Bereits im Juli 2024 ist in der Straße von Singapur der 23 Jahre alte Rohöltanker „Ceres 1“ (300.000 Tonnen) in eine Kollision mit einem Produktentanker verwickelt gewesen, bei dem beide Schiffe in Brand gerieten, die Feuer jedoch gelöscht werden konnten. Es soll nur zwei Verletzte auf der „Ceres I“ gegeben haben. Für eine genaue Unfalluntersuchung wurde beiden havarierten Schiffen ein Liegeplatz durch die malaysischen Behörden zugewiesen.
Zunächst erklärte die malaysische Küstenwache, die "Ceres I" habe ihr Ortungssystem ausgeschaltet und sei vom Ort des Geschehens geflohen, habe sozusagen „Fahrerflucht“ begangen. Nach zwei Tagen hätte die malaysische Küstenwache das Schiff jedoch aufspüren und beschlagnahmen können.
Der Generaldirektor der malaysischen Schifffahrtsbehörde korrigierte jedoch später, die „Ceres I“ sei vom Ort des Zusammenstoßes wegen ihres beschädigten Ankers weggetrieben, bevor sie von der malaysischen Küstenwache geortet und aufgehalten wurde. Die Untersuchungen hätten zudem bestätigt, dass die „Ceres I“ vor der Kollision aufgrund technischer Probleme vor Anker gegangen sei. Die Versuche der „Hafnia Nile“ auszuweichen, seien jedoch gescheitert, was zu der Kollision geführt habe.

Rohöltanker „Ceres I“ vor Anker. Foto: marinetraffic, smp
Die „Ceres I“ wird zur sogenannten Schattenflotte gezählt und steht im Verdacht, Wirtschaftssanktionen zu umgehen und Öl aus Ländern wie dem Iran oder Venezuela zu transportieren. Das Schiff entspricht den weithin akzeptierten Merkmalen eines Tankers der Schattenflotte: Es steht auf einer Liste von Schiffen, die im Verdacht stehen, Sanktionen zu umgehen; es fährt unter einer Billigflagge (hier: São Tomé und Príncipe); und es hat seinen Transponder (AIS) regelmäßig abgeschaltet. Die „Ceres I“ gehört einem chinesisches Firmenkonstrukt.
Kollisionsteilnehmer war die „Hafnia Nile“, ein Tanker für raffinierte Produkte (74.000 Tonnen, Flagge Singapur), der 300.000 Barrel (etwa 47.700 Kubikmeter) Naphtha für Japan geladen hatte. Naphtha ist ein gefährliches Gemisch flüssiger Kohlenwasserstoffe und es ist entzündlich. Bei der Verbrennung entstehen giftige Gase. Diese Ladung war aber nicht von dem bei der Kollision entstandenen Brand betroffen – sie wurde inzwischen auf ein anderes Schiff umgeladen. Trotzdem wurde die "Hafnia Nile" vom Brand stark beschädigt.

Kollisionsteilnehmer Produktentanker „Hafnia Nile“. Foto: Malaysian Maritime Enforcement Agency (MMEA)
Diese Kollision verdeutlicht einmal mehr das erhebliche Schadenrisiko, das die gesamte Schattenflotte nicht nur für den allgemeinen Seeverkehr darstellt. So stellen Alter (mangelnder Wartungszustand), fehlende Versicherung und insbesondere die Kapazitäten dieser „Geisterschiffe“ mit bis zu 2 Millionen Barrel Rohöl an Bord (etwa 318.000 Kubikmeter) ein erhebliches Umweltrisiko dar. Laut der malaysischen Schifffahrtsbehörde entstand ein 17 Quadratkilometer großer Ölteppich in der Nähe der singapurischen Insel Pedra Branca, etwa 55 km südöstlich der malaysischen Küste.

Straße von Singapur und die Inselgruppe Pedra Branca. Grafik: Wikimedia, Jappalang, Gemeinfrei
Aus der Schiffsdatenbank Equasis geht hervor, dass die „Ceres I“ der in Hongkong ansässigen Ceres Shipping Ltd. gehört und von ihr verwaltet wird. Aus den Schiffsverfolgungsdaten gehe zudem hervor, dass die „Ceres I“ regelmäßig zwischen China und den Gewässern vor Malaysia pendelt, wo die Tanker der Schattenflotte bekanntermaßen von Schiff zu Schiff ihre Ladungen umpumpen. Im März machte sie einen Zwischenstopp an einem großen Exportterminal auf der iranischen Insel Kharg im Persischen Golf. Nach Auswertung der Plattform Marinetraffic befindet sich der Rohöltanker wieder in chinesischen Gewässern.
Quelle: kdk, gCaptain










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