In the not too distant future, the Sea Lynx on-board helicopter will be history, photo: Bw/Björn Wilke

In the not too distant future the on-board helicopter Sea Lynx history, Photo: Bw/Björn Wilke

The NH 90 takes over

The Navy is introducing two versions of the NH 90. It will replace the Sea King, which has been in service for decades, in Naval Air Wing 5 in the short term and the Sea Lynx on-board helicopter in the medium term.

Mit der vor Kurzem erlangten Einsatzbereitschaft des NH 90 Sea Lion beginnt eine neue Ära beim Marinefliegergeschwader 5 (MFG 5). Mit diesem modernen, leistungsfähigen Hubschrauber werden die alten Sea King Mk 41 und bald auch die Sea Lynx Mk 88A in den Ruhestand geschickt. Trotz einiger Anlaufprobleme und technischer Hürden steht fest: Bis spätestens 2029 sollen die Marineflieger mit dem NH 90 ihre volle Schlagkraft als Beitrag für eine kriegstüchtige Flotte entfalten. Der klare Auftrag des Generalinspekteurs lässt daran keinen Zweifel, und die selbst gesetzte Zielmarke der Marineflieger, dies bereits ein Jahr früher zu erreichen, unterstreicht dies. Die Marineflieger müssen daher ihre fliegerische Ausbildung weiter beschleunigen, ihre technischen Prozesse optimieren und bereit sein, jederzeit mit der Flotte in den Einsatz zu gehen.[ds_preview]

Der Sea King wird 2024 ein halbes Jahrhundert alt. Umso wichtiger war die 2013 getroffene Entscheidung, einen Nachfolger zu beschaffen, der vier Jahre später zulaufen sollte. Doch bereits die Auslieferung sollte nicht nach Plan verlaufen und die 18 Maschinen wurden erst ab 2019 bereitgestellt. Die nachfolgenden Hindernisse bei der Einführung des NH 90 Sea Lion lassen sich auf drei Kernaspekte reduzieren: Ausbildung und Verfügbarkeit des fliegenden und technischen Personals, verfügbare technische Mittel und die Umsetzung eines überkomplexen Inspektionssystems.

Komplexe Technik erfordertfür den Sea Lion vielfältige Wartungen, Foto: Bw/Daniel Angres

Komplexe Technik erfordert für den Sea Lion vielfältige Wartungen, Foto: Bw/Daniel Angres

Das technische Personal wird bis heute gemeinsam mit den Heeresfliegern in Faßberg ausgebildet, dort besitzt man eine zehnjährige Erfahrung mit dem NH 90. Die Marine stellt die Ausbilder, während das Heer mit Lehrmitteln und -inhalten unterstützt. Nach ersten Durchgängen wurde jedoch deutlich, dass der bisherige Lehrgangsaufbau zu einem Ausbildungsstau in der Basisausbildung führt und die auf die Heeresversion des NH 90 ausgelegten Lehrinhalte den Bedarf des MFG 5 nicht ausreichend berücksichtigten. Die Ausbildung der Piloten wurde ebenfalls in Kooperation mit dem Heer durchgeführt, da zunächst weder Hubschrauber noch Simulator bereitstanden, jedoch die Übernahme des Sea Lion vorbereitet werden musste.

Die zweite Herausforderung ergab sich aus der unzureichenden Verfügbarkeit der technischen Mittel, darunter technische Dokumentation, Ersatzteile und technisches Gerät. In der täglichen Wartung bemerkten die Techniker immer wieder Lücken in den Wartungshandbüchern, welche erst im Laufe der folgenden zwei Jahre geschlossen wurden. Um die hohen Sicherheitsstandards für den Betrieb von Luftfahrzeugen zu halten, mussten deshalb Nachfragen bei der Industrie gestellt werden. Dies führte regelmäßig zu erheblichen Zeitverzögerungen im Betrieb, und eine noch defizitäre Bevorratung von Ersatzteilen und technischem Gerät tat ihr Übriges dazu.

Letzte Herausforderung ist das überkomplexe Inspektionssystem des NH 90. Während der Sea King fast ausschließlich flugstundenbasierte Inspektionsintervalle nutzt, hat der NH 90 flugstundenbasierte, kalendarische und zyklische Intervalle. Jede ungeplante Störung erfordert unweigerlich einen extremen Planungsaufwand, um die genannten Intervalle wieder zu synchronisieren und die Standzeiten der Luftfahrzeuge zu reduzieren.
Wege aus der Misere

Die Marineflieger lassen sich von diesen Rückschlägen jedoch nicht entmutigen und setzen alles daran, ihre Einsatzbereitschaft zu maximieren. Für den technischen Bereich wurden eigene Ausbildungskapazitäten durch Einführung eines Schichtbetriebs erhöht und Optimierungspotenzial umgesetzt, womit der Ausbildungsstau in der Basisausbildung und die Ausbildungsdauer insgesamt reduziert werden konnten. Zudem werden Optionen einer zukünftigen weiteren Ausbildungskooperation mit dem Heer oder eines alternativen eigenen technischen Ausbildungsbetriebs untersucht. Zur Verbesserung der Ersatzteilverfügbarkeit wurde 2022 ein leistungsbasierter Versorgungsvertrag mit der Industrie geschlossen, der seine Wirksamkeit anhand festgelegter Kennzahlen im zweiten Halbjahr 2024 nachweisen wird. Im Hinblick auf das Inspektionssystem konnten im operativen Flottenmanagement der Marine einige messbare Erfolge erzielt werden. An einer signifikanten Verbesserung muss in der multinationalen Abstimmung zwischen den Nutzernationen des NH90 auch zukünftig weiter mit Vorrang gearbeitet werden.

Sea Lion sind für vieleAufgaben geeignet, Foto: Bw

Sea Lion sind für viele Aufgaben geeignet, Foto: Bw

Bei den fliegenden Besatzungen wird der Ausbildungsstau aufgrund der Verfügbarkeit des Simulators und der besseren Bereitstellung von Realflugstunden ebenfalls reduziert. Im Laufe des kommenden Jahres werden alle noch verbliebenen Sea-King-Besatzungen umgeschult sein und die Regenerationsausbildung junger Nachwuchspiloten und Operateure muss ab 2026 mit Hochdruck begonnen werden. Voraussichtlich ab 2025 steht dafür ein Schulungshubschrauber bereit, der die Lücke zwischen der fliegerischen Grundausbildung und dem NH 90 schließt, wodurch weniger Flugstunden auf dem hochkomplexen Waffensystem für die Ausbildung eingesetzt werden müssen. Diese stehen dann für Einsatzaufgaben zur Verfügung. Darüber hinaus wird die beabsichtigte Beschaffung oder Anmietung einer seegehenden Plattform für die Decklandequalifikation der Piloten die Kernfähigkeit der Marineflieger aufrechterhalten und die Flotte von dieser Aufgabe entlasten.

Mehrwert des NH 90

Ist der NH 90 nun diesen ganzen Aufwand wert und liefert er einen wirklichen Beitrag zur Kriegstüchtigkeit der Deutsche Marine? Ja, denn er erweitert das Fähigkeitsprofil des Sea King deutlich. In Fachkreisen wird der Begriff der „Mini-MPA“ verwendet, was darauf hindeutet, dass der Sea Lion zu einem kleinen See(fern)aufklärer aufgewertet wird. Hierzu wird derzeit ein neues Besatzungskonzept erprobt, um die zahlreichen Sensoren des NH90 mit maximaler Effektivität einbringen zu können. War der Luftfahrzeugoperationsoffizier im Sea King noch „Konsolenbediener“ und „Schiffseinsatzoffizier“ zugleich, so soll er als Tactical Coordinator (Tacco) zukünftig vorne links im Cockpit den Gesamteinsatz des Waffensystems koordinieren und die Sensordaten für die Mission auswerten. Die Rolle des Piloten tritt damit in seiner Relevanz aufgrund des automatisierten Systems vermehrt in den Hintergrund und die des sogenannten „Sensos“ deutlich mehr in den operativen Fokus. Deren handwerkliche Arbeit erfolgt in der Kabine durch bis zu zwei Portepeeunteroffiziere, die die Daten aus Radar, Infrarot-Sichtsystemen und elektromagnetischen Ausstrahlungen für den Tacco kanalisieren. Der NH 90 Sea Lion ist damit viel mehr als ein mittlerer Transporthubschrauber, der die Search-and-Rescue-Rolle von Land und Unterstützungsaufgaben für die Einsatzgruppenversorger in See übernimmt. Mit seinen Fähigkeiten kann er einen relevanten Beitrag zum Lagebildaufbau im Rahmen des Überwasserseekriegs leisten, Zieldaten für Flugkörperangriffe generieren oder Boardingoperationen unterstützen. Um diesen Einsatzwert zu erhalten, sollten jedoch einige Midlife Upgrades im Bereich des Datenlink und der Kompatibilität mit den Fregatten der Klasse 125 durchgeführt werden.
Mit einem Blick in die unmittelbare Zukunft wird sich der Beitrag des NH 90 für die Flotte noch deutlich erweitern. Ende 2025 wird der erste NH 90 Sea Tiger in den Startlöchern stehen, um die Bordhubschrauber des Typs Sea Lynx Mk 88A abzulösen. Der Zulauf weiterer 30 Einheiten lässt die Marinefliegerflotte bis 2031 auf insgesamt 48 Hubschrauber aufwachsen. Wesentlicher Unterschied zwischen dem Sea Lion und dem Sea Tiger ist die Befähigung zur U-Boot-Jagd und zum Überwasserseekrieg mit Abstandswaffen. Der Einsatz des Tauchsonars und der Sonarbojen wurde vor wenigen Wochen mit dem „Prototypen“ des Sea Tigers von Nordholz aus sehr erfolgreich erprobt. Zusammen mit den Waffenträgern, die sowohl Torpedos als auch Lenkflugkörper aufnehmen werden, steht hier in den nächsten Jahren ein echter Kampfhubschrauber für die Flotte bereit.

Zusammenfassend befindet sich das MFG 5 auf einem guten Weg, die selbstgesteckten Meilensteine auf dem Weg zur Kriegstüchtigkeit der Marineflieger bis 2029 zu erreichen. In der Technischen Gruppe erfolgt der Personalaufwuchs planmäßig, wesentliche Handlungsfelder im Bereich Ersatzteillogistik, Ausbildung, Verfahren und Inspektionssystem zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft sind adressiert oder umgesetzt. Gleichzeitig sind die ersten beiden Bordwartungsgruppen bereit, gemeinsam mit den fliegenden Besatzungen an Bord zu gehen, um dort den Einsatzauftrag zu unterstützen. Die fliegende Gruppe fokussiert sich auf das Teilziel, für 2025 bereits im Rahmen des NATO New Force Model einen NH 90 für den Einsatzgruppenversorger bereitzustellen und entsprechendes Personal hierzu auszubilden. Der Schwerpunkt wird bis mindestens 2027 jedoch bei der Umschulung und Erstausbildung der NH-90-Besatzungen liegen, um bis 2029 ausreichend Kräfte für bis zu sechs durchhaltefähige Einschiffungen (2x Sea Lion, 4x Sea Tiger) zu generieren. Dann kann dort geflogen werden, wo die Flotte fährt.

Fregattenkapitän Martin Poppitz ist Kommandeur Technische Gruppe des MFG 5, Fregattenkapitän Jan Pahl ist Kommandeur Fliegende Gruppe des MFG 5.

Jan Pahl und Martin Poppitz

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