It hardly needs the confirmation from the Ukraine war to demonstrate the ever-growing importance of unmanned underwater, surface and airborne systems for maritime security.
Aktuell werden Camcopter unter anderem von Dänemark, Island und Rumänien zur Seeraum- und Grenzüberwachung, unterstützt durch die European Maritime Safety Agency (EMSA), eingesetzt. Die US Navy testet bei ihrer Großübung Rimpac 2022 eine Drohne vom Typ SeaGuardian mit elektronischen und Kommunikationssensoren. Die 7. und 5. US-Flotte proben in Übungen mit alliierten Partnern den Einsatz von unbemannten System. Die Royal Air Force vermeldet erfolgreiche Versuche mit Drohnen zur Sättigung gegnerischer Luftabwehr und Israel den Einsatz von Quadcoptern unter Wasser. Derweil berichtet das marineforum im Juni 2022 von den bisher gescheiterten Versuchen der Deutschen Marine, unbemannte Luftfahrzeuge für den Einsatz auf den Korvetten zu beschaffen.[ds_preview]
Spätestens mit dem 2009 erschienenen Buch „Wired For War. The Robotics Revolution and Conflict in the 21st Century“ von P.W. Singer waren die oben beschriebenen Entwicklungen und Beschaffungen von unbemannten Systemen für Wissenschaft, Politik und Wirtschaft erkennbar. Überwachung der Tiefen zum Schutz von Unterwasserkabeln, Meeresoberflächen zum Schutz vor großflächigen Verunreinigungen, von Meeren allgemein zur Kontrolle von Schiffsbewegungen und der Bekämpfung von Piraterie, Schmuggel, Drogenhandel und illegaler Überfischung sind Beispiele, wo bereits heute unbemannte Systeme ihren Beitrag zur maritimen Sicherheit leisten.
In Deutschland haben wir uns an Bilder vom Einsatz von Drohnen in Logistik und Landwirtschaft, bei der Verlegung von Öl- und Gasleitungen oder bei der Überwachung von Wäldern zur frühzeitigen Brandbekämpfung gewöhnt. Auch in die seit Jahrzehnten geforderte Räumung von auf See versenkter Munition kommt mit dem jüngsten Angebot von Thyssenkrupp Marine Systems Bewegung. Das Unternehmen schlägt den Einsatz autonomer Unterwasserplattformen zur Räumung der Munition vor. Und spätestens hier kommen wir an eine entscheidende Schnittstelle politischer Diskussionen um den künftigen Einsatz autonomer (!) Plattformen auch für militärische Zwecke in Deutschland.
Bewaffnete Drohnen zum Schutz deutscher Soldaten in Afghanistan waren Friedensbewegten und Ideologen in der sicherheitspolitischen Diskussion jedoch kaum vermittelbar. Deutschland diskutierte lieber und wurde dann von den Ereignissen auf der Krim, bei der Migration, dem Klimawandel und nun der Energiekrise überrascht. Was bei der EMSA und Mitgliedsstaaten der EU machbar ist, sollte nicht mehr an den Ministerialbürokratien in Deutschland scheitern.
Mit einem wachsenden Gebrauch militärischer Macht zur Durchsetzung eigener, zunehmend auch wirtschaftspolitischer Ziele und einer sich darüber noch herauszubildenden neuen Welt- und Sicherheitsordnung, die die regelbasierte Ordnung ersetzen will, muss Europa sich mehr über seine gemeinsamen Interessen denn Werte definieren. Als erstes Ergebnis einer derartigen Analyse sollte der Bedarf an ständiger Überwachung großer Land-, Luft- und Seeräume für unsere nationale und Bündnissicherheit konsequent realisiert werden. Für die maritime Sicherheit bedeutet dies unter anderem die schnelle Umsetzung eines regionalen, später europäischen und in Teilen globalen Lagebildes mit einem Verbund unbemannter Systeme, die eine permanente Lagebilderstellung rund um die Uhr sicherstellen könnten. Dies gilt für die hohe See, die Küstengewässer und die Häfen. Eine tragfähige Lösung für die EU-Mitgliedsstaaten in der Ostsee könnte bei politischem Willen schnell umgesetzt werden, da Vorarbeiten durch die EMSA bereits geleistet wurden. Die Deutsche Marine könnte eine Leitfunktion für die Ostseeanrainer übernehmen, wenn sie von den nationalen politischen Fesseln befreit wird.
Eine bisher kaum diskutierte Rolle ist Deutschlands Aufgabe in der NATO als logistische Drehscheibe zur Anlandung von Nachschubkräften aus den USA und deren Weitertransport zu den östlichen Bündnispartnern. Können wir unsere Häfen vor möglichen Luft-, Raketen- und Unterwasserangriffen auch in Krisensituationen erfolgversprechend schützen? Gibt es abgestimmte Verfahren zwischen örtlichen, Landes- und Bundesbehörden und vor allem geeignete Wirkmittel? Gilt der Schutz vor militärischen Angriffen auf die Bevölkerung flächendeckend oder nur punktuell?
Eigentlich sind diese Fragestellungen nicht neu. Bei Landes- und Bundesbehörden, bei den Blauen Diensten, bei der Wirtschaft und bei den Militärs gibt es genügend Erfahrungsträger, die einfach handeln wollen, statt weiter zu debattieren. Maritim könnten wir in der Ostsee ein erstes, glaubwürdiges Zeichen für eine deutsche Führungsrolle setzen. Just do it!
Kapitän zur See a.D. Heinz Dieter Jopp ist Autor zahlreicher sicherheitspolitischer Bücher und Artikel.
Heinz Dieter Jopp












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