Auch für die Deutsche Marine heißt es: zurück zum Fokus auf die Landes- und Bündnisverteidigung. Im Interview mit dem marineforum spricht Vizeadmiral Frank Lenski, Befehlshaber der Flotte und Stellvertreter des Inspekteurs der Marine, über die daraus resultierende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, aktuelle Probleme und die Bedeutung der Reservedienstleistenden.
Herr Admiral, wie beurteilen Sie zurzeit die Lage an der maritimen Nordflanke der NATO – speziell mit dem besonderen Blick auf die Ostsee?
Bekanntlich ist die Nordflanke der NATO unser Operationsschwerpunkt. Das war er bisher schon, doch hat sich hier unsere Präsenz nochmals verstärkt. Besonders in der Ostsee haben wir alles dafür getan – und werden es auch weiterhin tun –, den Kräfteansatz nachhaltig auszuweiten. Wir sehen dort, trotz des Kriegs in der Ukraine, eine kampfkräftige russische Marine. Gleichzeitig hat sich mit dem Beitritt Finnlands und dem hoffentlich bald folgenden Beitritt Schwedens zur NATO die strategische Position in der Ostsee zu unseren Gunsten verändert.[ds_preview]
Was hat sich in den Bewegungen der Flotte seit dem 24. Februar 2022 geändert?
Wir haben es schon häufiger betont: Unmittelbar nach dem 24. Februar 2022 hat die Deutsche Marine alle verfügbaren Einheiten in die Ostsee entsandt. Das war einerseits ein klares Signal an unsere Verbündeten und Partner, ein Signal der Verbundenheit. Zugleich war es aber auch ein Signal der Stärke an Russland, dass wir wachsam und gerüstet sind. An unserem Auftrag hat sich nichts geändert, der Fokus auf die Landes- und Bündnisverteidigung hat sich aber deutlich verstärkt. Mit der Etablierung der Operation Baltic Guard sorgen wir seit Ausbruch des Kriegs dafür, dass wir in koordinierter Art und Weise die Präsenz und die Sichtbarkeit verbündeter Marinekräfte insbesondere in der Ostsee nochmals erhöhen.
Dazu müssen wir die bekannten materiellen Defizite weiterhin schnellstmöglich abbauen, um insbesondere die Einsatzfähigkeit und Verfügbarkeit unserer Waffensysteme weiter zu erhöhen. Außerdem optimieren wir unsere Kaltstartfähigkeit, eine Fähigkeit mit Abhängigkeiten zu Dritten, die folglich nicht allein nur durch die Marine auf ein neues Niveau zu heben ist.

Im neuen Führungszentrum der Marine in Rostock ist Deu Marfor ein integraler Bestandteil, Foto: Foto: hsc
Welchen Stellenwert wird das Regional Maritime Headquarters for the Baltic, das Deutschland der NATO zur Verstetigung der gemeinsamen Aktivitäten angeboten hat, für Ihren Verantwortungsbereich haben?
Es war und ist seit der Aufstellung des Stabes Deumarfor das strategische Ziel der Marine, Führungsverantwortung in der NATO und insbesondere gerade dort zu übernehmen, wo wir die größte Expertise aufbringen, also in der Ostseeregion. Insofern war es für uns ein wichtiger Meilenstein, nach der Ankündigung des Bundeskanzlers im Rahmen des Gipfels von Madrid im Juni 2022 nun auch mit einer Anzeige des Generalinspekteurs gegenüber dem Saceur unsere Bereitschaft zur Übernahme einer regionalen Führungsverantwortung als Commander Task Force Baltic (CTF Baltic) auf der Zwei-Sterne-Ebene für den Ostseeraum anzumelden. Wir folgen damit der Erwartungshaltung der Ostseeanrainer und haben unsere Führungsfähigkeit gerade erst im Rahmen der multinationalen Übung Northern Coasts 2023 nachgewiesen.
Das Regional Maritime Headquarters for the Baltic (RMHQ-B) steht permanent für Führungsaufgaben in der Ostsee bereit, erstellt ein durchgängiges Lagebild und koordiniert die Kooperation mit unseren Partnern. Und die Notwendigkeit, gerade in der Ostsee präsent zu sein, im Rahmen von Übungen die Fähigkeit zur Abschreckung zu zeigen und zu schärfen sowie eine validierte Lageaufbereitung bereitzustellen, all das erkennt die NATO in höchstem Maße an. Wir sind bereit, zu koordinieren und Führungsverantwortung zu übernehmen, wenn es darauf ankommt.
Das CTF Baltic ist ein Hauptquartier, das nur im Bündnisfall aktiviert wird. Das RMHQ-B mit seiner permanent bereitgehaltenen Führungsfunktion kann diese Aufgabe jederzeit übernehmen. Hier würde sich die Kommandostruktur ändern, de facto ist es aber dasselbe HQ.
Wieweit hat die Flotte zur neuen „alten“ Rolle der Landes- und Bündnisverteidigung zurückgefunden? Gibt es noch besondere Herausforderungen?
Wie bereits angesprochen, sind die Herausforderungen groß, die Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung ist am Ende des Tages insbesondere eine Frage der Einsatzbereitschaft und der Durchsetzungsfähigkeit unserer Einheiten in allen Dimensionen. Deswegen müssen wir in den Bereichen Personal, Material und Ausbildung zum Teil deutlich nach- und bei Bedarf auch umsteuern.
Bei der Ausbildung bilden wir jede Besatzung konsequent bis zur Gefechtsbereitschaft aus, geben auch den zeitlichen Raum dafür, komplexe Ausbildungsanforderungen erfolgreich zu bestehen. Wir gehen dabei keine Kompromisse mehr ein, nur weil möglicherweise ein Low-Intensity-Einsatz geplant ist. Denn Pläne können eben sehr schnell von der Realität überholt werden. Wir haben das beispielsweise am 24. Februar 2022 gesehen, als wir eine Einheit, die in Richtung des Unifil-Einsatzgebietes (United Nations Interim Force in Lebanon) entsandt wurde, kurzfristig in eine NATO-VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) geschickt haben. Und das geht eben nur dann, wenn diese Einheit mit ihrer Besatzung auch gefechtsbereit ist.
Diese Herausforderung müssen wir mit einer Flotte stemmen, die unter einem Instandsetzungs- und Modernisierungsstau leidet. Damit bin ich beim Material. Um diesen Stau abzubauen, haben wir uns das Ziel gesetzt, mindestens 66 Prozent der Flotte für Einsatzausbildung und Einsatz verfügbar zu haben, maximal 33 Prozent dürfen sich dann in der Werft oder in Umrüstungen befinden. Wir nennen das unsere Route 66.
Ein Riesenschritt vorwärts war dabei die Aufstellung des Marinearsenalbetriebs Warnowwerft in Warnemünde. Erstmals haben wir eigene Werftkapazitäten, die auch für kurzfristige Instandsetzungen genutzt werden können und dadurch signifikant zur Steigerung der Einsatzbereitschaft der Flotte beitragen.
Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung heißt aber vor allem auch, sich auf die Bedrohungspotenziale insbesondere im Nordflankenraum und die Rahmenbedingungen für den Seekrieg von morgen vorzubereiten, die Chancen des technologischen Wandels auszunutzen, aber auch weitere Faktoren, wie die Demografie zu berücksichtigen.
Wie wir unsere Zukunft sehen, haben wir mit dem Kurs Marine 2035+ abgesteckt. Vier Gestaltungsprinzipien waren dabei maßgeblich:
1. Mass matters, denn Masse bedeutet auch Resilienz
2. Resilienz selbst, denn auch nach einem Schlagabtausch muss die Flotte, die Marine insgesamt funktionsfähig bleiben
3. Beiträge zu Multi Domain Operations, weil wir davon ausgehen, dass Landes- und Bündnisverteidigung letztlich das Gefecht der verbundenen Waffen bedeutet – nicht zuletzt wegen der technologischen Möglichkeiten zur Vernetzung und Schwarmbildung
4. Zukunftsorientierung durch flexible Anpassung an den demografischen Wandel, bedrohungsminimierten Einsatz des Personals und Einführung von unbemannten Systemen
Wir wollen bis 2035 den Einstieg in unbemannte Systeme aller Dimensionen und in Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz vollzogen haben sowie über eine bedrohungsgerechte Anzahl von schwimmenden, tauchenden und fliegenden Waffensystemen verfügen. Eine resiliente und redundante Führungsinfrastruktur gehört genauso dazu wie unverzichtbare Beiträge der Marinelandstreitkräfte. Das beginnen wir jetzt umzusetzen.
Das gelingt jedoch nur dann, wenn wir weiterhin genügend junge Menschen für den Dienst in der Marine begeistern können – und das in einem demografisch ungünstigen Umfeld. Noch dazu ist unser Beruf mit so mancher Belastung bis hin zum Einsatz des eigenen Lebens verbunden, was wir nicht schönreden können, wollen und dürfen. Und schließlich gibt es immer noch viele junge Leute, die weder von unserer Existenz, geschweige denn vom Berufsbild des Marinesoldaten wissen.
Personalgewinnung bleibt also die strategische Herausforderung der nächsten Jahre. Aber auch hier haben wir gute Ansatzpunkte gefunden, um voranzukommen. Zudem wissen wir aus der jüngsten Bevölkerungsumfrage, dass die Einsatzbereitschaft der Flotte einer der entscheidenden Attraktoren für den Nachwuchs ist. Wenn wir modern und einsatzbereit sind, sind wir auch attraktiv. Und damit geht natürlich auch einher, dass wir über die notwendige Anzahl an Hochwertmunition verfügen. Da schließt sich dann auch der Kreis: Unsere höchste Priorität muss die Einsatzbereitschaft der Flotte haben.
Wie beurteilen Sie die Auswirkungen des 100-Milliarden-Euro-Programms und der geplanten Eingriffe („Einrichtungsgesetz für das Sondervermögen“) auf die Fähigkeiten der Flotte, auch unter Berücksichtigung des Faktors Zeit? Hilft es bei der Erhöhung der Einsatzfähigkeit und Kampfkraft?
Wir sind natürlich in erster Linie dankbar, dass dieses Gesetz auf Vorschlag des Bundeskanzlers durch den Bundestag verabschiedet worden ist. Wir als Deutsche Marine wissen aber auch, dass wir mit Blick auf die zu finanzierenden Projekte in Konkurrenz stehen zu den ebenfalls großen Bedarfen der anderen militärischen Organisationsbereiche und Teilstreitkräfte. Letztlich haben wir diverse Projekte, die bereits im Haushaltsjahr 2021 anfinanziert wurden, jetzt im Rahmen des Sondervermögens quasi in die Finanzierung genommen. Weitere Projekte versuchen wir dort noch unterzubringen.

Im kommenden Jahr wird der EGV Frankfurt Am Main die Fregatte Baden-Württemberg in den Indopazifik begleiten, Foto: BW
Doch es ist unstrittig und anerkannt, dass diese 100 Milliarden Euro nicht ausreichen, um den Gesamtbedarf, auch den der Marine und insbesondere das, was wir im Kurs Marine 2035+ als erforderlich erkannt haben, tatsächlich auskömmlich zu finanzieren. Wir vertrauen hier auf das Wort des Bundeskanzlers, den Verteidigungsetat auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Ansonsten wäre dieses Sondervermögen – mit den Worten des Inspekteurs der Marine gesprochen – eine „Palliativmaßnahme“.
Denn gerade die langfristig angestrebten Projekte, für die man eine weitreichende Finanzierungszusage braucht, werden ihre Wirkung ansonsten nicht zeitgerecht erreichen oder aber gar nicht erst an den Start gehen.
Und es geht nicht allein um die bekannten Leuchtturmprojekte. Auch die Bestandssysteme benötigen aufgrund ihres Alters stetige Anpassungen, um die Gefechtsfähigkeit und insbesondere auch Überlegenheit herzustellen oder aufrecht zu erhalten.
Generalinspekteur Carsten Breuer hat bei seiner Rede zur Zeitenwende im Juli 2023 in Berlin die Herausforderung formuliert:
„Wir müssen vor allem eins: gewinnen wollen. Weil wir gewinnen müssen“. Was bedeutet diese Aussage im Wesentlichen für Ihren Verantwortungsbereich?
Ich habe es teilweise ja schon angerissen. Wir versuchen nun, den Besatzungen bei allen Ausbildungsaktivitäten die Zeit und die Möglichkeit einzuräumen, möglichst realitätsnah ausgebildet zu werden. Der sogenannte Einsatzausbildungszyklus zielt auf das Erlangen der Gefechtsbereitschaft ab. Er muss dann aber auch so geplant werden, dass jede Besatzung den Freiraum für die klassenspezifische Ausbildung hat. Das geht – hier am Beispiel der Fregatten und Korvetten – mit der jeweiligen Seeklarbesichtigung los, mit der Ausbildung des sogenannten Inneren Gefechts weiter und endet schließlich mit dem German Operational Sea Training (GOST) in Plymouth oder mit dem sogenannten GOST-GEA (German Operational Sea Training – German Authorities) in Wilhelmshaven. Dieser Ausbildungszyklus hat das Ziel, eine Einsatzbesatzung zu befähigen, das mehrdimensionale Gefecht mit ihrem Waffensystem und dessen Fähigkeitsmix zu beherrschen.
Wir haben zudem das Zentrum Taktikentwicklung der Marine neu aufgestellt, um bei der Taktik- und auch Verfahrensentwicklung wieder Boden gut zu machen. Das ist ehrlicherweise in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch Fokussierung auf das Internationale Krisen- und Konfliktmanagement zu kurz gekommen. Aber da sind wir auf gutem Wege.
Noch einmal zurück zum Kurs Marine 2035+: Dort ist die Einbindung einer Vielzahl von autonomen Systemen vorgesehen. Wie sehen Sie deren Integration in die Flotte – speziell was Einsatz, Ausbildung, Übung und die logistische Unterstützung betrifft?
Wir sehen am aktuellen Krieg Russlands gegen die Ukraine, welchen Wert unbemannte Systeme sowohl in der Aufklärung wie auch in der Wirkung auf dem Gefechtsfeld haben. Für uns ist relevant, und das ist letztlich auch eine der Kernnachrichten aus dem Kurs Marine 2035+, dass wir komplementär in allen Dimensionen – Unterwasser, Überwasser und in der Luft – mit bemannten und unbemannten Systemen arbeiten wollen. Das hat auf der einen Seite etwas damit zu tun, die Gefährdung für den Menschen zu reduzieren und bestmöglichen Schutz zu realisieren. Es trägt aber auch dazu bei, mit möglicherweise geringerer Manpower – Stichwort Demografie – ein Fähigkeitsspektrum aufzubauen, das mit komplett bemannten Systemen nicht mehr realisierbar wäre. Es trägt weiter dazu bei, in einem vernetzten Ansatz eine größere Wirkung durch Masse zu erzielen, als wir eben mit einer geringen Anzahl komplexer, bemannter Systeme erreichen würden. Und es trägt schließlich auch dazu bei, in der Fläche eine größere Abdeckung zu generieren, weil diese unbemannten Systeme, je nachdem wie sie ausgestattet sind, über wesentlich höhere Stehzeiten im Einsatzgebiet verfügen können.
Die Herausforderung ist, diese Systeme effektiv miteinander zu vernetzen. Schiffbaulich eine Drohne zu bauen, ist das geringste Problem. Die eigentliche Herausforderung wird darin bestehen, sie in unsere Netzwerke einzubinden, sie intelligent zu führen, den Kontakt zu halten, die entsprechenden Zieldaten zu übertragen und die vorgesehene Wirkung zu erzielen.
Und wir sehen in diesem Bereich insbesondere auch die Notwendigkeit, den klassischen Rüstungsweg zu verlassen oder abzukürzen. Der Faktor Zeit muss der Treiber sein. Daher wollen wir das, was die Industrie derzeit verfügbar hat, kaufen oder mieten, erproben und damit experimentieren. Dieses Vorgehen und besonders das Experimentieren erlauben uns, wertvolle praktische Erfahrungen zu sammeln und bereits hier Erkenntnisse für die Entwicklung von Einsatzgrundsätzen- und verfahren zu sammeln. Außerdem können wir auf diese Weise mit der Industrie zwingend notwendige Optimierungen definieren, um Gefechtsreife zu erzielen, um dann möglichst verzugslos in den Beschaffungsprozess einzutreten.
Sie müssen ja eigentlich so eine Marktsichtung machen, besser noch eine Markterkundung.
Genau das machen wir auch. Wir haben den Überblick in den jeweiligen Segmenten und werden im Bereich der unbemannten Systeme zusammen mit der Wehrtechnischen Dienststelle 71 ein Exzellenzzentrum aufbauen. Wir wollen diese Systeme dann in Übungsszenarien integrieren und schauen, welchen Mehrwert sie bringen, aber auch, welche Systemgrenzen sich hinsichtlich der Entwicklungs- und Regenerationszyklen ergeben. Denn dieses Thema wird rasant an Bedeutung gewinnen, weil unser Standard-Rüstungsprozess dafür nicht geschaffen ist. Vielmehr müssen wir eine Systematik entwickeln, die uns befähigt, Entwicklungszyklen nachzuvollziehen und auch Entwicklungssprünge mitzumachen.
Welchen Stellenwert haben Reservisten in der Marine? Geht es noch ohne Reservisten?
Klares nein, ganz bestimmt nicht! Und das sage ich nicht, weil ich der Beauftragte für das Reservistenwesen der Marine bin. Landes- und Bündnisverteidigung ging noch nie ohne Reservedienstleistende – im Kalten Krieg nicht und heute erst recht nicht. Wir haben die Möglichkeit genutzt, jetzt auch im Rahmen der Nutzung neuer Medien, unsere Reservedienstleistenden noch stärker an uns zu binden. Wir haben die Zahl der beorderten Reservisten um fast 65 Prozent auf knapp 3700 Kameradinnen und Kameraden steigern können.
Gleichzeitig haben wir die Herausforderung, im Zuge unseres Auftrags „Schutz und Sicherung“ Kräfte aufzubauen, die Stützpunkte see- und landseitig bewachen. Das ist eine Herkulesaufgabe, denn alle ausscheidenden Soldatinnen und Soldaten unterliegen ja zunächst auf freiwilliger Basis der Grundbeorderung. Das heißt, man muss sie ansprechen, man muss um sie werben, sodass sie de facto auch zur Verfügung stehen. Sie erwarten zurecht eine gute Ausbildung und möglichst realitätsnahe Übungen. Zudem eine moderne persönliche Ausrüstung und das notwendige Material zur Auftragserfüllung.
Ich habe mir Ende September in Kiel bei der Übung Resolute Guard 2023 einen Eindruck davon verschaffen können, wie professionell ein Zug aus Reservisten Aufträge im Rahmen des Schutzes von Hafeninfrastruktur umsetzen kann. Noch mehr hat mich die hohe Motivation begeistert, die Freude an der Kameradschaft und der Teamgeist, der zu spüren war. Teils aus der Ferne angereist, versammelte sich dort auch ein Schatz an ziviler Expertise aller Berufssparten, den wir noch besser heben müssen.
Wie lautet Ihr Fazit, ist die Flotte fit für die Zukunft?
Wir tun alles dafür, die Flotte fit für die Zukunft zu machen, können das aber nur erreichen, wenn alle Beteiligten auch außerhalb der Marine an einem Strick ziehen. Da wir in diesem Jahr 175 Jahre deutsche Marinen feiern, wäre das auch unser bescheidener Geburtstagswunsch an alle Mitstreiter.
Zunächst, um bereits ab 2025 die durch die NATO an uns gestellten, nochmals steigenden Verpflichtungen zu erfüllen, dabei aber auch Entlastungen im Bereich der mandatierten Einsätze einpreisen zu dürfen.
Wir zeigen zudem mit unserem Engagement im Rahmen des Indo-Pacific Deployments erneut – diesmal mit einem Verband bestehend aus der Fregatte BADEN-WÜRTTEMBERG und dem Einsatzgruppenversorger FRANKFURT AM MAIN – dass wir regionally rooted aber auch globally commited sind.
Wenn es um den Kurs Marine 2035+ geht, haben wir keine Zeit zu verlieren. Hier ist jetzt das viel zitierte Deutschlandtempo gefragt.
Jetzt kommt es vor allem darauf an, die Zeitenwende in allen Bereichen zu leben und die erforderlichen Aktivitäten schnell zu entfalten. Danach geht es um Nachhaltigkeit und dazu brauchen wir – und da wiederhole ich mich gerne – dringend zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Verteidigungshaushalt.
Sorgen macht mir der Bereich der Infrastruktur, da ich hier aktuell trotz großer Anstrengungen und einigen Pilotprojekten noch keinen systemischen Ansatz sehe, die Fortschrittsgeschwindigkeit erheblich zu steigern. Bei allen Aktivitäten, ob im Zusammenhang mit Rüstungsvorhaben oder bei der Erneuerung unserer Liegenschaftsinfrastruktur, ist der aktuelle Prozess zu langwierig.
Wenn ich aber unsere Flotte und auch unsere Unterstützungskräfte sehe, dann versuchen wir mit dem, was wir haben, das Beste zu erreichen. Und dabei sind es immer wieder unsere Soldatinnen und Soldaten, aber auch die Kolleginnen und Kollegen, die ihr Bestes geben, den teils schlechten Rahmenbedingungen trotzen, Einfallsreichtum und Kreativität beweisen, die Zähne zusammenbeißen und gemeinsam das Optimum herausholen.
Und auch das zeichnet uns als Deutsche Marine aus.
Herr Admiral, herzlichen Dank für das Gespräch.
Michael Horst und Hans-Uwe Mergener










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