Trassenverlauf Balticconnector. Grafik: NORSAR

Trassenverlauf Balticconnector. Grafik: NORSAR

Finnland und Estland vereinbaren Sicherheitszusammenarbeit

Nach multinationalen Sicherheitsgesprächen im norwegischen Stavanger (siehe Bericht cbmaritim.46181.onlineshophosting.de vom 07.10.2024 Beitrag lesen) verstärken nun auch Finnland und Estland die Zusammenarbeit zum Schutz ihrer kritischen Infrastrukturen (KRITIS) – etwa ein Jahr, nachdem ein Schiffsanker die Unterwasser-Gaspipeline Balticconnector beschädigt hat, die beide Länder verbindet.
Siehe auch „Gasleck der Ostsee Pipeline Balticconnector: Sabotage - oder Pech?“ vom 05.11.2023. Beitrag lesen

Damit sollen sowohl Überwachung als auch Widerstandsfähigkeit der Gas- und Strominfrastruktur im Finnischen Meerbusen verbessert und die Kapazitäten für Reparaturen erhöht werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Die im Oktober 2023 beschädigte Balticconnector wurde inzwischen repariert und ist die erste Gaspipeline zwischen Finnland und Estland. Das Projekt, das Anfang 2020 in Betrieb genommen wurde, beendete die Isolierung Finnlands vom EU-Gasmarkt und sollte die Abhängigkeit Estlands von russischem Gas verringern. Die 152 Kilometer lange Gaspipeline verläuft in beide Richtungen und hat eine Transportkapazität von 7,2 Millionen Kubikmetern Gas pro Tag.

Die beschädigte Pipeline Balticconnector (durch Anker der NEWNEW POLAR BEAR, China, 2023) wird nach Nord-Stream 1 und 2 (durch Explosionen, 2022) sicher nicht die letzte beschädigte Gasleitung westlicher Staaten sein. Auch Datenkabel sind immer wieder Zerstörungen ausgesetzt. So wurde beispielsweise im Jahr 2022 ein Datenkabel zwischen der Inselgruppe Spitzbergen und dem norwegischen Festland ebenfalls mutmaßlich durch schleifende Anker bzw. Ketten oder durch Grundnetzgeschirre beschädigt. Auch die Datenkabel im Südausgang des Roten Meeres (Anker der RUBYMAR nach Huthi-Raketenangriff, 2024) zeugen von bewußt herbeigeführten, zumindest aber billigend in Kauf genommen Aktionen mit weitreichenden Folgen.

Russisches „Forschungsschiff“ „Akademik Aleksandr Karpinski“ in der Ostsee. Quelle: NDR

Russisches „Forschungsschiff“ „Akademik Aleksandr Karpinski“ in der Ostsee. Quelle: NDR

Die vielen unter russischer und chinesischer Flagge fahrenden Seefahrzeuge mit ausgeschaltetem Ortungssystem AIS und nicht nachvollziehbaren Schiffsbewegungen – man könnte auch Spionagetätigkeiten dazu sagen – auch in der Ostsee, sprechen eine deutliche Sprache für diejenigen, die hören und sehen wollen.

Es wäre also an der Zeit, endlich eine politisch gewollte konzertierte Aktion ins Leben zu rufen. Am besten durch eine weltweit anerkannte Institution, wie die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Mit Transparenz und öffentlichkeitswirksamer Prominenz könnten alle Aktionen zum Schutz der KRITIS gebündelt und erstmals ein aussagefähiges Lagebild aufgebaut werden. Damit würde aus einer gefühlten dann eine tatsächliche und faktenbasierte Gefährdungslage der weltweiten Versorgungs- und Kommunikationssysteme etabliert. Hieraus sind konkrete Maßnahmen abzuleiten, zum Beispiel das Sperren einzelner Handelswege innerhalb von 12 Meilen-Zonen in der Ostsee für alle Schiffe ohne eingeschaltetes AIS, um einmal irgendwomit anzufangen und internationales Seerecht robuster durchzusetzen.

kdk, gCaptain, Offshore Energy, ndr

16. Okt. 2024 | 0 Kommentare

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

de_DEGerman