Ob in der Ukraine oder im Roten Meer: Drohnen stellen heute eine reale Bedrohung dar. Laserwaffensysteme könnten mittelfristig bei der Abwehr dieser autonomen Kleinstfluggeräte eine gewichtige Rolle spielen.
Bei der Analyse des Kriegs in der Ukraine und zukünftiger Szenare stellt sich derzeit die Frage, wie eine effektive letale Abwehr von unbemannten Systemen und kleinen Zielen erfolgen kann. Offenbar werden zukünftig Lenkflugkörper aufgrund des hohen Preises nicht die erste Wahl sein, Drohnen abzuwehren, und die Trefferwahrscheinlichkeiten von Artilleriesystemen sind bei kleinen Zielen mit[ds_preview] unvorhersehbaren Richtungsänderungen naturgemäß begrenzt. Daher werden immer wieder Laserwaffensysteme als die vermeintliche Waffe der Zukunft zur Abwehr solcher Systeme genannt. Wie sind also die Aussichten für einen operativen Einsatz an Bord?
Im Rahmen des Projekts „Hochpräzise und skalierbare Wirkung gegen agile / signaturarme Ziele im Nah- und Nächstbereich schwimmender Systemträger der Marine“ (HoWiSM) wurden zwischen Ende 2022 und Anfang 2023 mehrere Erprobungen des Laserwaffendemonstrators auf der Fregatte Sachsen durchgeführt. Ziel dieser Kampagnen war der Nachweis der prinzipiellen technischen Machbarkeit an Bord einer schwimmenden Einheit unter den Wechselwirkungen der maritimen Umgebung. Genutzt wurde dazu ein Experimentalsystem, das ausschließlich durch die Entwickler bedient wurde. So konnte der Nachweis erbracht werden, dass mit dem Demonstrator auch über See verschiedene Ziele im Nächstbereich bekämpfbar sind.
Bei den Kampagnen wurden zudem erste operative, konzeptionelle und betriebliche Erfahrungen gesammelt, aber auch Fragen aufgeworfen. Diese bedürfen einer Betrachtung und einer weiteren Ausgestaltung im Rahmen des Projekts. Zwar klingt die Integration eines Laserwaffensystems an Bord zunächst einmal nur nach einem weiteren Waffensystem mit Bedarf an Platz, Strom, Kühlung und freiem Schussfeld. Die Einbindung in die Bord-, Gefechts- und Instandhaltungsorganisation bedarf aufgrund bislang nicht abgebildeter Aspekte jedoch neuer Ansätze. Auch der Waffeneinsatz muss anders gedacht werden: So ist der Lasereinsatz von Umweltfaktoren wie Luftfeuchte, Staub, Wind und anderen Faktoren stärker beeinflusst als der Einsatz von konventionellen Waffen. Ähnliches gilt für die Lasersicherheit in Bezug auf die Streuung an Objekten und eine Begrenzung des Laserstrahls in seiner Reichweite. Für viele dieser Fragen konnten im Rahmen der Kampagnen an Bord der Fregatte Sachsen bereits erste Lösungsansätze gefunden werden.

Demonstrator auf der Sachsen, Foto: Bw/Leon Rodewald
Ein komplexeres Feld stellt die Funktionskette dar: Aus dem Prinzip, dass nur durch extrem punktuellen Energieeintrag beim Ziel die Wirkung erreicht wird, resultiert, dass die herkömmliche Feuerleitung für die Schiffsartillerie und Lenkflugkörpersysteme nicht hinreichend ist. Für eine punktgenaue Feuerleitung einer Laserwaffe ist nach wie vor eine dreidimensionale Raumüberwachung zur Detektion und Zielauswahl erforderlich. Zur Erfassung und Verfolgung von Drohnen mit kleiner Signatur, unvorhersehbaren Richtungsänderungen unter starker Beschleunigung sowie besonderen Dopplereigenschaften über die Rotoren, ergeben sich sehr spezifische Anforderungen, die mit der bislang an Bord verfügbaren Sensorik nur im Ausnahmefall und bei spezieller Konditionierung zu erreichen sind. Noch spezieller wird dies bezüglich eines extrem genauen Verfolgens des Wirkpunktes auf dem Ziel. Neben der Genauigkeit sind auch die erforderlichen Reaktionsgeschwindigkeiten der Steuerung eine Herausforderung. Dies mündet vermutlich darin, dass ein Laserwaffensystem nicht nur eine weitere in das Einsatzsystem integrierte Waffe sein wird, sondern weitergehende Anforderungen an die Plattform haben wird.
Ein weiterer Aspekt ist der sogenannte Wirkpunkt: Entgegen der klassischen letalen Wirkmittel, geht es bei einem Laser nicht darum, ob, sondern wo getroffen werden soll oder muss, um die gewünschte Wirkung zu erreichen. Um dies im Sinne des Auftrags festzulegen, bedarf es einer adäquaten Klassifizierung des Zieles – auch für die diversen Drohnen. Die dazu erforderlichen Informationen müssen permanent die Einsatzlage widerspiegeln und mit den anderen Klassifizierungsprozessen an Bord korrelieren, was einer umfassenden Unterstützungsorganisation bedarf.
Anhand dieser ausgewählten Aspekte lässt sich erkennen, dass bis zum erfolgreichen operativen Betrieb und Einsatz noch eine Reihe von Voraussetzungen geschaffen werden müssen.
Mit der Demonstratorkampagne wurde das Potenzial der Technologie für einen Einsatz gegen die aktuellen Bedrohungen klar nachgewiesen. Aktuell ist beabsichtigt, über die Entwicklung eines Vorseriengerätes, die anschließende Erprobung auf einem Einsatzgruppenversorger und darauf aufbauend die Integration auf Kampfschiffen, die technischen und betrieblichen Voraussetzungen für einen operativen Einsatz herzustellen. Auf diesem Weg werden Laserwaffensysteme im Waffenmix von zukünftigen Kampfschiffen komplementär zu Artilleriesystemen einen erheblichen Mehrwert zur Abwehr von Drohnen bieten, aber diese nie ganz ersetzen können.
Fregattenkapitän Götz Eichberg ist Gruppenleiter Auswertung/Weiterentwicklung in der Einsatzflottille 2.
Götz Eichberg










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