Together with ships from other nations, the German Indo-Pacific convoy lies in Pearl Harbor, photo: US Navy/John Bellino

Together with ships from other nations the German Indo-Pacific convoy in Pearl Harbor, Photo: US Navy/John Bellino

The largest naval exercise in the world

At the end of June, the biennial multinational manoeuvre Rimpac took place on and in the waters around Hawaii. German Navy ships took part for the first time.

An der von der US Navy geführten Übung Rimpac 2024 nahmen insgesamt 29 Nationen mit rund 25 000 Personen teil. Den Oberbefehl als Combined Task Force Commander hatte Vizeadmiral John Wade, der kommandierende Offizier der 3. US-Flotte. Neben den amerikanischen Streitkräften nahmen die Marinen verschiedener Pazifik-Anrainerstaaten teil, von Australien über Ecuador und Indonesien bis zu Japan und Peru. Hinzu kam eine Reihe „ortsfremder“ Nationen: Belgien, Brasilien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Indien, Israel, Italien, Niederlande, Sri Lanka – und Deutschland.[ds_preview]

Vor der Übung begaben sich mehrere multinationale Schiffsverbände auf sogenannten Group Sails, Verbandsfahrten nach einem Treffen in internationalen Gewässern, auf den gemeinsamen Weg zur Marinebasis Pearl Harbor. Insgesamt entsendeten die Teilnehmernationen 40 Überwasserschiffe, drei U-Boote, 14 Landkriegseinheiten und über 150 Flugzeuge, darunter F-35, P-8 und V-22. Die Fluggeräte operierten von der gemeinsam von US Air Force und US Navy genutzten Joint Base Pearl Harbor-Hickam und von der Marine-Corps-Basis Kaneohe Bay. Rimpac 24 beinhaltete Übungen in den Bereichen U-Jagd, Multi-Schiff-Überwasserkriegführung, multinationale amphibische Landungen und Abwehr von Angriffen zu Wasser, zu Land und in der Luft auf eine Flugzeugträgerkampfgruppe.

Ein chilenischer Marineoffizier begrüßt mit seiner Familie die Fregatte Almirante Condell, Foto: US Navy/Courtney Strahan

Ein chilenischer Marineoffizier begrüßt mit seiner Familie
die Fregatte Almirante Condell, Foto: US Navy/Courtney Strahan

Für den amphibischen Teil stellten neun Partnernationen insgesamt 13 amphibische Schiffe samt Bordflugzeugen und Helikoptern sowie mitgeführte Landungsboote und Landkriegsfahrzeuge. Zusätzlich stand beim diesjährigen Manöver die bisher umfangreichste Übung einer humanitären Katastrophen-Hilfsaktion auf dem Programm, an der fünf Schiffe, fünf Landungsboote, fünf Flugzeuge, mehrere Landstreitkräfte und mehr als 25 000 Personen beteiligt waren. Darunter befanden sich die medizinische Katastrophenhilfe des US-Bundesstaates Hawaii, das Hawaii Healthcare Emergency Management. Weitere humanitäre und Katastrophenschutzorganisationen aus den USA und aus Singapur unterstützten die Hilfsübung. In diesem Jahr stand Rimpac auch im Zeichen des Umweltschutzes. Alle beteiligten Nationen und Einheiten waren angehalten, Schutzmaßnahmen für die natürlichen und kulturellen Ressourcen der hawaiianischen Inseln einzuhalten.

Vizeadmiral John Wade (M.) erläutert den Ablauf von Rimpac, Foto: US Navy/Courtney Strahan

Vizeadmiral John Wade (M.) erläutert den Ablauf von Rimpac, Foto: US Navy/Courtney Strahan

Internationale Führungsspitze

Am 27. Juni präsentierte Vizeadmiral John Wade der internationalen Presse die Einzelheiten des diesjährigen Manövers: „Die Übung Rim of the Pacific ist über die Jahre zur weltgrößten und führenden gemeinsamen maritimen Trainingsmöglichkeit gewachsen. Der Zweck des Manövers ist es, Beziehungen zu knüpfen, Interoperabilität und Befähigungen aufzubauen und letztendlich zum Frieden und zur Stabilität in der überaus wichtigen Indopazifischen-Region beizutragen.“ Das Motto von Rimpac 2024 lautete „Partner: integriert und vorbereitet“.

Erstmals wurde mit Flottillenadmiral Alberto Guerrero in diesem Jahr der Stellvertretende Befehlshaber der Combined Task Force von der chilenischen Marine gestellt. Weitere Schlüsselpositionen wurden mit Konteradmiral Kazushi Yokota von den japanischen Selbstverteidigungsstreitkräften als Stellvertreter des Befehlshabers, Flottillenadmiral Kristjan Monaghan von der kanadischen Marine als Befehlshaber der maritimen Komponente und Flottillenadmiral Louise desJardins von der australischen Luftwaffe als Befehlshaberin der fliegenden Komponente besetzt. Während des Pressetermins wurden die Trainingsschwerpunkte von Rimpac 24 vorgestellt: amphibische Operationen, Schießübungen, Raketen-, U-Jagd- und Flugabwehrübungen. Hinzu kamen medizinische, humanitäre, Katastrophenschutz-, Anti-Piraterie- und Minenbeseitigungsoperationen, Sprengmittelbeseitigung, Tauchübungen und Bergungsaktionen.

Nach der Landphase und den damit verbundenen Vorbereitungen des Seemanövers begann am 9. Juli die rund vierwöchige Seephase. In der vorangegangenen Hafenphase hatte sich das Personal kennengelernt und das Vorgehen besprochen. Zudem wurden landgestützte Einzelübungen durchgeführt, beispielsweise Trainingsmaßnahmen für Kampfmittelbeseitiger und Sprengstoffspezialisten.

Japanischer Flugabwehrzerstörer Haguro der Maya-Klasse, Foto: US Navy/Jaimar Carson Bondurant

Japanischer Flugabwehrzerstörer Haguro der Maya-Klasse, Foto: US Navy/Jaimar Carson Bondurant

In diesem Jahr nahmen mit der Fregatte BADEN-WÜRTTEMBERG und dem Einsatzgruppenversorger FRANKFURT AM MAIN erstmals zwei Schiffe der Deutschen Marine an Rimpac teil. Neben den schwimmenden Einheiten waren auch drei Eurofighter und zwei Transportflugzeuge A 400M der Deutschen Luftwaffe dabei. Die beiden Schiffe bilden seit dem Frühjahr den maritimen Teil des deutschen Indo-Pacific Deployments 2024 (IPD 24). Nach dem Eintreffen der Schiffe in Pearl Harbor gab Flotillenadmiral Axel Schulz, Kommandeur des IPD, zu Protokoll: „Wir freuen uns darauf, mit unseren Verbündeten intensiv zu kooperieren und unseren Verband mit seinen Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen.“ Die Bundesrepublik Deutschland teile zudem die Intention von Rimpac, die internationale regelbasierte Ordnung zu stärken und fortzuentwickeln. Weiterhin wolle Deutschland in enger Abstimmung mit dem wichtigsten strategischen Partner des Indo-Pazifiks, den USA, das Engagement in dieser Region der Welt verstetigen.

Archivaufnahme des bei Rimpac versenkten amphibischen US-Angriffsschiffs Tarawa aus dem Jahr 1986, Foto: US Navy

Archivaufnahme des bei Rimpac versenkten amphibischen US-Angriffsschiffs Tarawa aus dem Jahr 1986, Foto: US Navy

Versenkungen

Am 23. Juli gab die US Navy bekannt, dass während der Seephase des Manövers zwei ausgediente amphibische Schiffe von einigen teilnehmenden Streitkräften bei Sinkex-Übungen versenkt würden. Bei den Schiffen handelte es sich um die ehemalige USS DUBUQUE und die ehemalige USS TARAWA. Damit haben sich teilweise jahrelange Bemühungen, die TARAWA als Museumsschiff zu erhalten, endgültig zerschlagen. Die beiden Schiffe wurden in rund 5000 Meter tiefen Gewässern vor der Nordküste der Insel Kauai versenkt. Sinkex-Übungen ermöglichen den Teilnehmern den scharfen Schuss inklusive taktischer Planung in einem sehr viel realistischeren Szenario, als dies im Simulator darstellbar wäre. Insbesondere Präzisionsangriffe und Langstrecken-Luftschläge können dabei trainiert werden. Vizeadmiral Wade erläuterte hierzu: „Versenkungsübungen ermöglichen es uns, unsere Fähigkeiten zu schärfen, voneinander zu lernen und reale Erfahrungen zu sammeln. Die Nutzung von fortschrittlichen Waffensystemen und die Professionalität unserer Teams während dieser Übungen zeigen unser Engagement, die Indopazifik-Region sicher und offen zu halten.“

F-35 (v.) und F/A-18 gehören zu den Kampfflugzeugen der großen US-Flugzeugträger, Foto: US Navy/Paul Seeber

F-35 (v.) und F/A-18 gehören zu den Kampfflugzeugen der großen US-Flugzeugträger, Foto: US Navy/Paul Seeber

An den Versenkungen waren Einheiten aus Australien, Malaysia, den Niederlanden, der Republik Korea sowie von US Air Force, Army und Navy beteiligt. Besonders anspruchsvoll erwies sich die Versenkung der ehemaligen Tarawa, mit 250 Meter Länge und 40 000 Tonnen Verdrängung ein „stattlicher Brocken“. Zur Versenkung des amphibischen Trägers kamen unter anderem von F/A-18 Super Hornets abgefeuerte Langstreckenseezielflugkörper des Typs Long-Range Anti-Ship Missile zum Einsatz. Weiterhin kam ein Stealthbomber des Typs B-2A Spirit der US Air Force zum Zug.

Flaggschiff des diesjährigen Manövers war der amerikanische Flugzeugträger Carl Vinson der Nimitz-Klasse, Foto: US Air Force/Corban Lundborg

Flaggschiff des diesjährigen Manövers war der amerikanische Flugzeugträger Carl Vinson der Nimitz-Klasse, Foto: US Air Force/Corban Lundborg

Vor den Sinkex-Übungen wurden die ausgeschlachteten Rümpfe der ehemaligen Marineschiffe in gemäß den Bestimmungen der amerikanischen Umweltbehörde EPA auf ihre Versenkung vorbereitet. Sämtliche umweltbelastenden Materialien wie Treibstoff, Öl, Müll, Blei, schwimmfähiges Material, krebserregende organische Chlorverbindungen und Fluorkautschuk wurden aus dem Schiff entfernt. Alle Reinigungsprozesse wurden von der US Navy dokumentiert und die Umweltbehörde vor und nach der Versenkung informiert. Die Schiffe mussten den Vorschriften entsprechend in mehr als 2000 Meter tiefen Gewässern und mindestens 50 Seemeilen vor der Küste versenkt werden.

Im Sommer 2026 wird das nächste Rimpac-Manöver wieder die meisten demokratischen Pazifik-Anrainerstaaten mit Seestreitkräften in den Gewässern vor Hawaii zusammenbringen. Dazu werden sich wahrscheinlich – wie in den vergangenen Jahren auch – europäische Marinen gesellen. Es bleibt abzuwarten, ob die Deutsche Marine dann wieder dabei ist und dadurch ein Zeichen für mehr Engagement in einer Region setzen kann, die von Deutschland lange vernachlässigt wurde, die aber in der geopolitischen Großwetterlage eine überaus wichtige Rolle spielt.

Stefan Ulsamer ist freier Journalist mit Schwerpunkt Marinetechnik.

Stefan Ulsamer

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