HMS Vanguard at anchor, photo: Naval Heritage and History Command, U.S. Navy

HMS Vanguard at anchor, photo: Naval Heritage and History Command, U.S. Navy

The last battleship of the Royal Navy

Few ships symbolise a maritime turning point in time as strikingly as HMS VANGUARD, which arrived too late for the Second World War and was no longer really needed in the post-war period.

The Royal Navy ended the First World War with a sizeable fleet of capital ships, but was now in need of a fundamental qualitative renewal in order to be able to defend its leading position against new naval powers such as the USA and Japan in the long term. procurement plans for new battleships and battlecruisers did exist at the beginning of the 1920s, but were thwarted by scarce financial resources, the abolished German threat and, above all, the Washington Naval Agreement of 1922. As a result, the now shrinking Royal Navy was only able to commission two new battleships, HMS NELSON and HMS RODNEY, during the decade.

Dies sollte sich während der 1930er-Jahre rächen, als sich mit Deutschland, Italien und Japan gleich drei totalitär geführte Staaten anschickten, ehrgeizige [ds_preview] maritime Beschaffungsvorhaben voranzutreiben. Die erste Londoner Konferenz unter Beteiligung Japans brachte 1930 noch einen Erfolg bei der Begrenzung des Baus neuer Großkampfschiffe, aber schon bei der zweiten Londoner Konferenz 1935/36 reiste die japanische Delegation vorzeitig ab, Deutschland und Italien waren aus unterschiedlichen Gründen erst gar nicht dabei. Zwar sicherte Deutschland 1935 vertraglich zu, die Stärke seiner Kriegsflotte, bezogen auf die Gesamttonnage, auf 35 Prozent der Royal Navy zu beschränken, eine massive maritime Aufrüstung mit unbekanntem Ausgang hatte in Deutschland und Japan aber längst begonnen und zwang die Royal Navy zu einer Reaktion. Die im Abschlussprotokoll der zweiten Londoner Konferenz vereinbarte Obergrenze von 35 000 Tonnen für Großkampfschiffe führte zur Entwicklung der KING-GEORGE-V-Klasse, deren fünf Einheiten beim Großkaliber allerdings auf 35,6 Zentimeter beschränkt blieben.

Heckansicht der HMS Vanguard, in der ihr charakteristisches Spiegelheck gut zu erkennen ist, Foto: Naval Heritage and History Command, U.S. Navy

Heckansicht der HMS Vanguard, in der ihr charakteristisches Spiegelheck gut zu erkennen ist, Foto: Naval Heritage and History Command, U.S. Navy

Als sich die Japaner in der Folgezeit weigerten, detaillierte Informationen über ihr Programm zum Bau neuer Großkampfschiffe bereitzustellen, gingen die USA und Großbritannien im Frühjahr 1938 dazu über, Bauvorhaben für noch größere Schlachtschiffe anzugehen. Entwicklung und Bau der britischen LION-Klasse mit einer Verdrängung von rund 40 000 Tonnen gestalteten sich jedoch überaus kompliziert; vor allem die Konstruktion der Hauptbewaffnung des Kalibers 40,6 Zentimeter in drei Drillingstürmen führte zu immer neuen Verzögerungen. Schon Anfang 1939 zeichnete sich ab, dass die neuen Einheiten frühestens 1943 zur aktiven Flotte stoßen würden.

Kurzerhand beschloss man, vier alte Zwillingstürme des Kalibers 38,1 Zentimeter, die nach dem Umbau der Schlachtkreuzer HMS COURAGEOUS und HMS GLORIOUS zu Flugzeugträgern in den 1920er-Jahren eingelagert worden waren, für den Bau eines neuen Schlachtschiffs heranzuziehen, der HMS VANGUARD (zu Deutsch: Vorhut oder Vorreiter). Die Arbeiten an der LION-Klasse wurden zwar sporadisch fortgesetzt, die Admiralität setzte ihre Hoffnung ab dem Sommer 1939 aber primär auf eine rasche Fertigstellung der HMS VANGUARD, für deren Bau schließlich sogar Teile der nie fertiggestellten Schiffe der LION-Klasse verwendet wurden.

Weltkriegsbedingungen

Auch der Bau der HMS VANGUARD stand unter keinem guten Stern und wurde immer wieder unterbrochen; insbesondere sorgten der Kriegsverlauf und die Erfahrungen einzelner Seegefechte während der folgenden Jahre für ständige Änderungen am ursprünglichen Entwurf. Beispielsweise führten die Vergrößerung der Treibstofftanks und eine verbesserte Panzerung zu einem so großen Tiefgang, dass das neue Schiff den Sueskanal nicht mehr hätte durchqueren können. Zur Behebung des Problems wurde die Panzerung leicht reduziert und das Schiff um 76 Zentimeter verbreitert, wodurch es nun allerdings die wichtigen Marinedocks in Devonport und im schottischen Rosyth nicht mehr anlaufen konnte.

Die Versenkung der HMS PRINCE OF WALES durch japanische Torpedobomber vor Singapur am 10. Dezember 1941 machte eine massive Vergrößerung des longitudinalen Schraubenabstands bei der VANGUARD erforderlich, um dem Ausfall der beiden Schrauben auf einer Schiffsseite durch nur einen einzigen Torpedotreffer vorzubeugen. Daneben wurden die Munitionszuführungsräume der mittleren Artillerie von den unteren auf die mittleren Decks verlegt, was erneute Verzögerungen nach sich zog, die VANGUARD aber auf neue Bedrohungsszenarien besser vorbereiten sollte.

Einholen eines Rettungsbootes während der NATO-Übung „Mainbrace“ am 19. September 1952, Foto: Naval Heritage and History Command, U.S. Navy

Einholen eines Rettungsbootes während der NATO-Übung „Mainbrace“ am 19. September 1952, Foto: Naval Heritage and History Command, U.S. Navy

Die ursprünglich vorgesehene Fähigkeit des vordersten schweren Geschützturms zum waagerechten Schuss wurde zugunsten einer höheren Bugsektion aufgegeben, um einem „feuchten“ Vorschiff wie bei der KING-GEORGE-V-Klasse vorzubeugen. Weitere Veränderungen während des Baus betrafen eine erneut erhöhte Treibstoffkapazität (eine Lehre aus der Jagd auf die BISMARCK im Mai 1941, als schwere britische Einheiten die Verfolgung wegen Treibstoffmangels abbrechen mussten) und eine Verstärkung der Flugabwehr unter Verzicht auf zwei Bordflugzeuge und ein Startkatapult. Ein Vorschlag zum Umbau des unfertigen Schiffs in einen Flugzeugträger im Frühjahr 1942 wurde zwar wieder verworfen, zeigte aber exemplarisch die Zerrissenheit einer Royal Navy, die die Notwendigkeit moderner Schlachtschiffe weiterhin grundsätzlich anerkannte, im Kriegsverlauf aber mehr und mehr realisierte, dass sich das Zeitalter großkalibriger Schlachtschiffe wohl langsam seinem Ende zuneigte.

Infolge der ständigen Eingriffe in den Konstruktionsprozess und eines chronischen Arbeitskräftemangels konnte die VANGUARD erst am 30. November 1944 in Clydebank vom Stapel laufen und wurde an diesem Tag das erste Kriegsschiff der Royal Navy, das von der damaligen Prinzessin und späteren Königin Elisabeth II. getauft wurde. Mittlerweile hatte das Interesse an einer zügigen Fertigstellung des Schlachtschiffs jedoch merklich nachgelassen, da die deutsche Kriegsmarine nach der Versenkung der TIRPITZ in einem norwegischen Fjord wenige Wochen zuvor über keine ernstzunehmenden Großkampfschiffe mehr verfügte und der Seekrieg im Pazifik ohnehin längst von Seeluftstreitkräften dominiert wurde.

HMS Vanguard auf dem Programmheft zur Flottenparade anlässlich der Krönung von Königin Elisabeth II. am 15. Juni 1953, Foto: Royal Navy

HMS Vanguard auf dem Programmheft zur Flottenparade anlässlich der Krönung von Königin Elisabeth II. am 15. Juni 1953, Foto: Royal Navy

Flottendienst in Friedenszeiten

Zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung am 12. Mai 1946 stellte die VANGUARD (Motto: We lead) zweifelsohne den Höhepunkt des britischen Schlachtschiffbaus dar, der 1906 mit der DREADNOUGHT begonnen und der Royal Navy lange Jahre die Spitzenposition im weltweiten maritimen Kräftemessen gesichert hatte. Mit einer Wasserverdrängung von rund 45 000 Tonnen, einer Länge von über 248 Metern und einer Breite von rund 33 Metern war die VANGUARD das größte bis dahin in Großbritannien gebaute Kriegsschiff, das nach Kriegsende nur mit den beiden französischen Schlachtschiffen der RICHELIEU-Klasse und den vier Einheiten der amerikanischen IOWA-Klasse verglichen werden konnte. Das Schiff erwies sich schon in der Erprobungsphase als äußerst seetüchtig, beispielsweise betrug die maximale Krängung bei Übungen nur 15 Grad; die etwas größeren amerikanischen IOWA-Schlachtschiffe brachten es auf 26 Grad.

Die Bewaffnung aus vier Zwillingstürmen des Kalibers 38,1 Zentimeter, acht mittleren Zwillingstürmen des Kalibers 13,3 Zentimeter und nicht weniger als 73 Bofors-Flugabwehrgeschützen mit 4 Zentimetern in unterschiedlichen Anordnungen entsprach dem Zuschnitt typischer Großkampfschiffe der Zeit und sticht vor allem durch ihre eindrucksvolle Flugabwehrfähigkeit hervor – eine Lehre aus den Erfahrungen des Krieges. Zwar war die VANGUARD mit einer Höchstgeschwindigkeit von 29,5 Knoten etwas langsamer als vergleichbare Einheiten anderer Staaten, wäre der deutschen TIRPITZ aufgrund ihrer guten Panzerung und ihrer modernen Feuerleitsysteme für die schwere, mittlere und leichte Bewaffnung aber in jedem Falle ein ebenbürtiger Gegner gewesen.

Die spätere Königin Elisabeth II. an Bord der HMS Vanguard, Foto: Royal Navy

Die spätere Königin Elisabeth II. an Bord der HMS Vanguard, Foto: Royal Navy

Während ihrer aktiven Dienstzeit ab 1946 sollte die Besatzungsstärke der VANGUARD zwischen 1600 und 2000 Mann schwanken, wobei die niedrigeren Werte eher in späteren Jahren erreicht wurden, als gleich mehrere Geschütztürme aufgrund Personalmangels unbemannt blieben; da auch Gewicht eingespart werden musste, wurde konsequenterweise auf eine volle Munitionierung verzichtet. Das Gros seiner Dienstzeit sollte der Gigant denn auch mit Repräsentationsaufgaben und Übungen zubringen. Missionen im Rahmen des Küstenbeschusses während des Korea-Kriegs, wo die Schlachtschiffe der amerikanischen IOWA-Klasse zum Einsatz kamen, oder während der Sues-Krise blieben ihr erspart.

Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit trat die HMS VANGUARD Anfang 1947, als sie die britische Königsfamilie medienwirksam nach Südafrika brachte. Nach einer ersten größeren Überholung 1947/48 wurde sie 1949 zum Flaggschiff der Mittelmeerflotte. Weitere Staatsbesuche durch die königliche Familie mussten nun aufgrund des schlechten Gesundheitszustands von König Georg VI. abgesagt werden, dennoch besuchte das Schlachtschiff 1949/50 gleich mehrere wichtige Verbündete im Mittelmeerraum. Anfang der 1950er-Jahre wurde die VANGUARD zum Flaggschiff des Trainingsgeschwaders der Home Fleet und schließlich der Home Fleet selbst; wichtige Besuche führten sie nun nach Frankreich und Italien, 1954 sollte es nach Norwegen und Schweden gehen. Einen Höhepunkt dieser Jahre bildete die Teilnahme an der Flottenparade anlässlich der Krönung von Königin Elisabeth II. am 15. Juni 1953 vor Portsmouth.

Das Ende der HMS VANGUARD zeichnete sich 1955 nach nur neun aktiven Dienstjahren ab, als das Schiff zugunsten zweier Kreuzer aus dem aktiven Dienst ausschied und zur Reserveflotte stieß. Nunmehr zum Nichtstun verurteilt, wurde das Schiff zur Filmkulisse, zuletzt für den Film „Sink the BISMARCK!“, dessen Innenaufnahmen überwiegend an Bord der VANGUARD gedreht wurden.

Am 7. Juni 1960 wurde die VANGUARD endgültig außer Dienst gestellt, gut zwei Monate später trat sie von Portsmouth aus ihre letzte Reise ins schottische Faslane an, wo sie während der folgenden zwei Jahre abgewrackt wurde. Als kleine Ironie des Schicksals verzögerte sich ihre Abfahrt aus Portsmouth, als das Schlachtschiff – gezogen von mehreren Schleppern – direkt vor einem Pub an einer Hafenmauer auf Grund lief und mühsam freigeschleppt werden musste. Eine Geschichte, die mit vielen Verzögerungen begonnen hatte, sollte auch mit einer Verzögerung enden.

Ende einer Epoche

Die VANGUARD erlangte nie den Bekanntheitsgrad anderer Großkampfschiffe der Royal Navy, was freilich darauf zurückzuführen ist, dass sie nie einen Schuss im Kampf abfeuern musste und für den Krieg, für den sie eigentlich gedacht gewesen war, schlichtweg zu spät kam. Mit Blick auf ihre enormen Ausmaße, ihre Kampfkraft und ihren technischen Entwicklungsstand stellte sie den Höhepunkt einer langen britischen Schlachtschifftradition dar, markierte gleichzeitig aber auch das Ende jenes maritimen Zeitalters, in dem mächtige Überwassereinheiten mit großkalibriger Rohrartillerie den Kern gewaltiger Flotten bildeten.

Landung eines Westland WS-51 Dragonfly auf dem Vorschiff, Foto: Royal Navy

Landung eines Westland WS-51 Dragonfly auf dem Vorschiff, Foto: Royal Navy

Die Bedrohung durch Unterseeboote und Luftangriffe, aber auch ihre hohen Kosten machten den Unterhalt von Schlachtschiffen nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem kaum zu rechtfertigenden Unterfangen – längst hatten Flugzeugträgergruppen die Hauptrolle in den Flotten der großen Seemächte übernommen. Hinzu kamen Seezielflugkörper, die erstmals auch kleineren Schiffseinheiten den „Schuss über den Horizont“ ermöglichten und klassische Rohrartillerie teilweise überflüssig machten. Es ist deshalb bezeichnend, dass die kurze aktive Dienstzeit der ANGUARD überwiegend von Repräsentationsaufgaben geprägt war.

In dem nun beginnenden Kalten Krieg zwischen Ost und West musste die Royal Navy neue geostrategische Realitäten wie den Zusammenbruch des britischen Kolonialreichs hinnehmen, ihre Rolle als Juniorpartner der US Navy akzeptieren und insbesondere mit einer stets angespannten Haushaltslage wirtschaften lernen. Die Zeit der Schlachtschiffe war für sie mit der Verschrottung der VANGUARD endgültig vorbei.

Prof. Christian Führer ist Studiengangsleiter an der DHBW Mannheim.

Christian Führer

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