INS Vikrant ist das größte Schiff im Bestand der indischen Marine, Foto: Indische Marine

INS Vikrant ist das größte Schiff im Bestand der indischen Marine, Foto: Indische Marine

Indiens Stolz

Mit der 2022 erfolgten Indienststellung ihres ersten einheimischen Flugzeugträgers machte die indische Marine den Schritt vom Käufer zum Hersteller. Viele Komponenten an Bord stammen aus lokaler Produktion.

Mit dem ersten eigenen Flugzeugträger, der zugleich das bisher größte Kriegsschiff der indischen Marine ist, nähert sich Indien immer mehr einer blue water navy mit drei Flugzeugträgern.

Mit der INS Vikrant („mutig“ in Sanskrit), stieg Indien im 75. Jahr seiner Unabhängigkeit in den elitären Club der Nationen auf, die über die bedeutende Fähigkeit verfügen, einen Flugzeugträger im eigenen Land zu entwerfen und zu bauen. Es handelt sich um den zweiten Flugzeugträger der indischen Marine. Bereits 2013 wurde die in Russland gebaute Baku, die später in Admiral Gorschkow umbenannt wurde, als Vikramaditya von Indien in Betrieb genommen.[ds_preview]

Das 45 000 Tonnen verdrängende Kriegsschiff wurde nach dem ersten Flugzeugträger des unabhängigen Indien benannt, der Vikrant, die 1971 im indisch-pakistanischen Krieg eine Schlüsselrolle spielte. Die neue Vikramaditya hat eine Höchstgeschwindigkeit von 28 Knoten und ist wesentlich größer und moderner als ihre Vorgängerin. Der Flugzeugträger, der von vier Gasturbinen mit einer Leistung von 88 Megawatt angetrieben wird und zu 76 Prozent aus einheimischen Komponenten hergestellt wurde, wird als perfektes Beispiel für das Streben der Nation nach aatma nirbhar Bharat (selbstständiges Indien) angepriesen und soll so die Initiative Make in India der Regierung unterstützen. Die indische Marine bezeichnete die „Wiedergeburt der Vikrant“ als ein „wahres Zeugnis für den Eifer und die Begeisterung des Landes beim Aufbau von Fähigkeiten für eine verbesserte maritime Sicherheit“.

Die Gesamtkosten des Projekts wurden zum Zeitpunkt der ersten Seeerprobungen auf fast drei Milliarden Dollar geschätzt. Das vollständig vom Directorate of Naval Design (DND) der indischen Marine entworfene und von der Cochin Shipyard Limited (CSL) in Kochi gebaute Kriegsschiff entstand in mehreren Phasen. Am Beginn stand der Vertragsabschluss zwischen CSL und dem Verteidigungsministerium im Jahr 2007. Die Kiellegung fand 2009 statt, der Stapellauf des Trägers gelang im Dezember 2014. Mit der Beckenerprobung des 262 Meter langen Schiffs im Oktober 2019 erfolgte die dritte Phase. Die abschließende Flugerprobung sollten bis Mitte 2023 abgeschlossen sein.

Über die an Bord einzusetzenden Flugzeuge sagte der ehemalige Chef der indischen Marine, Admiral a.D. Karambir Singh: „Die Effizienz eines Flugzeugträgers hängt von den Flugzeugen ab, die er einsetzt. Um unsere beiden Flugzeugträger wirklich effektiv zu machen, müssen wir rasch Kampfflugzeuge vom Typ Rafale oder F-18 beschaffen. Außerdem sollte die Entwicklung eines einheimischen zweimotorigen Kampfflugzeugs schnellstmöglich vorangetrieben werden. Was den Bau von Flugzeugträgern anbelangt, so besitzen wir in Indien jetzt diese Fähigkeit. Die Fertigstellung der INS Vikrant hat lange gedauert, weil wir beschlossen haben, sie mit einheimischem Stahl zu bauen und weil russische Hersteller von Ausrüstung einige Verzögerungen verursacht haben. All das wird beim nächsten Schiff nicht mehr vorkommen.“

Die indische Marine hat sich erst im Juli 2023 gegen Boeings F/A-18 Block III Super Hornet und für die französische Rafale Marine von Dassault Aviation entschieden. Insgesamt werden für den Träger 26 Stück beschafft, die die 36 bereits vorhandenen Rafale der Marine ergänzen.

Für die indischen Träger kommtdie französische Rafale M in Betracht, Foto: Marine Nationale

Für die indischen Träger kommt die französische Rafale M in Betracht, Foto: Marine Nationale

Den neuen Flugzeugträger kennzeichnen ein hoher Automatisierungsgrad im regulären Betrieb auf See und eine gute Überlebensfähigkeit. Ausgelegt ist das Schiff für die Aufnahme einer Reihe von Starr- und Drehflüglern. Es ist in der Lage, ein Geschwader mit 30 Luftfahrzeugen zu betreiben, darunter MIG-29K-Kampfflugzeuge, Mehrzweckhubschrauber der Typen Kamow Ka-31 und Sikorsky MH-60R sowie die im eigenen Land hergestellten Advanced Light Helicopters und Light Combat Aircraft. An Bord kommt für die Starrflügler das Verfahren Short Take-Off but Arrested Landing (Stobar) zum Einsatz. Für den Start fiel die Wahl daher auf die Unterstützung durch eine Sprungschanze, die Landung erfolgt unter Zuhilfenahme von Fangseilen.

Viele der an Bord eingesetzten technischen Komponenten wurden von indischen Firmen entwickelt und hergestellt. Beteiligt waren große Industrieunternehmen wie Bharat Electronics, Bharat Heavy Electricals, Garden Reach Shipbuilders, Keltron, Kirloskar, Larsen & Toubro, Wärtsilä India sowie über hundert Klein- und Kleinstunternehmen. Neben der Förderung der einheimischen Industrie haben diese Vergaben auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zu einem beträchtlichen Rückfluss in die lokale Wirtschaft geführt. Ein wichtiger Aspekt war die Entwicklung und Herstellung von Stahl für den Bau von Kriegsschiffen im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der indischen Marine, der Organisation für Forschung und Entwicklung im Verteidigungsbereich und der indischen Stahlbehörde. Dies hat es dem Land ermöglicht, bei Kriegsschiffsstahl autark zu werden. Heute werden alle indischen Kriegsschiffe, die im Land gebaut werden, aus indischem Stahl hergestellt.

Das Directorate of Naval Design hat das Design des Flugzeugträgers in mehreren Durchgängen entwickelt und dabei auch 3-D- und VR-Modelle und sowie hochmoderne Konstruktionssoftware eingesetzt. Cochin Shipyard konnte während des Baus der Vikrant zudem seine Schiffbauinfrastruktur modernisieren und die Produktivität steigern.

INS Vikrant wird im Jahr 2023in Dienst gestellt, Foto: Indische Marine

INS Vikrant wird im Jahr 2023 in Dienst gestellt, Foto: Indische Marine

Nachdem das Schiff zwischen August 2021 und Juli 2022 umfangreichen Abnahmeprüfungen unterzogen wurde, hat die indische Marine die Vikrant von der Werft übernommen. Während der Erprobung wurden die Leistung von Schiff, Rumpf und Hauptantrieb, der Ausrüstung, der für den Betrieb der Flugzeuge notwendigen Technik, der Waffen und der Sensoren ausgiebig getestet. Die Seegangs- und Manövrierfähigkeiten erwiesen sich gemäß den Erprobungsprotokollen und Systemparametern als zufriedenstellend, ein Lohn für zwei Jahrzehnte harter Arbeit.Die Indienststellung der Vikrant stärkt Indiens Position im Indischen Ozeans, da das Land nun seine maritimen Ziele noch besser verfolgen kann.

Suman Sharma

Suman Sharma ist eine indische Journalistin mit den Tätigkeitsschwerpunkten Außenpolitik und Verteidigung. Zuvor war sie Ausbilderin an der indischen Militärakademie.

12. Okt. 2023 | 0 Kommentare

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