Korvette „Oldenburg“ verlässt Rostocker Heimathafen, Foto: Bundeswehr

Korvette „Oldenburg“ verlässt Rostocker Heimathafen, Foto: Bundeswehr

Korvette Oldenburg: Plötzlich alles anders!

Die Korvette "Oldenburg" der Deutschen Marine befindet sich zur Zeit im Seegebiet vor der libanesischen Küste mit Stützpunkt in Limassol auf Zypern. Sie ist damit die deutsche Einheit, die in unmittelbarer Nähe zum palästinensisch-israelischen Brandherd ihren Dienst versieht. Für den UNIFIL-Einsatz verließ sie während der "Hanse Sail" im August erst ihren Heimathafen "Hohe Düne" in Warnemünde, um in das östliche Mittelmeer zu verlegen. Damit war eigentlich kein besonderes Herzklopfen verbunden,[ds_preview] weil dieser Einsatz mit dem Auftrag der Überwachung der seewärtigen Zone nordwärts von der israelisch-libanesischen Landesgrenze zwecks Unterbindung des Waffenschmuggels in den Südlibanon bereits seit 2006 als UN-Mission besteht und die Deutsche Marine sich maßgeblich und nahezu durchgehend daran beteiligt hatte. Wie erschreckend schnell aus einer Friedensmission ein durchaus nicht alltäglicher Aufenthalt in der Zone hochbrisanter Ereignisse werden kann, wird uns dieser Tage mit dem Ausbruch der palästinensisch-israelischen Kampfhandlungen nach dem Überfall der Hamas-Horden auf israelisches Gebiet vor Augen geführt. Und welche Entwicklung dieser Krieg noch nehmen wird, ist reichlich ungewiss!

Korvette "Oldenburg" und "U33". Foto: Michael Nitz

Korvette "Oldenburg" und "U33". Foto: Michael Nitz

Das Verteidigungsministerium in Berlin, das Einsatzführungskommando in Potsdam und das Marinekommando in Rostock selbst halten enge Verbindung zum Einsatzstab auf Zypern und zur Korvette. Sicherlich eine Gratwanderung: Gerade jetzt ist die Wahrnehmung ihrer Aufgabe gebotener denn je, allerdings ist sie natürlich aus Kampfhandlungen unbedingt herauszuhalten. Konsequente Lagebild-Erstellung und kontinuierliche Informations-Versorgung sind wichtige Elemente der Führung in See, um trotz aller Wirren an Land sicher im Seegebiet navigieren und unversehrt den Auftrag erfüllen zu können. Wir sind sicher, dass alle Stellen in diesen Tagen ihr bestes geben, um Schiff und Besatzung zu unterstützen. So auch die Redaktion marineforum mit diesem Beitrag zu unserer Korvette im östlichen Mittelmeer.

Hintergrund

Seit 2021 wird der maritime UNIFIL-Verband von einem deutschen Admiral geführt, dessen Arbeitsstab zum großen Teil mit deutschen Einsatzkräften besetzt ist. Deutschland stellt durchschnittlich etwa 150 Soldatinnen und Soldaten. Im Rahmen dieser UN-Mission hat Deutschland zusätzlich zum Schutzauftrag libanesische Soldaten ausgebildet und die libanesische Marine mit Booten und Radarstationen unterstützt. Das Mandat des Deutschen Bundestages für die UNIFIL-Mission war im Sommer 2023 um ein Jahr bis Ende Juni 2024 verlängert worden.

Die Korvette Oldenburg passiert Einheiten der SNMCMG 1, Foto: Foto: Bw/Nico Theska

Die Korvette Oldenburg passiert Einheiten der SNMCMG 1. Foto: Bw/Nico Theska

UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon; deutsch: Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon) wurde 1978 als Beobachtermission ins Leben gerufen und ist eine der ältesten aktiven UN-Missionen überhaupt; das Hauptquartier befindet sich in Naqura an Libanons Küste in unmittelbarer Nähe zur israelischen Grenze.

Nach dem Libanonkrieg 2006 wurde das UNIFIL-Mandat mit der Annahme der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates auch hinsichtlich der Stärke der Truppen erweitert. Die Mission wird deswegen informell auch als UNIFIL II oder UNIFIL Plus bezeichnet. Im Gegensatz zu dem ursprünglichen Auftrag der Beobachtertruppe sind die Soldaten jetzt mit einem „robusten Mandat“ nach Kapitel VII der UN-Charta ausgestattet. Dies gestattet den eingesetzten „Luft-, See- oder Landstreitkräften die zur Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen“. Damit besteht für die UN-Friedenstruppen eine abgesicherte Rechtsposition für den Einsatz von Waffen zur Selbstverteidigung, zur Verteidigung der Mission und von Zivilisten. Ist ein Mandat nicht robust, darf keine Waffengewalt zum Schutz von Zivilisten angewandt werden.

Seit der Gründung der Vereinten Nationen hat sich im Laufe der Jahrzehnte der Charakter von Peacekeeping-Operationen stark verändert. Anfänglich als neutraler Puffer zwischen Konfliktparteien eingesetzt, intervenierten die Friedenstruppen der UN seit Beginn der 1990er Jahre immer häufiger bei innerstaatlichen Konflikten. Dabei steht neben dem Aufbau demokratischer Strukturen der Schutz der Zivilbevölkerung im Vordergrund (siehe auch ISAF-Mission in Afghanistan).

13. Okt. 2023 | 0 Kommentare

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