Da ihre Minenabwehrboote im Durchschnitt etwa 30 Jahre alt sind, ersetzen die meisten europäischen Marinen die vorhandenen Waffensysteme mit einer Mischung aus Mutterschiffen und unbemannten Plug-and-play-Systemen, um einen vollständigen Detect-to-engage-Zyklus zu beherrschen.
Die Marinen Nord-, West- und Südeuropas erhalten weiterhin den Großteil der Mittel für Neubauprogramme, während die osteuropäischen Marinen, beispielsweise aus Bulgarien, Rumänien und der Ukraine versuchen, ihre vorhandenen Schiffe zu modernisieren. Mit Stand September 2022 befinden sich vierzehn Projekte aus dem Bereich Mine Countermeasures (MCM) für europäische Marinen mit insgesamt 82 Plattformen in der Pipeline. Fünf dieser Projekte laufen bereits, neun sind geplant. Der nachfolgende Überblick beginnt mit den Marinen Westeuropas.
Das binationale Ersatzprogramm rMCM der belgischen Marine und der Königlichen Niederländischen Marine für Minenabwehrsysteme ist in vollem Gange. Kiellegung des ersten Schiffs für die belgische Marine, die OOSTENDE, war am 30. November 2021 auf der Kership-Werft in Concarneau, Kiellegung des ersten Schiffs für die niederländische Marine, die VLISSINGEN, am 14. Juni 2022 auf der Werft der Gruppe in Lanester. Die Einheiten werden 2024 und 2025 abgeliefert. [ds_preview]Die zehn weiteren Schiffe werden in sechsmonatigen Abständen abwechselnd an die belgische und die niederländische Marine ausgeliefert, wobei alle Plattformen bis 2030 in Dienst gestellt sein sollen. Die dreiteiligen Minenjäger beider Marinen werden im Gegenzug bis 2028 außer Dienst gestellt.

Der Kiel für die neue HNLMS Vlissingen wurde am 14. Juni 2022 in Lanester gelegt, Foto: Belgische Marine
Die nächste Generation von Minenjägern der französischen Marine, das Programm Système de Lutte Anti-Mines Marines Future (SLAMF), macht ebenfalls Fortschritte. SLAMF besteht aus sechs Mutterschiffen (Bâtiments de Guerre Des Mines, BGDM), acht maritimen Minenabwehrsystemen (Maritime Mine Counter Measures, MMCM), fünf Tauchunterstützungsschiffen (Bâtiments Base Plongeurs Démineurs, BBPD) und einem Minenkampfdaten-Betriebssystem (Système d'Exploitation de la Guerre Des Mines, SEGDM). Das erste MMCM-System wurde im November 2021 ausgeliefert, drei weitere sollen bis Ende 2024 und die restlichen vier bis 2024 folgen; alle fünf BBPD-Einheiten sollen bis 2025 in Dienst gestellt werden. Das BDGM-Programm ist noch nicht angelaufen, aber die Anforderungen der Marine verlangen nach einer Plattform, die nicht nur die MMCM-Drohnen tragen kann, sondern auch in der Lage ist, die künftigen größeren AUVs und ROVs zu betreiben, die für die neue Strategie der französischen Marine zur Kontrolle des Meeresbodens benötigt werden, mit der die Interessen des Landes bis zu einer Tiefe von 6000 Metern geschützt werden sollen. Eine besondere Voraussetzung ist, dass die BGDMs in der Lage sein müssen, die Drohnen mindestens noch bei Seegang 5 einzusetzen, um die Zufahrtskanäle zur Île Longue zu kontrollieren, wenn die U-Boote mit ballistischen Atomraketen auslaufen. Da die BGDMs ein viel größeres geografisches Einsatzgebiet haben werden (bis zum Indischen Ozean und sogar darüber hinaus), müssen sie in der Lage sein, Nachschub, technische Unterstützung und Kommandoeinrichtungen bereitzustellen, um eine expeditionsfähige Minenkampftruppe weit entfernt von ihrem Heimathafen einzusetzen. Die ersten beiden BDGMs werden voraussichtlich 2026 zur Flotte stoßen und alle sechs Schiffe sollen bis 2030 ausgeliefert werden. Die Werft Chantiers de l'Atlantique im französischen Saint-Nazaire entwickelt ein 90 Meter langes Mutterschiff, das mit einer schwimmenden LARS-Wiege, die USVs und AUVs bis zu 20 Tonnen aufnehmen kann, und einem Portalsystem am Heck ausgestattet ist. Das gesamte SLAMF-Projekt soll bis 2030 einsatzbereit sein. Bis dahin wird die französische Marine ihre Minenjäger der ERIDAN-Klasse (TRIPARTITE) im Dienst behalten, um Kapazitätsengpässe zu vermeiden.
Auch das Mine-Hunting-Capability-Programm (MHC) der Royal Navy macht Fortschritte. Im Gegensatz zu ihren europäischen Partnern hat die Royal Navy keine Pläne für den Erwerb von Mutterschiffen. Das MHC-Programm basiert auf dem Mehrzweck-USV Atlas Remote Combined Influence Minesweeping System (ARCIMS). Das erste von drei einsatzbereiten MHC-Block-1-Systemen soll Anfang 2023 ausgeliefert werden, die beiden anderen bis Ende 2023. Diese autonomen Systeme sind so klein, dass sie problemlos auf dem Land-, Luft- und Seeweg transportiert werden können oder in die Missionsbucht der künftigen Fregatten der Typen 26 und 32 der Royal Navy passen und von Stützpunkten an Land oder auf „Gelegenheitsschiffen“ eingesetzt werden können. Im Februar 2022 wurde Atlas Elektronik UK mit der Lieferung eines vierten ARCIMS-USVs mit der Bezeichnung RNMB HYDRA beauftragt. Die Plattform wird Ende 2022 ausgeliefert und Anfang 2023 im Golf zur Unterstützung der Operation Kipion einer Einsatzbewertung unterzogen. Das System wird an Bord der vorgelagerten Docklandungsschiffe der BAY-Klasse verlegt, die als Mutterschiff fungieren werden. Atlas Elektronik UK wird auch drei neue Seacat Medium Autonomous Underwater Vessels (MAUVs) liefern, die vom ARCIMS aus eingesetzt werden können. Die MAUVs werden voraussichtlich im Frühjahr 2023 ausgeliefert. Die neuen Aufklärungsboote werden mit den drei bestehenden ARCIMS-USVs der Royal Navy eingesetzt, die die Namen HUSSAR, HARRIER und HALCYON tragen. Die Indienststellung der MHC-USVs ist auf die Ausmusterung der Minenjäger der SANDOWN-Klasse 2023 und 2025 sowie die bis 2031 vorgesehene Außerdienststellung der HUNT-Klasse abgestimmt.

Die Kormoran ist das Typschiff der neuen polnischen Kormoran-II-Klasse, Foto: Guy Toremans
Der Bedarf der Deutschen Marine an der Aufrechterhaltung von Minenabwehr- und Minenlegefähigkeiten wurde in dem Konzept Capability Gap and Functional Requirement for a Combined MCM Capability Platform dokumentiert. Das neue Konzept für bis zu zehn Plattformen könnte bereits 2023 in Angriff genommen werden, damit der Bauauftrag bis 2027 erteilt und die Schiffe zwischen 2030 und 2034 ausgeliefert werden. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, werden fünf der verbleibenden acht Minenjäger der FRANKENTHAL-Klasse (DILLINGEN, HOMBURG, SULZACH-ROSENBERG, FULDA und WEILHEIM) mit der neuesten Version des Integrierten Minenabwehrsystems (IMCMS) von Atlas Elektronik aufgerüstet.
Nordeuropäische Marinen
Die dänische Marine rüstet ihren MCM-„Werkzeugkasten“ auf. Die beiden MSD der HOLM-Klasse werden mit leichten autonomen Unterwasserfahrzeugen (LAUVs) der portugiesischen Firma OceanScan Marine Systems and Technology ausgerüstet. Das erste von sechs LAUVs wurde im Mai 2022 an die Marine ausgeliefert, die fünf anderen Systeme folgen bis Ende 2023. Die Minor Standard Vessels (MSF) werden mit dem SeaScout-System von Kraken Robotics ausgestattet, das aus einem gezogenen Katfish 180 Synthetic-Aperture-Sonar-Fahrzeug und einem Autonomous Launch and Recovery System (ALARS) besteht.
Die Königlich Norwegische Marine wird ihre MCM-Kräfte im Rahmen des Future Norwegian Maritime Mine Countermeasure Capability Project 6359 erneuern. Dieses Projekt sieht die Beschaffung von zwei Mutterschiffen und drei modularen, transportablen MCM-Werkzeugkästen vor, die auch von nicht spezialisierten Schiffen, Offshore- und Landanlagen aus eingesetzt werden können und auf dem Land- und Luftweg transportierbar sind. Obwohl zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts noch keine Werft ausgewählt worden war, könnten Umoe Mandal und Vard in Frage kommen. Die norwegische Marine plant, das Projekt im Jahr 2028 voll einsatzfähig zu machen. Bis dahin sollen die beiden verbleibenden Minenjäger MÅLØY und HINNØY und die zwei Minenräumboote OTRA und RAUMLA im Dienst bleiben und geringfügig modernisiert werden.

Zweites Schiff des ersten Loses der polnischen Kormoran-II-Klasse ist die Albatros, Foto: Polnische Marine
Im Februar 2022 hat die finnische Marine eine Ausschreibung zum Ersatz der Küstenminenräumboote der KIISKI- und KUHA-Klasse unter der Bezeichnung Minesweeping Capability 2030 (Raivaamiskyky 2030 / RAKY 2030) veröffentlicht. Es werden bis zu sieben neue Plattformen benötigt. Diese Boote mit einer Länge von etwa 24 Metern sollten autonome und ferngesteuerte Systeme an Bord haben, die in der Lage sind, akustische, magnetische und beeinflussbare Minen zu räumen und über genügend Deckfläche verfügen, um ferngesteuerte Minenräumgeräte einzusetzen. Mögliche Kandidaten für den Bau dieser neuen Schiffe könnten die finnische Uudenkaupungin Työvene Shipyard, die schwedische Swede Ship Marine und die italienische Intermarine sein. Die Königlich Schwedische Marine wird ihre fünf MCMVs der KOSTER-Klasse durch neue Plattformen ersetzen, die wahrscheinlich auf dem MCMV-80-Design von Saab Kockums basieren. Diese 80 Meter langen Plattformen mit einer Verdrängung von 1250 Tonnen können sowohl im Minenfeld als reine MCM-Plattform als auch außerhalb des Minenfelds als Mutterschiff für Drohnen eingesetzt werden. Ein Bauvertrag könnte bereits 2023 abgeschlossen werden, die erste Einheit soll bis 2025 zur Flotte stoßen.
Baltische Marinen
Im Juni 2022 bestellte die polnische Marine ein zweites Los von drei KORMORAN-II-Minenjägern, um das erste, drei Einheiten umfassende Los zu ergänzen. Dies sind die KORMORAN, im November 2021 in Dienst gestellt, die ALBATROS, ausgeliefert am 12. August 2022, und die MEWA, die voraussichtlich im November 2022 übergeben wird. Die drei zusätzlichen Minenjäger werden voraussichtlich im Zeitraum 2026 bis 2027 in Dienst gestellt.
Obwohl die estnische, die lettische und die litauische Marine in den letzten zehn Jahren aufgerüstete Minenjäger aus zweiter Hand von der niederländischen und der britischen Marine erworben haben, wollen sie ihre MCM-Fähigkeiten weiter ausbauen. Die estnische Marine wird ihre drei ehemaligen britischen Minenjäger der SANDOWN-Klasse, die zwischen 2006 und 2009 übergeben wurden, im Rahmen des Programms Maritime Minenabwehr – Neue Generation (MMCM-NG) ersetzen. Eine Ausschreibung könnte bereits 2024 erfolgen, damit bis 2025 ein Bauvertrag abgeschlossen werden kann und die drei neuen Einheiten im Jahr 2030 einsatzbereit sind. Die lettische Marine rüstet drei ihrer fünf Minenjäger der IMANTA-Klasse (ehemalige niederländische ALKMAAR-Klasse) mit einem unbemannten MCM-System der ECA-Gruppe (UMIS) aus, beispielsweise einem C² und einem Minenerkennungs- und -beseitigungssystem (MIDS). Die alten MCM-Systeme der Minenjäger werden jeweils durch ein A-18M AUV mit UMISAS-Synthetiksonar, zwei SeaScan und zehn K-Ster ROVs ersetzt. ECA rüstet auch die Navigationssysteme der Schiffe mit einem W-ECDIS, einem Trägheitsnavigationssystem Phins C7 von iXblue und einem Sirehna-Autopiloten auf. Die Werksabnahmeprüfungen der C² und MIDS laufen bereits seit August 2022. Im April 2020 unterzeichnete die litauische Marine eine Vereinbarung über die Überführung des ausgemusterten Minenjägers HMS QUORN der Royal Navy und die anschließende Aufrüstung, um den Minenjäger in einen ähnlichen Betriebszustand zu versetzen wie die 2011 überführten LNS SKALVIS (Ex-HMS COTTESMORE) und LNS KURŠIS (Ex-HMS DULVERTON). Bis heute gibt es jedoch keine Informationen zum tatsächlichen Übergabetermin.
Südeuropäische Marinen
Die spanische Marine wird ihre sechs Minenjäger der SEGURA-Klasse mindestens bis 2030 einsatzbereit halten. Der Seedienst plant, die Mehrzweck-Offshore-Patrouillenboote der METEORO-Klasse mit dem Minas Tracking System Influence for Remote Control Siramicor von Navantia auszustatten. Anhaltende Kürzungen im Verteidigungsbereich verzögern jedoch die Fertigstellung des Projekts.
Die italienische Marine hat Intermarine mit der Entwicklung der nächsten Generation von MCM-Plattformen (Caccamine di Nuova Generazione) beauftragt. Das Programm sieht zwölf Mutterschiffe in zwei Versionen vor: acht 60 Meter lange Küsten-MCMVs der neuen Generation (Cacciamine di Nuova Generazione Costiero, CNG-C) und vier 80 Meter lange Offshore-MCMVs der neuen Generation (Caccamine di Nuova Generazione d'Altura, CNG-A). Die CNG-C wird über einen MCM-Werkzeugkasten verfügen, der dem des rMCM für die belgische und niederländische Marine sehr ähnlich ist, während die 80 Meter langen CNG-A-Schiffe über ein kleines Flugdeck für den Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge (UAVs) verfügen und mit einem umfassenderen MCM-Werkzeugkasten ausgestattet sind. Mit dem Bau des ersten Schiffs kann voraussichtlich im Jahr 2028 begonnen werden.

ORP Mewa aus der ersten Serie von drei Minenjägern der Kormoran-II-Klasse, Foto: Polnische Marine
Die griechische Marine wird ihre MCM-Fähigkeiten voraussichtlich mit bis zu sechs Minenjägern der niederländischen ALKMAAR-Klasse ausbauen. Die griechische Beschaffungsbehörde für Verteidigungsgüter unterzeichnete im November 2021 eine Absichtserklärung mit der niederländischen Defence Materiel Organisation (DMO) für die Übergabe dieser Minenjäger. Der Zeitplan für die Lieferung steht im Zusammenhang mit der Indienststellung der neuen rMCM-Plattformen der Königlich Niederländischen Marine (VLISSINGEN-Klasse) und der anschließenden Außerdienststellung der Minenjäger der ALKMAAR-Klasse.
Die Pläne der türkischen Marine, ihre fünf Minenjäger der ENGIN-Klasse (ehemalige französische CIRCÉ-Klasse) durch eine Nachfolgeklasse der sechs Minenjäger der AYDIN-Klasse zu ersetzen, werden weiterhin aufgeschoben, da der Marinestab der Beschaffung größerer Plattformen und U-Boote Vorrang einräumt. Der Start des neuen MCMV-Projekts wird nun für 2025 erwartet. Die Istanbuler Marinewerft kann als führender Kandidat für das Programm angesehen werden, da diese Werft über Erfahrungen mit dem Bau von fünf MCMVs der AYDIN-Klasse in Zusammenarbeit mit der deutschen Werft Abeking & Rasmussen verfügt.
Die kroatische Marine hat im Rahmen des langfristigen Entwicklungsplans (LTDP) 2015–2024 ihren Bedarf an vier neuen MCMVs angemeldet. Aufgrund fehlender Finanzmittel wurde das Projekt jedoch auf frühestens 2028 verschoben. Sollte die Finanzierung nicht zustande kommen, könnte sich die Marine auf dem Gebrauchtmarkt umsehen, um MCMVs zu beschaffen. Einer Quelle der Marine zufolge laufen derzeit Verhandlungen mit der Deutschen Marine über die Überführung von zwei Einheiten der KULMBACH-Klasse.
Osteuropäische Marinen
Aufgrund des Einsatzes von Seeminen im aktuellen Krieg in der Ukraine wird die Minenräumung für die Schwarzmeerländer in der Nähe der Konfliktregion zu einer Priorität. In den Küstengewässern Bulgariens, Rumäniens und der Türkei sind Minen an Land getrieben worden, was die Sicherheit der Handelsschifffahrt gefährdet. Es ist davon auszugehen, dass in der Region vermehrt Minenräumaktionen durchgeführt werden. An jeder Minenräumaktion im Schwarzen Meer werden wahrscheinlich die MCM-Flotten der folgenden Länder beteiligt sein.
Die bulgarische Marine hat zwei ehemalige niederländische Minenjäger der ALKMAAR-Klasse, die MESTA (Ex-MASSLUIS) und die STRUMA (Ex-HELLEVOETSLUIS), erworben. Diese Einheiten ergänzen die ehemals belgischen Einheiten der TRIPARTITE-Klasse BRIZ und TSIBAR sowie sechs Küstenminenjäger der OLYA-Klasse. Da die Marine plant, ihre drei dreiteiligen Minenjäger mit einer Drohnenfunktion auszustatten, wird sich die Beschaffung neuer Plattformen wahrscheinlich bis 2030 verzögern.
Die rumänische Marine benötigt außerdem MCMVs, um ihre vier Minenjäger der MUSCA-Klasse zu ersetzen. Aufgrund des begrenzten Budgets könnten gebrauchte Schiffe, die mit modernen Minenjagdsystemen aufgerüstet werden, eine Zwischenlösung darstellen, bis das erforderliche Budget zur Verfügung steht. Infrage kommen hierfür MCMVs, die von der belgischen und der niederländischen Marine oder der Royal Navy ausgemustert werden sollen.
Die ukrainische Marine hat nur einen Minenjäger der YEVGENYA-Klasse in ihrem Bestand, dessen Einsatzstatus jedoch ungewiss ist. Die Flotte soll die zwei ehemaligen Minenjäger der SANDOWN-Klasse der Royal Navy RAMSEY und Blyth erhalten. Beide Minenjäger werden in der Babcock-Werft in Rosyth einer umfassenden Überholung unterzogen, während die künftige ukrainische Besatzung ausgebildet wird. Ursprünglich sollte das Schiff Ende 2022 in der Ukraine eintreffen, doch der genaue Zeitpunkt ist noch ungewiss. Als Zwischenlösung erwägt der Marinestab, die von den USA erhaltenen Mark-VI-Patrouillenboote mit aufsteckbaren Minenabwehrsystemen auszustatten, um MCM-Aufgaben zu übernehmen. Das Vereinigte Königreich stellt außerdem sechs ROVs des Typs Remus zur Verfügung und bietet dem ukrainischen Personal eine entsprechende Ausbildung durch die Diving & Threat Exploitation Group der Royal Navy an.
Technologische Fortschritte
Da Seeminen immer intelligenter werden – sie sind in der Lage, zwischen Zielen zu unterscheiden, Gegenmaßnahmen zu widerstehen und sich sogar selbst zu verlagern – ist es unerlässlich, dass die europäischen Marinen ihre MCM-Fähigkeiten stärken, um den immer komplexeren und sich ständig verändernden Bedrohungen zu begegnen. Es liegt auf der Hand, dass der Markt für modulare, unbemannte autonome Systeme in den kommenden Jahren erheblich größer wird. Im Rahmen des Pesco-Projekts Maritime semi-autonome Minenbekämpfungsmaßnahmen (MAS MCM) der Europäischen Union, das durch das Europäische Programm für industrielle Entwicklung im Verteidigungsbereich (EDIDP) finanziert wird, leitet die Naval Group Belgium das Projekt Mine Risk Clearance for Europe (Miricle). Ein Konsortium, bestehend aus 19 Partnern aus zehn Ländern, arbeitet an einem Fahrplan für die nächste Generation von Gegenmaßnahmen made in Europe. Während sich die Seestreitkräfte bisher eher auf die Minenjagd konzentrierten, sind sie sich nun bewusst, dass Minenräumkapazitäten in den MCM-Werkzeugkästen verfügbar bleiben müssen. Eine große Herausforderung ist die Entwicklung kompakterer und leichterer Minenräumgeräte, weshalb das Projekt Modular Lightweight Minesweeping (MLM) der Europäischen Verteidigungsagentur darauf abzielt, modulare, leichte Minenräumtechnologien zu entwickeln. Zu den Lösungen gehören das akustische Suchmodul Sonac ACS der finnischen Patria und das magnetische Suchsystem MLM-3100 der polnischen CTM sowie das Suchsystem Elementary Electromagnetic Generators Surface Module (EEG/S). Auch die Technologien und Techniken für die Beseitigung von Kampfmitteln unter Wasser erleben einen Aufschwung. Zu den Entwicklungen gehören die AUVs A-9M und A-9E von ECA, das HUNTERWATER von L3Harris Calzoni, das Cobra MDS von Atlas Elektronik und das kompakte, minenvernichtende ROV SEA WASP von Saab, das die herausragende Fähigkeit besitzt, drei Minen in einem einzigen Einsatz zu neutralisieren.

Die dänischen Minenjäger der Holm-Klasse werden mit den 2,3 m langen LAUVs ausgerüstet, Foto: Dänische Marine
Weitere Bereiche, die zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind intelligente Softwarepakete für die Planung von MCM-Missionen, das Management mehrerer unbemannter Fahrzeuge und künstliche Intelligenz (KI). Der Softwareanbieter Seebyte hat das Multi-Domain-Kontrollsystem SeeTrack V4 entwickelt, um mehrere Plattformen und Sensoren gleichzeitig zu verwalten. Darüber hinaus hat Thales ein Mine Intelligence Mapping System (Mi-Map) und eine KI-gestützte Lösung für die Analyse der Minenkriegführung entwickelt. Für Marinen, die ihre vorhandenen MCMVs warten und optimieren oder den Erwerb gebrauchter Schiffe in Erwägung ziehen, bietet die ECA Group eine umfassende Drohnenlösung an, die speziell für Modernisierungsprogramme wie die bereits erwähnte Aufrüstung der Minenjäger der IMANTA-Klasse der lettischen Marine entwickelt wurde.
Obwohl bereits große Fortschritte bei der Verbesserung der Autonomie der USVs erzielt wurden, gibt es noch einige Aspekte, die geprüft werden müssen. Dazu gehören die Robustheit der Kommunikation, die Verfügbarkeit der Bandbreite, ausreichende Energie für den Antrieb und den dauerhaften Einsatz der organischen Sensoren, der Betrieb bei schlechtem Wetter, die Netzwerkkapazität, ausreichende autonome Entscheidungsmöglichkeiten für die Rückkehr zum Stützpunkt, falls der Kontakt abbricht, und – besonders wichtig – Cyberschwachstellen.
Guy Toremans ist regelmäßiger Mitarbeiter unserer Schwesterzeitschrift „European Security & Defence“.
Guy Toremans










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