Mit einem neuen Grundlagendokument rückt der Inspekteur die Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Mittelpunkt. Personal und Ausbildung kommt ein besonderer Stellenwert zu.
Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan C. Kaack, hat mit Wirkung vom 25. April das Grundlagendokument „Absicht 2022“ für die Weiterentwicklung der Seestreitkräfte erlassen. Er will die Marine wieder konsequent an der Landes- und Bündnisverteidigung ausrichten, die Einsatzfähigkeit erhöhen, die Kampfkraft stärken und damit die Teilstreitkraft fit für die Zukunft machen. „Nur wenn wir – gemeinsam mit unseren Bündnispartnern – besser sind als mögliche Gegner, können wir glaubhaft abschrecken. Nur so bleibt der Ausgang einer möglichen Konfrontation für den Gegner unberechenbar“, betont Kaack. Seine Absichten hat er in drei Schwerpunkten festgelegt.[ds_preview] An erster Stelle steht die Forderung nach einer schlagkräftigen Kampfgemeinschaft auf den Einheiten durch eine realitätsnahe Gefechtsausbildung. Dazu müsse sich die Marine in allen Bereichen – Instandhaltung, operatives Tempo, Personal und Ausbildung – nach dem Motto frontline first konsequent an den Bedürfnissen der Flotte konsequent orientieren. Daneben soll eine neue Lehrgruppe Seetaktik an der Marineoperationsschule entstehen, um die taktische Grundfertigkeit in der Flotte zu stärken und ein gemeinsames operatives Verständnis zu entwickeln. Die Einsatzbereitschaft der Flotte soll dann durch regelmäßige und kurzfristig angeordnete Überprüfungen überwacht werden.
Das zweite Arbeitsfeld befasst sich mit dem Strategischen Dachdokument Marine, das unter anderem die Kommunikation mit wichtigen Partnern der Seestreitkräfte bei NATO und EU, aber auch in Politik und Gesellschaft fördern soll. Damit verbindet der Inspekteur die Kernbotschaft, dass das Haupteinsatzgebiet der Flotte die NATO-Nordflanke einschließlich der Seewege im Nordatlantik umfasst. Hierfür stelle sich die Marine mit Ausrüstung, Ausbildung, Führung und Übungsbeteiligung ein. Auch liege das Stärken der ständigen NATO-Einsatzverbände, die Beteiligung an hochwertigen Übungsvorhaben sowie der Schutz der Carrier Strike Groups unverändert im Interesse der Marine. Gleichzeitig betont er die ausgeprägte maritim-militärische Führungsfähigkeit der Marine in der Ostsee, in der Deutschland eine besondere Rolle als Anlehnungspartner in der Region einnimmt. Es gelte hierfür, die Ostseekooperation im Rahmen der Baltic Commanders Conference auszubauen und zu intensivieren.
Schließlich soll sich die Marine nach dem Motto „Wir sind Marine“ als „intakte Familie" in der Inneren Führung weiterentwickeln. Dazu soll ein oberster Portepeeunteroffizier in Ergänzung zur Beratergruppe Wachtmeister beim Befehlshaber der Flotte eingesetzt werden. Dieser soll, ähnlich wie ein vergleichbarer Dienstposten in der US Navy, als Command Master Chief für eine ständige Wahrnehmung der Belange der Truppe sorgen, beispielsweise durch Impulse zur Verbesserung der Aus- und Weiterbildung in Bezug auf den Esprit de Corps oder für die gebotene Anerkennung von Leistungen. Damit werde auch die Bedeutung des Unteroffizierkorps sowie der Mannschaften für die Einsatzbereitschaft der Marine angemessen berücksichtigt. Zudem will der Inspekteur einen Beauftragten für Innovation, Digitalisierung, Empowerment und Agilität einsetzen, um die in der Marine vorhandene Kreativität und das progressive Mindset zu fördern. Auch soll durch die Initiative „Reserve neu denken“ die Durchhaltefähigkeit der Seestreitkräfte gestärkt werden.
Abschließend fordert der Admiral: „Ich erwarte, dass jeder im Sinne dieser Absicht und in bester Tradition der Auftragstaktik handelt und ergänzt.“
Dieter Stockfisch










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