EX „Sounion Trader“ mit Abgasnachbehandlungssystem. Foto: Lomar Shipping

EX „Sounion Trader“ mit Abgasnachbehandlungssystem. Foto: Lomar Shipping

London: Branntkalk senkt Schifffahrts-Emissionen

Das Containerschiff EX „Sounion Trader“ (3200 TEU, laut Equasis seit Mai 2024 „Source Blessing“) ist dank einer Abgasreinigungsanlage des britischen Start-up Seabound zwei Monate über die Weltmeere gefahren und hat mit der Pilotanlage bis zu 78 Prozent CO2 aus dem Abgas entfernt. Dabei war das über 20 Jahre alte Schiff ursprünglich eines der schmutzigsten der Reederei Lomar Shipping.

Schwefelhaltige Abgase vor der Abgasnachbehandlung. Foto: Green Oak / Shutterstock

Schwefelhaltige Abgase vor der Abgasnachbehandlung. Foto: Green Oak

Dekarbonisierung sofort möglich

Das System ist in mehreren 20-Fuß Schiffcontainern (TEU) untergebracht und wird in den Abgasstrom integriert. Die Rauchgase strömen durch eine Schüttung aus Branntkalk-Kieseln und reagieren mit dem CO2 zu Kalkstein, der an Bord zwischengelagert wird. Im Hafen wird er entladen und in Branntkalk und CO2 zurückverwandelt. Umweltverträglich ist dieser Kreislauf allerdings nur, wenn das CO2, das bei der Aufbereitung des Kalksteins wieder frei wird, auch aufgefangen und endgelagert wird, sodass es der Atmosphäre dauerhaft entzogen bleibt.

Wirkprinzip der Abgasnachbehandlung mit Branntkalk. Grafik: Seabound

Wirkprinzip der Abgasnachbehandlung mit Branntkalk. Grafik: Seabound

Die Kosten für die Abgasreinigung halten sich in Grenzen. Branntkalk kostet in den USA ca. 190 Euro pro Tonne und das bindet fast 800 Kilogramm CO2. Auf dem Testschiff wurde pro Tag etwa eine Tonne Klimagas gebunden.

Testergebnisse

Das Pilotprojekt zeige, dass CO2-Emissionen auf einfache und kostengünstige Weise direkt an Bord von Schiffen erfasst werden können. Dieser Durchbruch beweise, dass die Schifffahrtsindustrie nicht auf neue Kraftstoffe oder andere Lösungen zur Reduzierung ihrer Emissionen warten müsse, denn bereits heute könne mit der CO2-Abscheidung bei der bestehenden Flotte begonnen werden. Das sagt Alisha Fredriksson, CEO und Mitbegründerin von Seabound.

Containerisiertes Abgasnachbehandlungssystem. Foto: Seabound

Containerisiertes Abgasnachbehandlungssystem. Foto: Seabound

Der Schiffsverkehr auf den Weltmeeren ist laut Bundesumweltamt schon heute für circa 2,6 Prozent der klimaschädlichen globalen ⁠CO2⁠-Emissionen verantwortlich. Zukünftig sollen alternative Treibstoffe wie Ammoniak und Methanol die Schiffe umweltverträglicher fahren lassen. Auch Elektroantriebe werden bereits genutzt, allerdings nur auf kurzen Entfernungen. Die benötigten Mengen an alternativen Kraftstoffen werden jedoch kurzfristig nicht zur Verfügung stehen. Insofern könnte die Seabound-Lösung helfen, Schiffsemisionen mit Abgasnachbehandlung schneller wirksam zu verringern. Inwieweit die Anlage noch gewichtstechnische Herausforderungen beinhaltet (Lagerung, Stabilität, weniger Container-Stellplätze), ist allerdings noch zu ermitteln.

kdk, automagazin.at

20. Dez. 2024 | 0 Kommentare

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