Die Marine Singapurs ist ein wichtiger Garant für freie Seeverbindungen in der Straße von Malakka und darüber hinaus. Am Rand der Maritime Convention beantwortete ihr Befehlshaber, Rear Admiral Sean Wat, dem marineforum Fragen zu Spannungen in der Region und zum Engagement der Deutschen Marine.
Singapur hat eine wichtige Rolle bei der maritimen Sicherheit übernommen. Können Sie etwas über die Südostasiatische Kooperation und Ausbildung (Seacat) und ihr maritimes Zentrum aus Ihrer Sicht sagen?
Seacat ist ein Beispiel dafür, wie sich Länder zusammengeschlossen haben, um den Informationsaustausch zu verbessern, um regional auf Bedrohungen der maritimen Sicherheit zu reagieren. Die von der United States Navy organisierte diesjährige Ausgabe fand in Singapur statt und war mit Teilnehmern aus 20 Ländern die bisher größte. Das Information Fusion Centre (IFC) der Marine Singapurs (Republic of Singapore Navy, RSN) spielt dabei eine wichtige Rolle, um[ds_preview] gemeinsam mit allen Teilnehmern Echtzeit-Updates zum regionalen maritimen Lagebild zu erstellen und so interessante Schiffe zu identifizieren.
Neben Seacat gibt es weitere Übungen wie die von der RSN organisierte Maritime Information Sharing Exercise (Marisx) und die Maritime Security Field Training Exercise (MS FTX) der Plattform Asean Defence Ministers‘ Meeting Plus (ADMM-Plus).
Der Informationsaustausch ist von entscheidender Bedeutung, da kein Land für sich in Anspruch nehmen kann, über alle erforderlichen Informationen zu verfügen. Daher wurde das Information Fusion Centre 2009 als regionale Drehscheibe eingerichtet, um den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen unseren Partnern zu erleichtern und so die maritime Sicherheit zu verbessern und maritime Bedrohungen wie Seeräuberei, maritimer Terrorismus und illegale Fischerei zu bekämpfen.
Die treibende Kraft hinter dem IFC sind unsere internationalen Verbindungsbeamten, die für die Bereitstellung von Fachwissen und Kenntnissen über die jeweiligen lokalen Gewässer sowie für die Veranlassung operativer Maßnahmen von entscheidender Bedeutung sind. Wir sind dankbar, einen solchen Beamten aus Deutschland im IFC zu haben, was ein Beweis für den Beitrag der Deutschen Marine zur Verbesserung der maritimen Sicherheit in unserer Region ist.
Wir beobachten die Zusammenarbeit der amerikanischen Marine mit Japan, den Philippinen und Südkorea. Welche Rolle spielt dabei die Marine Singapurs?
Diese Partnerschaften zeigen, dass der asiatisch-pazifische Raum eine Region von wachsender Bedeutung ist, ja eigentlich schon immer ein erhebliches geografisches Gewicht hatte. Es ist von Bedeutung, den sicherheitspolitischen Kontext und die Entwicklungen in der Region zu verstehen, um Partnerschaften aufzubauen und den freien Fluss des Handels zu gewährleisten.
Singapur liegt an der Schnittstelle zweier wichtiger Seewege – der Straße von Malakka und dem Südchinesischen Meer –, über die ein Viertel des Welthandels fließt. Wir setzen uns nachdrücklich für die Einhaltung des Völkerrechts und die Aufrechterhaltung einer offenen und integrativen regionalen Sicherheitsarchitektur ein. Wir sind entschlossen, die Präsenz unserer Partner und gleichgesinnter Nationen in der Region zu unterstützen. Die Marie Singapurs hat auch eine aktive Rolle bei der Förderung des Dialogs zwischen Marinen und Küstenwachen in der Region gespielt. Im Mai dieses Jahres waren wir erfolgreich Gastgeber der 8. Internationalen Maritimen Sicherheitskonferenz (IMSC), auf der maritime Praktiker, Wissenschaftler, politische Entscheidungsträger und Interessenvertreter eingeladen waren, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit einer maritime Gemeinschaft zur Förderung sicherer Meere für alle zu erörtern. Wir haben uns gefreut, dass Vizeadmiral Jan C. Kaack, der Inspekteur der Deutschen Marine, einer unserer Diskussionsteilnehmer war. Und wir freuen uns auf die Teilnahme Deutschlands an der 9. Ausgabe der IMSC im Jahr 2025.

Basierend auf dem Lürssen-Entwurf MGB 62 entstand die Vict ory-Klasse, Foto: US Navy/Michael Colemanberry
Wie beurteilen Sie die Spannungen im Südchinesischen Meer und wie sehen Sie die chinesische Marine?
Aufgrund der zunehmenden strategischen Bedeutung des asiatisch-pazifischen Raums nimmt der geopolitische Wettbewerb um Einfluss rasch zu, was zu wachsenden Spannungen und Instabilität führt, die Anlass zur Sorge geben. Einer der Krisenherde, der in den letzten Jahren genau unter die Lupe genommen wurde, ist das Südchinesische Meer, wo der Streit um die Sicherung der maritimen Ansprüche zunehmend physischer Natur ist, mit häufigen Aktionen unterhalb der Schwelle zum Krieg, die manchmal von nicht militärischen Schiffen ausgetragen werden.
Als ein Staat, der keine Ansprüche erhebt, ergreift Singapur keine Partei bei den konkurrierenden Gebietsansprüchen. Wie andere Staaten in der Region hat Singapur ein Interesse daran, dass die internationale, auf Regeln basierende Ordnung und die Bewegung des freien Handels, auf die Singapur für sein Überleben angewiesen ist, aufrechterhalten und bewahrt werden. Es ist zwingend erforderlich, dass solche Streitigkeiten friedlich im Einklang mit dem Völkerrecht, zu dem auch das Seerechtsübereinkommen gehört, beigelegt werden.
Obwohl Singapur kein Klägerstaat ist, sind wir der Meinung, dass mehr Anstrengungen unternommen werden sollten, um den Dialog und die offene Kommunikation sowohl auf höherer Ebene als auch vor Ort zu fördern, um das Risiko von Fehleinschätzungen und Pannen zu verringern.
Singapur bemüht sich, Plattformen wie den Shangri-La-Dialog und das International Maritime Security Construct für eine regelmäßige Kommunikation zu schaffen. Von zentraler Bedeutung ist auch die regelmäßige Anwendung vertrauensbildender Maßnahmen, wie etwa die Regeln für ungeplante Begegnungen auf See (Code for Unplanned Encouters at Sea, Cues), den die ADMM-Plus-Marinen angenommen haben. Der Cues wurde während eines Manövers der Asean-Staaten mit China im Jahr 2018 praktiziert, das von Singapur mitorganisiert wurde.
Zwischen den Asean-Mitgliedstaaten und China sollten wir außerdem unsere Anstrengungen verdoppeln, um einen substanziellen Verhaltenskodex für das Südchinesische Meer zu vereinbaren. Davon können alle Seestreitkräfte profitieren, unabhängig davon, ob es sich um Kläger- oder Nichtklägerstaaten handelt. Mit der chinesischen Marine unterhält die Marine Singapurs freundschaftliche Beziehungen. Wir führen bilaterale Übungen und gegenseitige Hafenaufenthalte durch. Diese sind Teil unserer ständigen Bemühungen, das gegenseitige Vertrauen, das Verständnis und die zwischenmenschlichen Beziehungen zu allen Ländern zu stärken.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit den in Kiel gebauten U-Booten? Ist die Impeccable mittlerweise in Dienst gestellt?
In diesem Jahr haben wir unser erstes U-Boot der Invincible-Klasse aus Deutschland erhalten, das für die flachen und belebten Gewässer unserer Region maßgeschneidert ist. Im vergangenen Jahr haben wir das zweite und dritte Boot zu Wasser gelassen, und wir arbeiten auf den Stapellauf des letzten Bootes hin. Während dieses Prozesses waren unsere U-Boot-Fahrer, Ingenieure und die lokale Verteidigungsindustrie in Deutschland aktiv beteiligt. Es war eine fruchtbare Partnerschaft, bei der beide Seiten viel gelernt haben. Deutschland wird seinem Ruf als zuverlässiger und effizienter Konstrukteur weiterhin gerecht.
Ihre Marine arbeitet mit der Naval Group zusammen. Die Deutsche Marine denkt auch über unbemannte Über- und Unterwasserfahrzeuge nach. Wäre auch eine Zusammenarbeit mit einem deutschen Hersteller denkbar?
Singapur hat, wie Deutschland und viele andere Länder auch, den Einsatz unbemannter Systeme erforscht, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Unbemannte Systeme bieten verschiedene Vorteile: Sie sind oft kostengünstiger als der Einsatz von bemannten Schiffen, sie verringern das Betriebsrisiko für das Personal und können dazu beitragen, den Personalbedarf zu senken.
Die Marine Singapurs hat bereits damit begonnen, unbemannte Überwasserfahrzeuge (USVs) und unbemannte Unterwasserfahrzeuge (UUVs) in ihre Fähigkeiten zu integrieren. Für die innere Sicherheit wollen wir eine Flotte unbemannter Systeme einsetzen, um die maritime Sicherheit in Singapurs Gewässern zu erhöhen. Dazu gehört das Maritime Security USV, das in enger Zusammenarbeit mit unserer lokalen Verteidigungsindustrie entwickelt wurde.
Diese USVs sind mit autonomen Navigationssystemen und einem selbst entwickelten System zur Kollisionserkennung und -vermeidung ausgestattet, das es den Schiffen ermöglicht, durch den regen Verkehr in der Straße von Singapur zu navigieren. Darüber hinaus entwickeln wir USVs für die Minenabwehr, um die Seewege von Unterwasserbedrohungen freizuhalten. Unsere unbemannten Systeme werden an Bord des neuen Multi-Role Combat Vessel (MRCV) integriert, das als Mutterschiff für unbemannte Systeme fungieren und der Marine Singapurs als Multiplikator für die Sicherung unserer lebenswichtigen Seekommunikationslinien dienen wird. Wir sind ständig auf der Suche nach guten kommerziellen Partnern. Wie bei allen Projekten werden wir jeden Vorschlag gründlich daraufhin prüfen, ob er unseren operativen Anforderungen entspricht.
Im Jahr 2022 war die deutsche Fregatte Bayern im indopazifischen Raum unterwegs. Im Jahr 2024 wird die Deutsche Marine wieder mit zwei Schiffen präsent sein. Welche Bedeutung hat das für Sie und die deutsch-singapurischen Beziehungen?
Wir haben uns sehr gefreut, die Fregatte Bayern der Deutschen Marine während ihres sechsmonatigen Einsatzes im asiatisch-pazifischen Raum im Marinestützpunkt Changi in Singapur zu empfangen. Dies war ein wichtiger Meilenstein in den starken und substanziellen Verteidigungsbeziehungen zwischen Singapur und Deutschland. Der Einsatz der Bayern in der Region signalisiert auch ein verstärktes deutsches Engagement dort und stärkt die Unantastbarkeit der regelbasierten Ordnung. Um die Region vollständig zu verstehen, muss man sich vor Ort engagieren. Daher freuen wir uns, dass Deutschland erneut zwei Kriegsschiffe in den asiatisch-pazifischen Raum entsenden wird. Singapur heißt alle gleichgesinnten Partnernationen willkommen, sich in der Region zu engagieren.
Das Interview wurde vor der Maritime Convention vereinbart und die Fragen schriftlich vorbereitet. Daher war der während der Veranstaltung bekannt gewordene Vertrag zum Bau von OPVs für die Marine Singapurs durch die Fassmer Werft Berne nicht Gegenstand des Interviews.
Holger Schlüter










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