Die spanische Marine verfügt über ein breites Fähigkeitsspektrum. Viele Klassen sind nationale Eigenentwicklungen mit Exportpotenzial.
Die Armada Española zählt zu den ältesten Marinen der Welt. Sie besteht seit Ende des 15. Jahrhunderts und ist heute nach den Seestreitkräften der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Italiens die fünftgrößte Marine in der NATO. Zu ihren wichtigsten Einheiten zählen die U-Boote der Galerna-Klasse, die Fregatten der Alvaro-de-Bazan- und Santa-Maria-Klasse, die Patrouillenfahrzeuge der Meteoro- und Serviola-Klasse und die Minenjagdboote der Segura-Klasse sowie die Amphibischen Unterstützungseinheiten Galicia, Castilla und Juan Carlos I. Mit den Versorgungsschiffen Patiño und Cantabria besitzen die spanischen Seestreitkräfte auch eine bedeutende Versorgungskomponente. In der Summe kommt die Marine auf insgesamt rund 100 Kampfeinheiten und Hilfsschiffe.[ds_preview]
Die drei von ehemals vier im Dienst befindlichen U-Booten der Galerna-Klasse stammen noch vom Anfang der 1980er-Jahre und sind Lizenzbauten der französischen Agosta-Klasse (S 70). Die nicht mehr auf aktuellem technischen Stand befindlichen U-Boote sollten eigentlich schon längst außer Dienst sein, doch die vorgesehenen Nachfolgebauten kamen nicht so zur Ablieferung wie ursprünglich geplant.
Hierbei handelt es sich um die 2004 beauftragten vier U-Boote der Isaac-Peral-Klasse (S 80). Die Kiellegung des Typschiffs des ersten in Spanien eigenständig entwickelten und mit einem außenluftunabhängigen Antrieb ausgestatteten U-Bootentwurfs erfolgte im Dezember 2007. Der Zulauf war ab 2013 geplant. Im fortgeschrittenen Baustadium wurden allerdings beim Schiffsentwurf Gewichts- und Verdrängungsprobleme festgestellt, was aufwendige Konstruktionsänderungen und immer wieder zeitliche Verschiebungen zur Folge hatte. Die Isaac Peral konnte erst im April 2021 vom Stapel laufen und soll 2023 in Dienst gestellt werden.
Im Vergleich zu diesem Desaster verlief der Bau der fünf Fregatten der Alvaro-de-Bazan-Klasse (F 100) im Prinzip problemlos. Er begann im Juni 1999 mit der Kiellegung des Typschiffs. Vier Schiffe stellten in den Jahren 2002 bis 2006 in Dienst. Eine fünfte Einheit wurde nachträglich geordert und setzte am 23. Oktober 2012 Flagge und Wimpel. Den Wunsch nach einem sechsten Schiff konnte die spanische Marine allerdings noch nicht verwirklichen. Zentrales Herzstück der F 100 ist das Gefechtsführungssystem Aegis mit dem amerikanischen Phased Array Multifunction 3-D-Radar SPY-1D als Hauptsensor. See- und Luftraumüberwachung, Zielverfolgung und die Kontrolle eigener Flugkörper mit einer Kapazität von über 100 Objekten können gleichzeitig durchgeführt werden.

Fregatte Alvaro de Bazan
Die von der amerikanischen Oliver-Hazard-Perry-Klasse abgeleiteten und in Spanien in Lizenz gebauten sechs Einheiten der Santa-Maria-Klasse stellten zwischen Oktober 1986 und Dezember 1994 in Dienst. Bis zum Zulauf der Alvaro-de-Bazan-Klasse bildeten sie das Rückgrat der spanischen Flotte. Ab Oktober 2005 startete ein Modernisierungsprogramm. Aus finanziellen Gründen und aufgrund ihres Alters wurden zwei Einheiten nicht in diese Maßnahme mit einbezogen.
Mit der Bonifaz-Klasse (F 110) sind bereits die Nachfolgeeinheiten der Santa-Maria-Klasse in der Planung. Fünf als Mehrzweck- und U-Jagdfregatten ausgelegte Schiffe sollen bis Ende der 2020er-Jahre zulaufen. So sieht es jedenfalls die Planung für diese ebenfalls mit dem Aegis-System ausgerüsteten Fregatten vor.
Die vier Patrouilleneinheiten der Serviola-Klasse stellten 1991 und 1992 in Dienst. Sie sind für mehrwöchige Überwachungs- und Patrouilleneinsätze ausgelegt. Zu ihren speziellen Aufgaben gehören die Küstenüberwachung, die Fischereiaufsicht und die Wahrnehmung der nationalen Interessen in der spanischen Ausschließlichen Wirtschaftszone. Der Rumpf mit hohem Freibord gewährleistet gute Seeeigenschaften und uneingeschränkte Hochseeverwendungsfähigkeit. Die Ausstattung mit einem Bordlazarett und das vorhandene Landedeck für einen mittelgroßen Hubschrauber ermöglichen schnelle Hilfeleistung für andere Schiffe, wie zum Beispiel für in eine Notlage geratene Fischereifahrzeuge.
Unter der Projektbezeichnung Buques de Acción Marítima (BAM) startete die spanische Marine im Jahr 2004 den Bau einer neuen Klasse von Patrouillenfahrzeugen. Vier Einheiten wurden im Juli 2006 beauftragt. Das Typschiff Meteoro stellte im Juli 2011 in Dienst. Die übrigen Einheiten folgten bis Februar 2012. Im Jahr 2018 setzten nochmals zwei Einheiten einer zweiten Bauserie Flagge und Wimpel. Die Meteoro-Klasse ist speziell für Patrouillen- und Überwachungsaufgaben vorgesehen. Darüber hinaus gehören auch Einsätze im Rahmen von Piraten-, Terror und Schmuggelbekämpfung, Krisenreaktion, Fischereischutz, Umweltschutz sowie Such- und Rettungsaufgaben zu ihrem Verwendungsprofil.
Die sechs Minenjagdboote der Segura-Klasse sind eine in Lizenz gefertigte spanische Variante der englischen Sandown-Klasse. Das Typboot lief am 25. Juli 1997 vom Stapel und stellte am 27. April 1999 in Dienst. Bis Oktober 2000 folgten drei Schwesterboote. Zwei weitere Minenjagdboote vervollständigten in den Jahren 2004 und 2005 das Sextett. Für die Minenjagd steht das in Spanien von Fábrica de Artillería Bazan (Faba) auf Basis des britischen Nautis-M Systems entwickelte Waffeneinsatz- und Führungssystem SMYC CM (sistema de mando y control para cazaminas) zur Verfügung. Darin eingebunden ist als Sensor das tiefenvariable hochfrequente Mehrzwecksonar AN/SQQ 32 von Raytheon. Es ermöglicht das Entdecken und Klassifizieren von Minen und ist bis zu einer Tiefe von 200 Metern einsetzbar. Alternativ ist eine Verwendung als Rumpfsonar möglich. Darüber hinaus gehören Unterwasserdrohnen zum Ausrüstungsinventar der Segura-Klasse.

Die Abbildung vom Mai 2012 zeigt das im Bau befindliche U-Boot Isaac Peral
Nach dem Ende des Kalten Krieges konzentrierte sich Spanien auf den Ausbau seiner Fähigkeiten in amphibischen Operationen. Heute sind drei große amphibische Einheiten im Bestand der spanischen Marine. Die beiden Amphibischen Unterstützungs- und Docklandungsschiffe der Galicia-Klasse sind eine gemeinschaftliche Entwicklung mit der niederländischen Marine, die mit der Rotterdam eine ähnliche Einheit dieses Schiffstyps unterhält. Die Galicia stellte am 30. April 1998 in Dienst, die Castillia folgte am 26. Juni 2000. Moderne Kommunikations- und Führungsanlagen kennzeichnen diese Schiffe, die somit neben ihrer amphibischen Verwendung auch als Flagg- und Führungsschiffe eingesetzt werden können. Die Einheiten sind in der Lage ein voll ausgerüstetes Bataillon an Seesoldaten mitzunehmen sowie alternativ 130 Fahrzeuge oder 33 Kampfpanzer zu transportieren. Des Weiteren verfügen sie über eine umfangreiche medizinische Ausrüstung mit Operationsräumen und Laboreinrichtungen.
Mit einer Verdrängung von 27 560 Tonnen ist die Juan Carlos I das größte Schiff in der Spanischen Marine und hat den am 7. Februar 2013 außer Dienst gestellten Flugzeugträger Principe de Asturias als Flaggschiff der spanischen Flotte abgelöst. Die seit dem 30. September 2010 in Dienst befindliche Juan Carlos I kann sowohl die Aufgaben eines amphibischen Unterstützungsschiffes wie auch die eines Hubschrauberträgers übernehmen. Wie die Galicia-Klasse verfügt auch die Juan Carlos I über eine Dockschiffkapazität. Als erstes Schiff der spanischen Marine besitzt sie einen dieselelektrischen Antrieb. Der Vortrieb erfolgt über zwei Propellergondeln.
Die drei amphibischen Schiffe sind seit ihren Indienststellungen bei einer Reihe humanitärer Einsätze nach Naturkatastrophen, Hilfsmissionen – insbesondere in Südostasien und in der Karibik – zum Einsatz gekommen. Die Einheiten waren auch bei der Operation Atalanta am Horn von Afrika beteiligt.
Mit der Patiño und der Cantabria besitzt die spanische Marine über zwei große Versorgungsschiffe, die 17 045 beziehungsweise 19 600 Tonnen verdrängen. Die Patiño ist schon seit dem 16. Juni 1995 in Dienst. Sie hat eine Versorgungskapazität von 6815 Tonnen Kraftstoff, 1798 Tonnen Versorgungsgüter und 182 Tonnen Munition. Die Cantabria ist ein relativ neuer Versorger, der am 29. Juli 2010 Flagge und Wimpel setzte. Nach der Juan Carlos I ist sie das zweitgrößte Schiff der Armada Española und wurde nach zivilen Schiffbaustandards gebaut. Sie besitzt einen Doppelrumpf und kann 8300 Kubikmeter Kraftstoff mitnehmen. Weiterhin kann das Schiff 1450 Kubikmeter Versorgungsgüter und 140 Kubikmeter Frischwasser sowie 20 Container transportieren. Auch umfangreiche Sanitätseinrichtungen sind an Bord vorhanden. Abschließend sei erwähnt, dass die Cantabria auch Typschiff für die beiden australischen Versorger der Supply-Klasse ist, die sich derzeit für die Royal Australian Navy im Zulauf befinden.
Text: Hans Karr; Fotos: Hans Karr, Navantia










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