Die Deutsche Marine ist zufriedener Kunde von German Naval Yards, Foto: GNYK

Die Deutsche Marine ist zufriedener Kunde von German Naval Yards, Foto: GNYK

German Naval Yards: Mehr als eine Werft!

Der Schock, den der Tod des Inhabers Iskandar Safa auslöste, war groß. Es kamen Fragen und Gerüchte auf. Zeit für klärende Worte.

Man kennt uns, die German Naval Yards. Die traditionsreiche Werft an der Kieler Förde mit dem stadtbildprägenden Portalkran. Und doch wissen die Wenigsten, wer und was hinter dem Unternehmen steht! Nach der traurigen Nachricht machten Fehlinformationen die Runde. Man hielt uns fälschlicherweise bereits für „verkauft“. Für uns selbst stellte sich diese Frage gar nicht, denn für uns war und ist klar: Sein Sohn Akram, geboren und aufgewachsen in Südfrankreich und bereits seit längerer Zeit die Geschäftsaktivitäten seines Vaters eng begleitend, übernimmt das Ruder.[ds_preview] Kurz nach der Beisetzung seines Vaters, ließ er uns hier in Kiel persönlich wissen, was seine Vorstellungen sind.

Was den grundsätzlichen Kurs angeht, bleibt es dabei: Wir wollen wachsen, unser Angebot diversifizieren und auch mit modernen und innovativen Systemen überzeugen. Jargon: Unser Geschwader soll noch hochseetauglicher werden. Das klingt abstrakt, was Akram damit konkret meint, ist, einen verstärkten Fokus auf unbemannte Systeme, Einbindung von künstlicher Intelligenz und Intensivierung der Zusammenarbeit innerhalb Europas zu legen. Das sind nun mal die Zeichen der Zeit, die für die gesamte Unternehmensgruppe gelten und auf die man sich ausrichten muss. Der Sohn folgt damit den Visionen seines Vaters. Dieser wollte der nachhaltigste Anbieter von maritimen Lösungen im militärischen Bereich sein.

Doch nochmals ein paar Wegpunkte zurück: CMN Naval mit Hauptsitz in Paris und Unternehmen in Ländern wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien ist eine primär auf den militärischen Markt ausgerichtete europäische Schiffbaugruppe. Das Portfolio reicht von verschiedenen kleinen bis mittleren unbemannten Hochgeschwindigkeitsabfangjägern über Landungsboote, OPVs und Korvetten bis hin zu Fregatten. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 1800 Mitarbeiter, davon über 200 Ingenieure. 48 internationale Marinen haben bislang der Gruppe ihr Vertrauen geschenkt.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe ist eng: So finden regelmäßig personelle Austausche zwischen den Werften statt, um sich gegenseitig zu unterstützen. Auch Fertigungsengpässe werden horizontal ausgeglichen, so werden wir in Kiel diesen Sommer noch in Zusammenarbeit mit unserer französischen Schwesterwerft Constructions Mecaniques de Normandie (CMN) mit dem Bau einer Exportkorvette beginnen. Während CMN in Cherbourg das nahezu gesamte Portfolio im Überwasserbereich von 10 bis 90 Meter anbietet, schließen wir in Kiel an diese Größe direkt an. Auch wenn unsere Anlagen auf eher große Marineeinheiten ausgerichtet sind, schließt dies den Bau kleinerer Größen nicht aus. Unsere infrastrukturelle Anordnung an Hallen, Anlagen, Docks und Kränen sowie die grundsätzlichen Abläufe auf der Werft bieten sich auch für den serienmäßigen Bau kleinerer und mittelgroßer Boote an.

Tiefe Bestürzung löste Ende Januar der Todvon Visionär und Mäzen Iskandar Safa (r.) aus; Sohn Akram übernahm verzugslos das Ruder bei GNYK, Foto: CMN Naval

Tiefe Bestürzung löste Ende Januar der Tod von Visionär und Mäzen Iskandar Safa (r.) aus; Sohn Akram übernahm verzugslos das Ruder bei GNYK, Foto: CMN Naval

Was können wir derzeit konkret anbieten? Wir nennen es den Hochgeschwindigkeits-Abfangjäger, der bei 32 Meter Länge das im Kurs 2035+ der Marine verankerte Future Combate Surface System Realität werden lassen könnte. Im unbemannten Betrieb wurde das Prinzip bereits unter rauen Nordseebedingungen erprobt und könnte in Kiel gebaut werden. Wir meinen, das ist unter den aktuellen Sicherheitserfordernissen und insbesondere unter dem Blickwinkel der geforderten Kriegstüchtigkeit der richtige Beitrag zur richtigen Zeit.

Ebenfalls zur Gruppe gehört das in Großbritannien ansässige Unternehmen Sir Joseph Isherwood. Dieses bietet Kunden eine Managementlösung in einem leicht zu bedienenden Softwarepaket an, die Logistik und Analyse zusammenfasst. Über 500 solcher Systeme werden aktuell durch internationale Kunden genutzt.

Abseits des militärischen Sektors ist CMN Naval weiterhin im Energiesektor aktiv. Die Gruppe entwickelte eine Gezeitenturbine namens HydroQuest. Diese wird im Ärmelkanal installiert und soll 22 000 Haushalte mit Energie versorgen. Der Tidenhub ist im Gegensatz zu Wind und Sonne ein verlässlich planbarer Faktor. Aber auch in Kiel selbst ist man tätig: In Zusammenhang mit der Fachhochschule Kiel wurde der Prototyp eines Wellenkraftwerks entwickelt. Man hofft, damit eine Energiequelle zu erschaffen, die in großem Maßstab in Offshore-Windparks integriert werden kann. Die Gewässer um Helgoland böten sich dafür an.

German Naval Yards bringt aufgrund der vorhandenen Infrastruktur weiter alle notwendigen Voraussetzungen mit, um ohne größere Investitionen Konverterplattformen in Serie zu bauen. Gespräche mit den Netzbetreibern und Ministerien finden bereits statt.
Weiterhin könnten wir zusammen mit unseren Partnern Rheinmetall, WilNor Governmental Services sowie weiteren, in diesem besonderen Themengebiet tätigen Unternehmen mit einer risikominimierten Lösung zur industriellen Bergung und Vernichtung von Altlasten im Meer beginnen. Das Konzept hierzu steht, alle relevanten, notwenigen Systeme sind erprobt, bewährt, vorhanden und darüber hinaus teilweise bereits Vorverträge mit Lieferanten von Schlüsselkomponenten geschlossen, um dem Problem ohne unnötige weitere Wartezeiten endlich Herr zu werden.

Bei GNYK kommt nur modernsteTechnik zum Einsatz, Foto: GNYK

Bei GNYK kommt nur modernste Technik zum Einsatz, Foto: GNYK

Ein aktuell in der Branche brennend diskutiertes Thema ist die Konsolidierung in der Werftenlandschaft. Dass wir als German Naval Yards einer entsprechenden Konsolidierung offen gegenüberstehen und diese seit Anfang der Gespräche befürworten, ist kein Geheimnis. Seit Jahren sind wir in unterschiedlichen Projekten für die Bundeswehr erfolgreicher Arge-Partner. Wir bringen weitreichende Erfahrungen und Kenntnisse über die jeweiligen Arbeitsabläufe und Fähigkeiten mit.

Um auch international den teilweise doch sehr ungleichen Wettbewerbsvoraussetzungen begegnen zu können, müssen wir national zusammenrücken – keine Frage! Die Fragen lauten eher: Wer mit wem? Was ist mit denen, die nicht dabei sind? Auf beide Fragen gibt es eine Vielzahl an möglichen Antworten mit jeweiligen Pros und Contras. Wir für unseren Teil stehen allen Optionen offen und gleichzeitig selbstbewusst gegenüber. Der Grund: Wir wissen, was wir können!

Mark Siever ist Director Corporate Affairs & Business Development bei German Naval Yards Kiel.

Mark Siever

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