XLUUV-Modell von Naval Group USV des, Foto: Hans-Uwe Mergener

XLUUV-Modell von Naval Group USV des, Foto: Hans-Uwe Mergener

Global, europäisch, national: Die Balance macht`s

Die Verteidigungsmesse Euronaval ließ keinen Zweifel: Europa muss auch im Verteidigungsbereich mehr Selbstständigkeit wagen. Dabei spielt das richtige Maß an Kooperation eine wichtige Rolle.

Zwischen dem 4. und 7. November 2024 etablierte sich die Euronaval 2024 im Pariser Messezentrum Nord Villepinte als die weltweit führende Veranstaltung für maritime Verteidigung und Sicherheit. Mit 483 Ausstellern aus über 30 Ländern, 26.000 Besuchern, 150 offiziellen Delegationen und 1.250 B2B-Meetings war sie ein zentraler Treffpunkt für Entscheidungsträger, Produzenten und Experten. Über 185 Vorträge und Pitches boten Einblicke in die neuesten Entwicklungen der Branche, und mehr als 350 internationale Journalisten sorgten für breite mediale Aufmerksamkeit.

Mehr als eine Leistungsschau technologischer Innovationen war sie vielmehr ein Spiegelbild der komplexen Herausforderungen und globalen Spannungsfelder in der maritimen Verteidigung. Einerseits unterstrich die Veranstaltung mit ihren mehrfachen Ankündigungen die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit. Andererseits[ds_preview] offenbarte sie dem aufmerksamen Beobachter ein zentrales Dilemma: die Balance zwischen europäischer Souveränität, nationaler Verantwortung und dem Wettbewerb mit außereuropäischen Herstellern.

Naval Strike Missile, Foto: Hans-Uwe Mergener

Naval Strike Missile, Foto: Hans-Uwe Mergener

Dabei zeigte sich ein Paradoxon, das die maritime Verteidigung prägt.

Einerseits wird die internationale Zusammenarbeit immer wichtiger, um die komplexen technologischen Anforderungen moderner Verteidigungssysteme zu bewältigen. Beispiele wie die deutsch-singapurische Partnerschaft im U-Boot-Bereich oder die Zusammenarbeit von Fincantieri mit der VAE-basierten EDGE Group verdeutlichen, wie Kooperationen Synergien schaffen und technologische Durchbrüche ermöglichen können.

Gleichzeitig bleibt Verteidigung jedoch eine nationale Kernaufgabe und Ausdruck nationaler Souveränität. Die Entscheidungen darüber, welche Technologien entwickelt und beschafft werden, basieren oft auf spezifischen nationalen Sicherheitsbedürfnissen und geopolitischen Interessen. Die inhärente Dualität wird an Kooperationsprojekten greifbar. Die von Naval Group und Fincantieri präsentierten Fregatten FREMM EVO und PPA EVO, beide auf nationale Anforderungen zugeschnitten, werden gleichzeitig als Exempel für die Integration europäischer Verteidigungsprojekte vorangetrieben.

Autonomie mit Löchern

Seit Jahren strebt Europa an, seine strategische Autonomie, insbesondere im Verteidigungssektor, zu stärken. Dies spiegelt sich in den bereits erwähnten oder der deutsch-französischen Zusammenarbeit bei der Future Cruise/Anti-Ship Weapon (FC/ASW) wider. Der Ausbau gemeinsamer europäischer Fähigkeiten, zu der auch das Projekt der Modular and Multirole Patrol Corvette (MMPC) gehört, ist nicht nur eine Antwort auf die sicherheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart. Über die Schaffung von Gemeinsamkeiten hinaus sind derartige Kooperationen auch ein Versuch, die Abhängigkeiten von externen Akteuren zu reduzieren.

Flugzeugträgerprojekt PANG der französischen Marine, Foto: Hans-Uwe Mergener

Flugzeugträgerprojekt PANG der französischen Marine, Foto: Hans-Uwe Mergener

Indessen zeigt sich allerdings auch, dass Europa auf außereuropäische Partner angewiesen bleibt. Lockheed Martins Integration des Aegis-Kampfsystems seien ebenso wie US Flugkörpersysteme exemplarisch angeführt. Gleichzeitig sind wichtige Partner auf dem globalen Markt auch Konkurrenten. Zu denen gehören auch diejenigen außereuropäischen Hersteller, die technologisch hochstehende Lösungen zu attraktiven Konditionen anbieten. Die Türkei präsentierte auf der Euronaval 2024 Systeme wie die maritime Variante der Flugdrohne Bayraktar TB2 und der ULAQ USV. Beide sind sowohl technologisch innovativ als auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig. Dies macht sie nicht nur für europäische Betreiber, sondern auch für Drittstaaten attraktiv, die nach kosteneffizienten Alternativen suchen.

Kooperation als Schlüssel?

Für Europa bleibt, mit der Herausforderung zu leben, seine Autonomie zu stärken, ohne die technologische Innovationskraft dieser Partner zu verlieren. Gleichzeitig muss es sich technologisch und wirtschaftlich behaupten können. Die Lösung aus diesem Dilemma mag in der Stärkung strategischer Partnerschaften, sowohl innerhalb Europas als auch mit ausgewählten außereuropäischen Akteuren, liegen. Projekte wie die deutsch-singapurische Kooperation im Bereich U-Boot-Technologie oder die Zusammenarbeit zwischen Fincantieri und der EDGE Group aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigen, dass solche Allianzen erfolgreich sein können.

Aus dem Entwurf Arrowhead 140 gingen Fregatten für Großbritannien, Indonesien und Polen hervor, Foto: Hans-Uwe Mergener

Aus dem Entwurf Arrowhead 140 gingen Fregatten für Großbritannien, Indonesien und Polen hervor, Foto: Hans-Uwe Mergener

Andere Entwicklungen wie die neuen Energie- und Automationslösungen von Rolls-Royce/MTU oder die autonomen Systeme von Saab und Thales stehen exemplarisch für den technologischen Fortschritt, der durch internationale Partnerschaften ermöglicht wird.

Dabei bleibt die Hoheit über diese Technologien in nationaler Hand, was den Staaten erlaubt, ihre spezifischen Sicherheitsbedürfnisse zu adressieren. Denn Verteidigung verbleibt eine nationale Verantwortung. Die Hoheit über strategische Entscheidungen und die Fähigkeit, unabhängig zu handeln, ist für jeden Staat unverzichtbar. Die Herausforderung besteht darin, die Vorteile internationaler Zusammenarbeit zu nutzen, ohne dabei die nationale und europäische Souveränität zu gefährden.

Unabhängigkeit vs. Zusammenarbeit – Wie raus aus dem Paradoxon?

Die Euronaval 2024 hat verdeutlicht, wieweit maritime Verteidigung von technologischen Innovationen, gleichzeitig auch von geopolitischen und wirtschaftlichen Realitäten geprägt ist. Drohnen- und Flugkörpersysteme waren die Eyecatcher der Messe, Autonomie und Künstliche Intelligenz die Buzzwords.

Sea Cat von Atlas Elektronik kann mit verschieden, Foto: Hans-Uwe Mergener

Sea Cat von Atlas Elektronik kann mit verschieden, Foto: Hans-Uwe Mergener

Beim Gang durch die Messehallen der Euronaval 2024 drängte sich dem Beobachter die Frage auf: wie können gerade die europäischen Staaten ihre nationale Souveränität wahren, während sie gleichzeitig von der Zusammenarbeit in einem zunehmend globalisierten Verteidigungsmarkt profitieren? Oder anders gefasst: Während Europa seine strategische Autonomie erreichen will, muss es gleichzeitig mit außereuropäischen Akteuren konkurrieren, von ihnen lernen und in vielen Fällen mit ihnen zusammenarbeiten. Trotz internationaler Partnerschaften bleibt der Schutz strategischer Technologien ein zentraler Punkt für viele Länder. Was in der Entwicklung der französischen PA-NG-Flugzeugträger oder der MEKO A-400 AMD-Fregatten durch deutsche Werften offensichtlich wird. Das Paradoxon zwischen nationaler Verantwortung und internationaler Kooperation wird durch die Dynamik globaler Märkte noch verschärft.

Marinegeschütz Rapidfire Naval von KNDS Entwurf des, Foto: Hans-Uwe Mergener

Marinegeschütz Rapidfire Naval von KNDS Entwurf des, Foto: Hans-Uwe Mergener

Die Antwort liegt vermutlich in einer ausgewogenen Balance zwischen nationaler Kontrolle und strategischen Partnerschaften. Gerade die Euronaval 2024 zeigte, dass Innovation, Strategie und internationale Kooperation der Schlüssel dazu sein könnten. Eher unwissentlich mutierte sie von einer Leistungsschau zum Ausgangspunkt für den fälligen Dialog über die Zukunft der maritimen Sicherheit in einer globalisierten Welt. Denn letztlich liegt die Herausforderung darin, nicht nur aktuelle Bedrohungen abzuwehren und Antworten auf Fragen wie die Grenzen und der Nutzen Künstlicher Intelligenz zu finden. Daneben sind die Grundlagen für eine flexible und zukunftsfähige Sicherheitsarchitektur zu schaffen. Europas Rolle wird nicht durch die bloße Behauptung von Unabhängigkeit definiert, sondern durch die Fähigkeit, eine Vision der Zusammenarbeit mit strategischem Weitblick und Innovationskraft umzusetzen.

Hans Uwe Mergener

19. März 2025 | 0 Kommentare

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