden.

Der Einsatz über See erfordert besondere Kenntnisse. Foto: Bw/Marinefliegerkommando

Der Einsatz über See erfordert besondere Kenntnisse. Foto: Bw/Marinefliegerkommando

Zugegeben: Eine solche Lösung adressiert noch nicht die Herausforderungen, eine moderne Missionsvorbereitung, -unterstützung und -auswertung leisten zu können. Sie leistet auch noch nicht die notwendige Digitalisierung der Ausbildung, um, die Real-Flüge flankierend, eine kosteneffiziente, zeitsparende und attraktive Ausbildung zu gewährleisten.
Ein Ausbildungshubschrauber würde jedoch das zentrale Problem der steten Abwägung zwischen Ausbildungs- und Einsatzerfordernissen lösen. Die Deutsche Marine könnte damit Personal und Material weit mehr auf den Einsatzauftrag fokussieren. Unabhängig vom Auftragsvolumen in Einsätzen und Übungen, könnte ein steter Fluss an Nachwuchs ohne Wartezeiten ermöglicht werden. Vor allem aber könnte die Bugwelle an Schulungsbedarf bei Umsteuerung von Alt- auf Neusystem bewältigt werden.
Wir geben Milliarden für Rüstung aus. Unser höchstes Gut bleibt aber das hoch qualifizierte Personal. Ohne eine individuell zugeschnittene, moderne Ausbildung gefährden wir dieses Personal und nutzen nur einen Bruchteil der teuer bezahlten Technologie. Ein Ausbildungshubschrauber teilt den „großen Sprung“ in beherrschbare Schritte auf und dient so Personal wie Auftragserfüllung.

Autor: Kapitän zur See Thorsten Bobzin ist Kommandeur Marinefliegerkommando.

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