Der rund 80 Kilometer lange Panamakanal bleibt absehbar ein Nadelöhr
Die wichtige Handelsstraße für den Warentransport von Asien an die Ostküste der USA passieren in normalen Zeiten etwa 14.000 Schiffe pro Jahr; über fünf Prozent des Welthandels, jährlich über eine halbe Milliarde Tonnen Fracht. Doch weil es so wenig regnet, sinkt der Wasserstand. Die aufgezeichneten Niederschläge für Oktober sind mit minus 41% die niedrigsten seit 1950. 2023 ist damit auch das zweittrockenste Jahr im gleichen Zeitraum.[ds_preview]
Wartezeiten im Panamakanal sprunghaft angestiegen

Wenig Schiffsverkehr im und Stau vor dem Panamakanal im November. Grafik: MarineTraffic
Die Panamakanal-Behörde hatte Anfang 2023 damit begonnen, Schifffahrtsbeschränkungen zu erlassen, um aufgrund einer erneut absehbaren Dürre Wasser zu sparen. Die Beschränkungen führten zu Engpässen und langen Wartezeiten auf beiden Seiten des Kanals; die Frachttarife schnellten in die Höhe und Schiffe wichen auf alternative Routen aus. Wartezeiten für Stück- und Schüttgutfrachter sowie Flüssiggastanker wurden länger, während Container-, Kühl- und Passagierschiffe sowie Fahrzeugtransporter weniger betroffen waren. Infolge dessen entstanden vor den Zufahrten zum Panamakanal zwei Mega-Staus. Die Wartezeit für nicht gebuchte Schiffe ist in den letzten Monaten von durchschnittlich 5 bis 6 Tagen auf 9 bis 10 Tage gestiegen.
Weitere Schifffahrtsbeschränkungen
Die Panama Canal Authority (ACP) teilte nun mit, dass die Zahl der Buchungsslots seit dem 3. November von 31 auf 25 pro Tag reduziert wurde und in den nächsten drei Monaten schrittweise auf 18 Slots ab dem 1. Februar 2024 gesenkt wird. Der maximale Tiefgang der Schiffe beträgt weiterhin 13,4 Meter. Unter normalen Bedingungen waren es 36 Schiffe täglich mit einem maximalen Tiefgang von 15,2 Metern (50 Fuß).
Keine Besserung in Aussicht
Zwar habe sich der Rückstau von einem Höchststand von mehr als 160 Schiffen Anfang August auf derzeit 117 Schiffe verringert. Die Schifffahrtsbeschränkungen werden jedoch voraussichtlich noch mindestens 10 Monate bestehen bleiben. Trotz aller getroffenen Maßnahmen ist der Pegel des Gatún-Sees auf ein für diese Jahreszeit noch nie dagewesenes Niveau abgesunken. Dieses Ausmaß sei historisch beispiellos, teilte die Panamakanal-Behörde mit. In Panama hat es in den letzten zwei Monaten zwar etwas mehr geregnet und die Wasserstände stabilisiert. Die Niederschläge reichten jedoch nicht aus, um die Wasserstände aufzufüllen. Und die Wetteranalysten der London Stock Exchange Group rechnen damit, dass die Wasserstände noch monatelang außergewöhnlich niedrig bleiben werden.
Verlierer...
Die weitere Reduzierung der Buchungsslots wird vor allem den so genannten Trampschiffen das Leben schwer machen, d. h. den Schiffen, die keinen festen Fahrplan haben. Große Öltanker beispielsweise werden in diesem Transitverkehr wohl nicht mehr vorkommen, denn Containerschiffe haben üblicherweise im Voraus geplante Ladetermine. Dies ermöglicht Ihnen, die wenigen Buchungsslots des Kanals vor den Tankern zu buchen.
Gewinner...
Für zahlungskräftige Kunden, die die Wartezeit verkürzen möchten, veranstaltet die Panamakanalbehörde einträgliche Auktionen. So hat die Reederei Avance Gas Holding Ltd. in ihren Geschäftszahlen eine „Gebühr“ von 2,4 Millionen Dollar (2,21 Millionen Euro) ausgewiesen, um einen Slot zum Passieren der Wasserstraße zu erhalten. Dieses Geld wurde zusätzlich zur Standardtransitgebühr von etwa 370.000 Euro gezahlt. Diese Transitgebühr von umgerechnet ca. 2,6 Millionen Euro ist rekordverdächtig hoch, die Panamakanalbehörde gab bisher keine Stellungnahme dazu ab.
Alternativen
Der Panamakanal spart tausende Meilen um Südamerika (Kap Hoorn) herum. Dies kostet zwar zusätzliche Zeit und Transportkosten, es ist aber unwahrscheinlich, dass sich viele Reeder Durchfahrten für eine Auktionsgebühr in Millionenhöhe ersteigern. So werden die längeren Routen voraussichtlich unumgänglich, wenn nicht alternative logistische Wege ersonnen und kreiert werden.
Stellen wir uns also in bestimmten Bereichen auf Lieferengpässe und steigende Kosten ein.
Weitere Hintergründe zum Panamakanal in unserem Beitrag vom 02.06.2023 Zum Artikel
Eine gute Nachricht zum Schluss
Die Pegel des in Deutschland schiffbaren Rheins liegen bei steigenden Wasserständen alle über 2,65 Meter, den niedrigsten Pegel in Oestrich bei Bingen. Entwarnung.

Rheinpegel in Oestrich am 15.11.2023. Grafik: ELWIS
Quellen: gCaptain, ntv, ELWIS










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