The 332CL class boats combine all the core capabilities of mine defence. The refit is a good example of successful cooperation between the navy and industry.
Nach Einführung von zehn Minenjagdbooten der Frankenthal-Klasse (332A) und einer Umrüstung der zehn Boote der Hameln-Klasse zu jeweils fünf Booten der Ensdorf- (352) sowie der Kulmbach-Klasse (333), verfügt die Deutsche Marine seit 2001 über drei unterschiedliche Systeme zur Seeminenkriegführung. Mit dem Umbau von zwei Minenjagdbooten der Klasse 332A zu reinen Minentauchereinsatzbooten der Klasse 332B erfolgte die Einführung einer vierten Variante. [ds_preview]Durch diese vier unterschiedlichen Systemboote zur Minenabwehr war die Deutsche Marine unter Bereitstellung einer erheblichen Anzahl an Booten in der Lage, den meisten Herausforderungen der Seeminenkriegführung zu begegnen. Gemäß politischer Vorgabe verkleinerte sich die Flottenstärke der Minenabwehreinheiten von ursprünglich 40 über 24 im Jahr 2006 auf nunmehr zehn Minenjagdboote der Klasse 332 und zwei ehemalige Hohlstablenkboote der Klasse 352, die einer zukünftigen Nutzung als Nachwuchswerbeplattformen entgegensehen. Durch diese massive Abnahme der verfügbaren Einheiten bei einer gleichgebliebenen Verpflichtung gegenüber den Bündnispartnern ist eine Fokussierung und Bündelung von bereits eingeführtem Minenabwehrequipment auf die verbliebenen zehn Einheiten notwendig geworden.
Dieser notwendige Schritt stellt eine erhebliche Planungsgröße für die zukünftigen Minenabwehrfahrzeuge dar und findet in der Modularisierung des „Spezialisierten Fähigkeitsträgers verbundene Seeminenabwehr“ seine zukünftige Anwendung.
Minenjagdboote Klasse 332
Im Zuge der bereits beschriebenen Verkleinerung der Minenabwehrflotte musste die Marine in den Jahren bis 2015 eine wichtige Entscheidung bezüglich des Weiterbetriebs der drei unterschiedlichen Systemboote treffen. Durch die Umrüstung von fünf Minenjagdbooten der Klasse 332A zur Klasse 332C und der damit einhergehenden Integration des neuen Waffenführungssystems Integrated Mine Countermeasure System (IMCMS) sowie der bereits durchgeführten Umrüstung von zwei Minenjagdbooten der Klasse 332A zur Klasse 332B, fiel die Entscheidung, auch die dritte Kernfähigkeit der Deutschen Minenabwehr, das Simulationsräumen mittels Fernlenkdrohne, auf diese Bootsklasse zu integrieren. Mit dieser Festlegung wurde ein wichtiger Schritt für die zukünftige modulare Ausrichtung der Deutschen Minenabwehrfähigkeit gelegt.
Mit der im Folgenden beschriebenen Umrüstung der drei verbliebenden Minenjagdboote der Klasse 332A zur Klasse 332CL wurde die Umstrukturierung der Minenabwehrflotte und die finale Ausrüstung des 3. Minensuchgeschwaders mit Minenjagdbooten abgeschlossen.
Der erste Schritt zur Modularisierung der deutschen Minenabwehr, nämlich die je nach Einsatzgegebenheiten und -erfordernissen notwendige Eingliederung des Moduls Simulationsräumen oder des Moduls Minentaucher, wurde erfolgreich gemeistert.Durch die getroffene Grundlagenentscheidung der Marine, alle Kernfähigkeiten der Minenabwehr auf eine Bootsklasse zu vereinen, wurde der Vertrag zur Umrüstung der drei Minenjagdboote Grömitz, Datteln und Bad Bevensen am 21. Dezember 2016 zwischen dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und der Firma Atlas Elektronik geschlossen. Der erste grundlegende Vertragsbestandteil bestand aus der Einrüstung der Minenvernichtungsdrohne Seefuchs, dem Einbau des Führungswaffensystems IMCMS und der Integration der Lenkbefähigung für das Hohlstabfernräumgerät HFG-F1 Seehund. Der Zweite bestand in der Entwicklung, dem Bau und der Lieferung einer Ausbildungs- und Prüfanlage IMCMS, die als Simulator für die zukünftige Ausbildung aller Minenabwehraspekte dienen soll. Nach Vertragsschluss erfolgte zunächst im Jahr 2017 eine ausführliche Planungsphase und die Lieferung von Grundlagendokumenten seitens des Auftragnehmers. Im Jahr 2018 begann die Umrüstungsphase der Boote mit dem Minenjagdboot Grömitz in der Peene-Werft Wolgast, einem Unternehmen der Lürssen-Gruppe, unter Federführung des Auftragnehmers Atlas Elektronik. Sie endete mit Abnahme der Bad Bevensen im Jahr 2020. Parallel zur Umrüstung startete im Jahr 2017 die Entwicklung und Fertigung der Ausbildungs- und Prüfanlage IMCMS beim Unterauftragnehmer Rheinmetall Electronics in Bremen. Dieser Prozess wird mit der Abnahme im Juni 2021 am Standort Kiel seinen erfolgreichen Abschluss finden. Zum Abschluss des Gesamtprojekts ist die Umstellung des IMCMS auf das aktuelle Betriebssystem Windows 10 im November 2021 geplant.

Verbandsfahrt mit Seehunden
Schwerpunkte der Umrüstungsphase
Die Umrüstung der drei Boote beinhaltete ein erhebliches Umbauvolumen innerhalb der Bootsstrukturen. So wurden für die Umrüstung auf IMCMS und Seefuchs die komplette Operationszentrale, der Hangar und die Munitionslast der ehemaligen Minenvernichtungsdrohnen Pinguin B3 grundlegend neu aufgebaut. Im Rahmen der Einrüstung der Lenkbefähigung wurden Teilstrukturen der Oberdecksaufbauten, die Gestaltung des Heckspiegels und die Abgasführung der Antriebsmotoren entsprechend der Vorgaben auf den Hohlstablenkbooten Klasse 352 umgebaut. Zur Sicherstellung der technischen Berondung von bis zu vier Seehunden im Einsatzgebiet wurde jedes Minenjagdboot mit einem Arbeitsboot C-650 mod (Boomeranger) ausgestattet und der vorhandene Bordkran zum Personentransport aufgerüstet. Um die nautische Überwachung der Seehunde sicherzustellen, wurde ein zusätzliches Überwachungsradar an Bord eingerüstet.
Neben der schiffsbaulichen Anpassung der Boote an ihr Aufgabenspektrum wurde mit Beginn der Umrüstung auf alle Vorgaben der Deutschen Militärischen Security Accreditation Authority (DEUmilSAA) in Bezug auf die Informationssicherheit und der Abstrahlsicherheit des gesamten Waffenführungssystems geachtet. Durch die stringente Einhaltung aller Auflagen haben die umgerüsteten Minenjagdboote der Klasse 332CL als bisher einzige schwimmende Einheiten der Deutschen Marine eine vollständige Akkreditierung erhalten und entsprechen somit allen aktuellen Sicherheitsvorgaben.
Nach der erfolgten Umrüstung der Boote zur Klasse MJ 332CL fand auf jedem der Boote ein klar definiertes Testprogramm im Hafen und auf See statt. Beginnend mit der Grömitz im Jahr 2019, bei der als First of Class der größte Test- und Prüfaufwand durchgeführt wurde, bis hin zur Bad Bevensen im Januar 2020. Neben der vertraglich festgeschrieben Test- und Prüfphase fand auch eine marineinterne Einsatzprüfung statt, deren Aufgabe darin bestand festzustellen, ob das neue System MJ 332CL auch den operativen Anforderungen der heutigen Verfahren zur Minenabwehr entspricht.

Personal wird von einem Seehund abgeborgen
Bewährung im Einsatz
Mit der Ablieferung des ersten umgerüsteten Minenjagdbootes Grömitz an das 3. Minensuchgeschwader im August 2019 wurde nicht nur die planmäßige Übergabe des Bootes von der Industrie an die Marine erreicht, sondern auch die Möglichkeit geschaffen, das Boot samt allen Minenabwehrfähigkeiten schon im Frühjahr 2020 einer erfolgreichen Einsatzbesichtigung zu unterziehen und bei der SNMCMG 1 und internationalen Manövern einzusetzen. Auch der dem Zeitplan entsprechenden Übergabe der anderen beiden Boote folgte ein unmittelbarer Einsatz im Rahmen der ständigen NATO-Einsatzgruppen sowie internationaler Manöver.
Nach Übergabe der First of Class erfolgten zwei Teilnahmen an der SNMCMG 1 als modulares Minenabwehrfahrzeug mit Minentauchern und dem Hohlstabfernräumgerät HFG-F1 Seehund, drei Teilnahmen am internationalen Manöver Open Spirit zur Beseitigung von Munition aus den Weltkriegen im Baltikum inklusive dem Einsatz von Minentauchern sowie zwei Teilnahmen am NATO-Manöver Baltops mit Einsatz der Seehunde als MJ 332CL.

Dank der vielen Monitore haben die Instruktoren alles im Blick
Ausbildungs- und Prüfanlage
Mit Vertragsschluss zur Umrüstung wurde auch modernen Ausbildungserfordernissen der Marine Rechnung getragen. So wurde durch den zusätzlichen Bau der Ausbildungs- und Prüfanlage ein Medium geschaffen, das den zukünftigen Nukleus der Lehrgangs- und Einsatzausbildung der Minenabwehrfähigkeiten bilden wird. Durch die Zusammenführung aller Ausbildungsabschnitte an einem Ort, dem 3. Minensuchgeschwader, ergibt sich eine Vielzahl neuer Ausbildungsmöglichkeiten. So haben zum Beispiel Besatzungen, deren Boote in der Werft liegen, die Möglichkeit, an der Ausbildungs- und Prüfanlage (APA) IMCMS ihr Wissen aufrecht zu erhalten oder anstehende Manöver vorzubereiten. Zudem ergeben sich für die Verwendungsreihenausbildung ganz neue Gestaltungsspielräume. Durch die nun stattfindende Aus- und Weiterbildung am originalen Waffensystem und der Anlagenstruktur, unabhängig von der Verfügbarkeit eines Bootes, wird ein höheres Bereitschaftslevel der Besatzungen erreicht werden können.
Nicht nur innerhalb der Ausbildungsstruktur setzt diese Anlage neue Maßstäbe. Durch den zur Bootstruktur MJ 332CL identischen Anlagenaufbau der APA IMCMS wurden vielfältige Möglichkeiten geschaffen, die Verfügbarkeit der Boote durch Ersatzteilprüfungen, Modifikationen an Softwareständen oder die Umstellungen auf neue Betriebssystemversionen zu erhöhen und erst nach erfolgreicher Prüfung an der APA IMCMS an Bord zu implementieren. Dieser Schritt der Zwischenprüfung wird die Einsatzfähigkeit, die in der Vergangenheit oft durch die oben beschriebenen notwendigen Maßnahmen beeinflusst wurde, auf Dauer deutlich erhöhen.
Mit der Schaffung dieser neuen Ausbildungs- und Prüffähigkeiten reiht sich die APA IMCMS nicht nur in die Reihe der bereits bei der Marine existierenden Ausbildungssimulatoren ein, sondern geht als Leuchtturmprojekt in ihrer Komplexität und Vielfältigkeit auch innerhalb der Mine-Countermeasure-Fähigkeiten im NATO-Bündnis voran.
Die Entwicklungs-, Aufbau- und Prüfphase der APA IMCMS war von einigen technischen Rückschlägen innerhalb der Umsetzung der Vorgaben, aber auch durch unvorhersehbare Ereignisse wie die Pandemie geprägt, die den zeitlichen Ablauf des Projekts deutlich behinderten und eine zeitgerechte Abnahme der Anlage am Standort Kiel nicht möglich machten. Trotz dieser Widrigkeiten und der entstandenen Verzögerungen konnte am 9. April 2021 eine vorläufige Übergabe der APA IMCMS an die Marine erfolgen. Die endgültige Übergabe mit voller Ausbildungskapazität ist für Mitte Juni 2021 geplant.
Nach der erfolgreichen Integration der Anlage am Standort Kiel steht bis November die erste Bewährungsprobe als Prüfanlage an. So wird die Umstellung des Betriebssystems der IMCMS auf Windows 10 auf der APA IMCMS als Referenzanlage erfolgen, sodass dieses Upgrade nach erfolgreicher Test- und Prüfphase nahezu risikofrei auf die Boote übertragen werden kann.

Hangar auf einem Minenjagdboot Klasse 332CL
Erkenntnisse aus dem Projekt
Insbesondere in der Umrüstungsphase der drei Boote MJ 332CL hat sich gezeigt, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer nicht nur auf Projektleiterebene, sondern bis auf Arbeitsebene der Technikverantwortlichen zielführend ist. Dabei ist die rechtzeitige Zusammenführung des späteren Nutzers mit den Programmierern und Programmgestaltern des Auftragnehmers in Bezug auf die Fragen, was das System können muss und wie dies im Programm realisiert werden soll, essenziell wichtig. Auch die Zusammenführung des Nutzers, in diesem Fall der Bordbesatzungen, mit dem entsprechenden Werftpersonal hat einen entscheidenden Beitrag geleistet. Als entscheidend erwies sich die frühzeitige Bündelung des operativen und praktischen Wissens von Nutzer und Auftragnehmer unter klarer Führung des Projektteams und dem Wirken einer Vertretung des Projektleiters aus dem BAAINBw vor Ort.
Zusammenfassend kann man bei diesem Umrüstungsprojekt von einem vollen Erfolg sprechen. Dies wird vor allem durch die Einhaltung des geplanten Kostenrahmens, die pünktliche Rückgabe der drei Boote an die Mari ne, die erfolgreiche Akkreditierung und die erfolgte Integration einer Ausbildungs- und Prüfanlage IMCMS am Standort Kiel deutlich. Betrachtet man diesen Projekterfolg von Anfang bis Ende genau, kann man Lehren für ähnliche Projekte in der Zukunft ableiten. Mit dem Anfang 2021 gezeichneten Dokument „Fähigkeitslücke und Funktionale Forderung“ für die geplanten Minenabwehreinheiten ist bereits der nächste Schritt erfolgt. Für die Planung und Ausrichtung des neuen Waffensystems lassen sich aus diesem Projekt wichtige Handlungsempfehlungen in Bezug auf Modularisierung und projektbezogene Zusammenarbeit ziehen.
Korvettenkapitän Philipp Palm ist als Referent im BAAINBw zuständig für die Umrüstung und Instandhaltung der Minenjagdboote Klasse 332.












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