An audience of around 50 listened with fascination to the lecture by Captain (ret.) Rolf Martens, the last surviving of the seven founding members of the German Naval Institute at the German Armed Forces Command and Staff College. The retrospective on the 50th anniversary
The story of the 50th anniversary year is very exciting. It is an eyewitness account, so you can read the original version here in an abridged version.
Es ist für mich ziemlich bewegend, als letztes noch lebendes Gründungsmitglied (von sieben) im 50. Jubiläumsjahr einen Vortrag darüber zu halten, wie es zur Gründung des Deutschen Marine Instituts kam, einer Gründung, die nicht auf spontaner Eingebung beruhte, sondern das Ergebnis einer über Jahre hinwegreichenden Entwicklung war. Ich versuche es kurz zu machen, kann zum Verständnis der Entstehung des DMI nach Form und Inhalt aber auf die Erwähnung einiger Einzelheiten einleitend nicht verzichten. [ds_preview]
Am Anfang stand nicht die Gründung eines Instituts. Am Anfang stand die MOH, die Marine Offizier Hilfe (MOH). Wenn ich Anfang sage, meine ich die zweite Hälfte der 1960er- und die erste Hälfte der 1970er-Jahre. Um was ging es damals? Was war die MOH?
Die Zielsetzung der 1945 durch Kontrollratsbeschluss aufgelösten und 1952 wieder neu gegründeten MOH war die Kameradenhilfe, die Pflege der Kameradschaft und die Förderung des Zusammenhalts. Die Mitglieder der MOH gehörten naturgemäß damals fast ausschließlich den Crewen der Kriegs- und Vorkriegszeit an. Junge Mitglieder aus den Nachkriegscrewen mussten, wenn man den Fortbestand der Vereinigung sichern wollte, dazugewonnen werden. Und das geschah durch den persönlichen Einsatz des Vorstands, der an verschiedenen Offizierlehrgängen Informationsvorträge hielt.
Das Einzige, was außer der Zielsetzung der Kameradenhilfe werbend wirken sollte, war die Lieferung eines monatlichen Mitteilungsblatts mit Vereinsnachrichten und ein Mitgliederverzeichnis. Aus heutiger Sicht war das wenig attraktiv, aber der Auftritt des Vorstands war so nachhaltig und überzeugend, dass es gelang, in wenigen Monaten einige Hundert neue Mitglieder zu gewinnen. Feststellung: Um die MOH lebendig zu halten, war ein sehr aktiver Vorstand nötig, aber genauso bedeutend war auch die vorbehaltlose Unterstützung der aktiven Marine, vor allem der jeweiligen Schulkommandeure.
Wenn auch „die Pflege der Kameradschaft und die Kameradenhilfe“ weiter im Vordergrund stand, so hieß es schon ab 1961 im Impressum der „MOH-Nachrichten“ (so hieß das Mitteilungsblatt): „Daneben sind sie ein Informationsblatt. Sie bemühen sich, einen Überblick über einige wesentliche Ereignisse und Fragen aus dem maritimen Bereich zu geben.“ Eine sich als bedeutsam erweisende Entwicklung der Vereinigung sollte sich ab 1963 mit der Wahl des gerade in den Ruhestand getretenen Stellvertreters des Inspekteurs der Marine, Flottillenadmiral Alfred Schumann, zum Vorsitzenden der MOH herausstellen. Der Geschäftssitz wurde unter ihm von Krefeld nach Bonn und damit an den Ort des damals politischen und militärischen Geschehens verlegt. Noch einschneidender war eine Veränderung 1966, als man auf der Mitgliederversammlung dem Antrag Schumanns zustimmte, die MOH in „MOV – Marineoffiziervereinigung“ und den MOH-Sozialfonds in „MOH – Marineoffizierhilfe“ umzubenennen. Das Mitteilungsblatt wurde in „MOV-Nachrichten“ umgetauft.
Schumann hatte seine Wiederwahl zum Vorsitzenden von dieser Maßnahme abhängig gemacht. Diese Umbenennungen waren nun keineswegs eine bloße Formalität – und fanden, wie Sie sich denken können, durchaus nicht überall Unterstützung, vor allem nicht bei den älteren Mitgliedern. Das Ziel dieser Umbenennung war – Zitat von Admiral Schumann bei der besagten Mitgliederversammlung: „… die Vereinigung vor dem Siechtum zu bewahren, für junge Offiziere attraktiv zu machen und außer der Pflege der Kameradschaft die Pflege des Seegedankens nach vorne zu rücken.“
Das zielte als Maßnahme nicht nur auf die weiterhin fortzusetzende Mitgliedergewinnung unter den jüngeren Offizierjahrgängen, sondern bereits auf deren aktives Mitwirken und Einbinden in das Vereinsgeschehen. Wie wurde das konkret umgesetzt? Die Pflege des Seegedankens – später sagten wir das „Maritime“ – sollte die Hauptaufgabe der Zeitschrift „MOV-Nachrichten“ werden. Jüngere Offiziere sollten zur Mitarbeit, das hieß zum Schreiben, ermuntert werden. Zusammen mit dem Stellvertretenden Inspekteur der Marine, Konteradmiral Erich Topp, lud Schumann im Oktober 1968 ins Hotel „Rheinland“ in Bad Godesberg zu einer Besprechung zum Thema: „Wie kann die fachbezogene und schriftstellerische Tätigkeit der Berufs- und Reserveoffiziere der Bundesmarine aktiviert werden?“
An dieser Besprechung nahmen außer den Einladenden Schumann und Topp auch der Referatsleiter des FüM I (Fiebig, Saloga) teil, als Pensionäre mit schriftstellerischer Erfahrung die Admirale a.D. Friedrich Ruge und Edward Wegener, von der Zeitschrift „Marine Rundschau“ der Herausgeber Dr. Jürgen Rohwer und ich. Das Ergebnis der Besprechung war, man wolle zukünftig Autorentagungen durchführen, zu denen aktive Offiziere als mögliche Interessenten an einer gelegentlichen oder längerfristigen Mitarbeit „zur Förderung des Seegedankens“ gezielt eingeladen wurden.
Die von Schumann initiierte Besprechung hatte im Übrigen das Ziel, die Marineführung unterstützend in die Bemühungen der MOV einzubeziehen, ohne damit zum Sprachrohr der Marine zu werden, beziehungsweise umgekehrt sich einer ministeriellen Sprachregelung unterwerfen zu müssen (…). In der Folge wurden Redaktionsbereiche definiert, Themenkataloge erarbeitet und ständige Mitarbeiter gewonnen. In den Jahren 1971 bis 1974, entscheidend für die Entstehung des Deutschen Marine Instituts, hatte sich, zusätzlich zu den erwähnten Aktivitäten, eine Gruppe junger Stabsoffiziere, die in Bonn tätig waren, für regelmäßige Zusammenkünfte in der MOV-Geschäftsstelle um Admiral Schumann gebildet. Die hatten sich zum Ziel gesetzt, durch eigenes aktives Mitwirken aus den MOV-Nachrichten eine Marinezeitschrift mit hohem fachlichen Anspruch zu schaffen.
Diese jungen Stabsoffiziere aus den Crewen 1957 bis 1959 waren Dr. Kurt Fischer, Wulf-Dieter Fischer, Ulrich Hundt, Prof Dr. Michael Salewski und Rolf Martens. Mit Ausnahme von Salewski saßen wir in ministeriellen Schlüsselpositionen: Kurt Fischer war im Planungsstab, später bei Staatsekretär und Regierungssprecher Klaus Bölling, Wulf-Dieter Fischer bei Generalinspekteur Armin Zimmermann, Uli Hundt im Führungsstab der Marine im Referat für Presse und Öffentlichkeitsarbeit und ich beim Chef des Stabes im Führungsstab der Streitkräfte, später auch als Adjutant bei Generalinspekteur Armin Zimmermann. Warum war das bedeutsam? Aufgrund dieser dienstlichen Positionen kannten wir alle aktuellen militärischen und sicherheitspolitischen, nicht nur maritimen Themen, konnten selbst dazu Beiträge schreiben und taten das auch. Vor allem aber kannten wir „Leute“ aus vielen Bereichen der Bundeswehr, im In- und Ausland tätig, die wir um Beiträge bitten oder ermuntern konnten, sowohl im persönlichen Gespräch als auch telefonisch und schriftlich (das Internet war in weiter Ferne). Diese konnten auch Namensartikel verfassen und verfügten über eigene Schreibkräfte.
Mit dem Schriftleiter der MOV und dem Geschäftsführer, Kapitän zur See a.D. Kurt Diggins, kamen wir für diese Zielsetzung monatlich meist mehrmals abends in der Geschäftsstelle, einer Villa in der Kronprinzenstraße in Bad Godesberg, zusammen, um Gestaltung und Inhalt zu diskutieren – manchmal spendierte Schumann dazu eine Flasche Riesling.
Schon im letzten Jahrgang 1973 der MOV-Nachrichten hatten wir Beiträge über ein breites Themenfeld veröffentlicht: Über das NATO-Bündnis mit maritimem Bezug, über sicherheitspolitisches und Operatives Geschehen, über Fragen der Ausbildung, zu Werfttätigkeiten und Rüstungsfragen und zur Logistik. Wir nahmen Berichte über Attaché-Erfahrungen auf, auch Kurzfassungen von aktuell relevanten Jahresarbeiten der Führungsakademie, auch der ausländischen Offiziere, auch Heeresoffiziere, auch zivile Autoren.
Die Fachzeitschrift, so stellten wir es uns vor, sollte Pflichtlektüre aller aktiven Marineoffiziere werden, ein Forum für Meinungsaustausch, außerdem sollte man die Zeitschrift kaufen können, auch als Nicht-Mitglied der MOV.
Die „MOV-Nachrichten“ mussten einen neuen Namen bekommen, der Titel sollte die Zielsetzung wiedergeben, attraktiver sein, auch im äußeren Erscheinungsbild. Dazu wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, der mehr als zehn Titelvorschläge brachte, aus denen wir in mehreren Wahlgängen im engeren Mitarbeiterkreis „Maritim“ auswählten. Schumann erklärte der Mitgliederversammlung 1972 seine umfassende Vorstellung von „Maritim“ (…). Wegen der Namensgleichheit mit einer Hotelkette entschieden wir uns aber für den Titel „MarineForum“.
Die erste Ausgabe erschien im Januar 1974. Das erste Heft überreichte Schumann dem Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kühnle, der ein Grußwort geschrieben hatte, auf der Hardthöhe. Der Generalinspekteur, Admiral Zimmermann, lobte das Erscheinen in einem Beitrag. Zu diesem Zeitpunkt hatte die MOV 7000 Mitglieder. In den Redaktionsgesprächen und der Reflektion darüber, was uns eigentlich bewegte, wuchs schon 1972 die Gewissheit, dass wir den Seegedanken, das Maritime, über die MOV hinaus und über die Publikation des „MarineForums“ hinaus befördern wollten, mit Buchveröffentlichungen, der Organisation von Vortragsveranstaltungen und Seminaren, durch die Unterstützung von wissenschaftlichen Arbeiten, auch durch eine internationale Zusammenarbeit mit Gemeinschaften ähnlicher Zielsetzung.
Wir brauchten eine „Institution“, ein „Institut“. Das US Naval Institute, das einige von uns aus eigener Anschauung kannten, hatten wir vor Augen. Das abschließende Ergebnis der Überlegungen war dann die Gründung des Deutschen Marine Instituts (DMI) am 17. Oktober 1973. Auf der Gründungsversammlung wurde Flottillenadmiral Schumann zum Vorsitzenden und ich zu seinem Stellvertreter, Kurt Diggins zum Geschäftsführer und Beisitzer, Wulf Fischer zum Schatzmeister und Beisitzer, Uli Hundt und Kurt Fischer zu Beisitzern, Michael Salewski zum Protokollführer gewählt. Bei der Gründung anwesend war außerdem auch Konteradmiral a.D. Edward Wegener.
Somit hatte die Zeitschrift eine Institutsgründung erfordert, nicht umgekehrt. Die Zielsetzung des „MarineForums“ ließ sich auf die Zielsetzung des DMI übertragen. Dass dieses thematisch 1972 und 1973 auch realisiert wurde, kann man in den Beiträgen der beiden Jahrgänge nachlesen. Ebenfalls gab es hinreichend viele Beispiele – noch mehr wären wünschenswert gewesen für Diskussionsbeiträge, die den Titel Forum rechtfertigen. Mir würden auch heute noch ad hoc Beispiele dafür einfallen (…).
Hinsichtlich einer Mitgliedschaft dachten wir daran, neue Mitglieder durch den Vorstand einzuladen, die Mitgliederzahl aber recht begrenzt zu halten und darauf zu achten, welche Beiträge die angesprochenen Personen zur Förderung des Maritimen erbringen könnten, beziehungsweise von ihnen erhofft wurden. An einen ersatzweisen Mitgliedsbeitrag dachten wir dabei nicht. Allerdings waren Spenden nicht ausgeschlossen. Wir wollten ein Präsidium oberhalb der operativen Ebene sein. Als Präsident suchten wir eine Persönlichkeit, die nach unserer Meinung die Zielsetzung in besonders repräsentativer Weise verkörperte. Wir ließen uns Zeit. Berufen haben wir 1977 Vizeadmiral a.D. Rolf Steinhaus, zuletzt Leiter des Planungsstabes, der über ausgezeichnete Verbindungen zu militärischen, politischen und Wirtschaftskreisen verfügte und als Persönlichkeit ein hohes Ansehen genoss. Von den Maßnahmen, die konkret ergriffen wurden, kann ich nur die bis zum Jahre 1978 aus eigenem Mitmachen anführen
Spontan, mit der Zustimmung der MOV-Mitgliederversammlung, wurde das DMI mit der Herausgeberschaft des „MarineForums“ beauftragt. Daraus ließ sich die Anfangsfinanzierung aus Mitteln der MOV ermöglichen. Die Vorstände von MOV und DMI wurden daher auch in ihrer personellen Besetzung miteinander verknüpft. Wir kümmerten uns um den weiteren Ausbau des „MarineForums“. Das äußere Erscheinungsbild musste weiterentwickelt werden. Es deutete sich an, dass für eine Professionalisierung als moderne Zeitschrift zusätzliche Finanzmittel erforderlich sein würden. Wir scheuten eine übergewichtige Kommerzialisierung und damit, in eine Abhängigkeit zu geraten. Das war nicht nur eine theoretische Erwägung. Es gab den konkreten Wunsch einer Übernahme durch den Mönch-Verlag, der ein Monopol über alle wehrtechnischen Medien anstrebte (…).
Das zweite Ziel, Buchveröffentlichungen, packten wir mit Vorrang an (…). Nach meiner Zeit der aktiven Mitwirkung gab das DMI u.a. im Mittler Verlag eine Schriftenreihe zu unterschiedlichen Themen heraus (…). Die Organisation eines ersten Symposiums (Colloquiums) als Maßnahme der Zielsetzung benötigte dagegen eine gewisse Anlaufzeit, fand dann, nachdem das Präsidium etabliert war, Ende November 1978 statt mit der Themenstellung „Die Seeinteressen der Bundesrepublik Deutschland“. (…) Zum Schluss sei noch eine letzte Maßnahme zu erwähnen: Internationale Zusammenarbeit mit Instituten ähnlicher Zielsetzung. Hier gab es 1977 hoffnungsvolle Ansätze für eine Zusammenarbeit mit dem US Naval Institute.
Meine Damen und Herrn, das war der Beginn einer nunmehr 50-jährigen Geschichte. Beim 25. Jubiläum schrieb ich im „MarineForum“: „Dem DMI ist zu wünschen, dass es in den nächsten Jahren immer wieder engagierte Akteure geben möge, die zum weiteren Gedeihen des DMI beitragen.“ Wie man feststellen kann, ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen. Ich finde das umso erstaunlicher, als Entwicklung ja auch Kontinuität voraussetzt, die durch wechselnde Besetzung der Funktionen wie beim DMI nicht automatisch zu erwarten ist. Mein Eindruck dazu ist, dass nicht nur die zahlreichen, wechselnden Präsidien und Vorstände dafür maßgebend waren, sondern ganz besonders auch die jeweils langjährig engagiert tätigen und tüchtigen Geschäftsführer. Letztendlich lebt aber das Deutsche Maritime Institut von seinen Mitgliedern, deren Ideen und deren aktivem Mitmachen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für die bevorstehende Arbeit und in Zukunft viel Kraft und viel Glück.












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