Auf die KÖLN-Klasse folgte bei der Bundesmarine die BREMEN-Klasse, auch als Klasse 120 und 122 bezeichnet. Doch wo war eigentlich die Fregatte 121?
Die Marine hat Ende 2022 das letzte ihrer acht sehr erfolgreichen Arbeitspferde der Klasse 122 (BREMEN-Klasse) außer Dienst gestellt. Die vier Fregatten der Klasse 123 (BRANDENBURG-Klasse) werden modernisiert, man kämpft gegen die Obsoleszenzen der drei Fregatten Klasse 124 (SACHSEN-Klasse), stellt derzeit die vier Fregatten der Klasse 125 (BADEN-WÜRTTEMBERG-Klasse) in Dienst, hat vier Fregatten der Klasse 126 bestellt und plant aktuell fünf bis sechs Fregatten der Klasse 127 für den Zulauf in den späten Dreißigerjahren aus.[ds_preview]
Tatsächlich gibt es noch eine weitere Fregattenklasse im Dienst der Marine. Das Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine in Neustadt betreibt die ehemalige Fregatte KÖLN der Klasse 120 (KÖLN-Klasse) als Ausbildungs-Hulk. Die Klasse 120 bestand aus sechs Schiffen und wurde von der damaligen Bundesmarine zwischen 1961 und 1989 betrieben. Wo aber ist eigentlich die Fregatte 121 geblieben?
Unter dem Titel „Papierflotte versenkt“ berichtet das Magazin „Der Spiegel“ am 31. Mai 1970 von einer Entscheidung des damaligen Verteidigungsministers Helmut Schmidt. Mit einer einzigen Unterschrift beendete Schmidt zehn Jahre wenig stringente Planungsarbeit. Der Artikel spricht in diesem Zusammenhang von einer bitteren Niederlage der BundesmMarine.
Das Projekt begann mit der Planung von zehn kleinen, kampfkräftigen Küsten-Patrouilenbooten mit Raketen vom Typ Tartar für die Ostseekriegführung. Diese Boote waren aber zu klein für die vorgesehenen Raketen. So verwarf man diese Pläne und arbeitete eine Zeit lang an noch kleineren Kanonenbooten, die lediglich mit Maschinenwaffen ausgestattet sein sollten. Da die Luftbedrohung durch die Kräfte des Warschauer Pakts aber mehr und mehr zunahm, kam es 1964 zu einer erneuten Kursänderung in Richtung auf 2500 Tonnen große Raketenschiffe, die unter dem Arbeitsbegriff Großes Kampfboot Klasse 130 firmierten – die aktuelle Korvette 130 läßt grüßen! Auf dem Papier entstanden nun die modernsten Flugabwehrkorvetten in der NATO.
Drei Jahre später verschob der damals neue Verteidigungsminister Helmut Schmidt die Prioritäten der Bundeswehrplanung, das Programm wurde von zehn (!) auf vier Schiffe gekürzt. Da die Anforderungen an die Technik und die Forderungen der NATO aber immer weiter stiegen, mutierten die Korvetten zur 3500 Tonnen großen NATO-Fregatte 70, national zur Fregatte 121. Die Planung beinhaltete jetzt ein großes Luftraum-Überwachungsradar, den Standard Missile 1 für die Flugabwehr sowie Sonar und Torpedorohre für die U-Jagd. Das Projekt sollte in enger Abstimmung mit den NATO-Partnern realisiert werden, die jedoch der Überzeugung waren, dass moderne Kampfschiffe Hubschrauber mitführen sollten. Die Kosten explodierten und so wurde die Konzeption der Fregatte 121 im Jahr 1970 aufgegeben und stattdessen die Planung der Fregatte 122 aufgenommen, die ab Mai 1982 der Marine zulief und die Fregatte 120 ablöste.
Die Marine bekam ab 1969 mit den drei Zerstörern der Klasse 103 (LÜTJENS-Klasse) ihre Flugabwehrschiffe mit Tartar-Raketenwerfer und mit den zehn Flugkörperschnellbooten 143 (ALBATROS-Klasse) ab 1976 ihre kampfkräftigen Küsten-Patrouillenboote, mit welchen die hier beschriebenen Planungen 1960 begannen. Der Weitblick von Helmut Schmidt war am Ende doch alles andere als eine bittere Niederlage der Marine und brachte ihr in den Siebziger- und Achtzigerjahren sogar einige ihrer erfolgreichsten Waffensysteme.
Offensichtlich profitierten zahlreiche spätere Projekte nicht von der Weitsicht und dem Mut, diese umzuplanen oder zu stoppen, wenn absehbar wurde, dass sich die Rahmenbedingungen zwischenzeitlich geändert hatten. Die Marine würde gelegentlich besser mit einer fehlenden Nummer segeln.
Andreas Uhl










0 Kommentare