In einer multipolaren, sich rasch ändernden Welt verändern sich auch die Bedrohungen für unsere Marine immer wieder. Kriegstüchtige Strukturen für die Schiffe der Einsatzflottille 2 sind daher essenziell.
In einer Welt, die geprägt ist von ständiger Veränderung und zunehmender Komplexität, stehen maritime Streitkräfte vor der Herausforderung, ihre Strukturen kontinuierlich anzupassen, um den sich wandelnden Bedrohungen gerecht zu werden. In seiner Absicht 2024 hat der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan C. Kaack, festgelegt, den Kurs einer konsequenten Ausrichtung unserer Marine auf die Erfordernisse der Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) weiterzuverfolgen. Dem folgend müssen alle[ds_preview] Strukturen bis hin zur Ebene unserer Kriegsschiffe überprüft und gegebenenfalls neu gedacht werden. Dabei ist das Kriegsbild von morgen mitzudenken, sind maritime Trends abzuleiten sowie Methodik, Technologie und Organisation entsprechend auszurichten.
Bevor daraus Ableitungen hinsichtlich zukünftiger Strukturen für Kampfschiffe und Unterstützungseinheiten der Einsatzflottille 2 getroffen werden können, muss in erster Priorität angedacht werden, welche Forderungen zukünftig an unsere Besatzungen gestellt werden und welchen Herausforderungen sich unsere Besatzungen in einem LV/BV-Szenario stellen müssen.
Die Bedrohungen, mit denen wir konfrontiert sind, entwickeln sich ständig weiter. Von traditionellen Bedrohungen durch feindliche Streitkräfte bis hin zu asymmetrischen Gefahren wie Cyberangriffen und hybriden Kriegsführungstechniken – die Vielfalt der Herausforderungen erfordert eine Vielzahl von Antworten. Daher ist es unerlässlich, unsere Strukturen so flexibel zu gestalten, dass sie sich an die eine verändernde Bedrohungslage anpassen können. Die Überlegungen rein auf die numerische Besatzungsstärke hin auszurichten, greift zu kurz. Eine Vielzahl an Rahmenbedingungen hat Einfluss auf die erfolgreiche Gefechtsführung unserer Kampfschiffe und Unterstützungseinheiten.

Versorgung in See auf dem EGV Bonn bei der Übung Noco 2023, Fotos: Bw/Leon Rodewald
Die Gefechtsausbildung spielt eine entscheidende Rolle bei der Überprüfung und Validierung der kriegstüchtigen Strukturen von Kriegsschiffen. Durch realitätsnahe Szenarien und Simulationen werden nicht nur die Fähigkeiten der Besatzung verbessert, sondern auch die Reaktionsfähigkeit und Flexibilität der Strukturen getestet. Es ist diese kontinuierliche Prüfung, die sicherstellt, dass unsere Streitkräfte jederzeit bereit sind, den Herausforderungen des modernen Gefechts zu begegnen. Eine gefechtsorientierte Ausbildung, welche auch neue Szenarien und Innovationen berücksichtigt und somit flexibel auf Veränderungen reagiert, trägt im erheblichen Maße dazu bei, dass wir über resiliente und kriegstaugliche Strukturen verfügen.
Technologische Fortschritte wie die zunehmende Automation ermöglichen es, Besatzungsgrößen zu reduzieren, während gleichzeitig die Effizienz gesteigert wird. Doch diese technologischen Verbesserungen bringen auch neue Herausforderungen mit sich. Automatisierte Kriegsführung und die militärische Nutzung von künstlicher Intelligenz müssen mit bedacht werden und werden mit Sicherheit Einfluss auf Besatzungs-, Ausbildungs- und Führungsstrukturen haben. So ist es vorstellbar, die Besatzung einer Operationszentrale stark zu reduzieren, wenn offensive wie defensive Bekämpfungsabläufe durch künstliche Intelligenz übernommen werden. Und auch das interne Schadensabwehrgefecht wird Neuerungen erfahren, wenn zukünftig autonom und mobil agierende Brand- und Leckabwehrsysteme aus dem Bereich der Robotik eingeführt und eingesetzt werden.
Es zeigt sich also, dass technologische Entwicklungen Einfluss auf zukünftige Besatzungsstrukturen nehmen. Ob damit komplett die Herausforderungen der prognostizierten demografischen Entwicklung beseitigt werden können, bleibt allerdings abzuwarten und erscheint zumindest fraglich.
Am Ende sind es eben Menschen und nicht Schiffe, die kämpfen, also unsere Soldatinnen und Soldaten auf den seegehenden Einheiten, die unsere Aufträge auf See und im Gefecht erfüllen müssen. Wie viele Besatzungsangehörige hierfür in den jeweiligen Strukturen notwendig sein werden, bedarf eines Abwägens und sollte nicht dogmatisch festgelegt werden. Vielmehr sind die Strukturen der Zukunft fortwährend im Dreiklang notwendige Schiffsbesatzung, bedarfsorientierte Ausbildungslandschaft und auftragsbezogene Führung zu sehen.
Sichere Rückkehr
Dem Trend eines zunehmenden Arbeits- und Fachkräftemangels folgend, gilt hierbei der Grundsatz „so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“, um Personal in den zukünftigen Strukturen möglichst sinnvoll auszuplanen und einzusetzen. Dass sich auch die Strukturen auf den Kampfschiffen und Unterstützungseinheiten der Einsatzflottille 2 Innovationszyklen anpassen müssen, die Ausrichtung sich an der größten anzunehmenden Bedrohung anzupassen hat und den personell-gesellschaftlichen Trends Rechnung tragen muss ist eine Binse – am Ende muss der Fokus der Ausrichtung in erster Linie der Auftragserfüllung dienen und Sorge dafür tragen, Schiffe und Besatzungen sicher aus den (Kampf-)Einsätzen zurückkehren zu lassen.

Ablaufen der RHÖN nach Ende des RAS, Foto: Bw/Leon Rodewald
Bei all den Überlegungen, die wir heute in Bezug auf die personellen Strukturen der Zukunft tätigen, muss uns jedoch bewusst sein, dass wir nicht mehr in der Zeit des Kalten Kriegs leben, die von einem bipolaren Weltbild bestimmt war. Die heutige Welt ist deutlich komplexer. Und genau hier zeigt sich ein weiteres Problem, vor dem wir stehen. Zum einen ist es schwierig, hochkomplexe und sich ständig verändernde Szenarien realitätsnah in der Ausbildung darzustellen, zum anderen ist Automation nur so lange nützlich, wie die Situationen dem entsprechen, wofür Systeme programmiert werden. Verlassen wir uns auf unsere Technik, müssen wir zwingend sicherstellen, dass die Systeme auch an die sich ständig verändernden Parameter angepasst sind. Gleichzeitig muss durch realitätsnahe Ausbildung gewährleistet werden, dass unsere Soldatinnen und Soldaten ebenfalls flexibel reagieren und agieren und sich schnell an unterschiedlichste Aufgaben und Situationen anpassen können.

Antreten der Besatzung an Oberdeck, Foto: Bw/Leon Rodewald
Zusammenfassend kann man daher festhalten, dass Strukturen der Zukunft auf und für Kampfschiffe und Unterstützungseinheiten der Einsatzflottille 2 agil und flexibel, resilient und auftragsorientiert, systemgesamt und kaltstartfähig und vor allem bedrohungs- und zeitgemäß ausgerichtet sein müssen. Das übergeordnete Ziel ist auf einen einfachen Nenner zu bringen: Alle Strukturen sind darauf auszurichten, unseren Soldatinnen und Soldaten am „scharfen Ende des Schwerts“ – also im Kampf – genau die Rahmenbedingungen zu schaffen, die zum Bestehen und vor allem zum Sieg im Gefecht nötig sind.
Die Struktur der Besatzungen von Kampfschiffen und Unterstützungseinheiten sind bereits heute auf das Gefecht ausgerichtet. Daher hat immer schon unsere Gefechtsausbildung gezeigt, dass nur zertifizierte und für den Einsatz ausgebildete Einheiten in Einsätze geschickt werden. Bei all dem ist aber zu beachten, dass sich Rahmenbedingungen ändern und neue Herausforderungen entstehen. Neue Technologien wie Automation, Autonomie und künstliche Intelligenz bieten aber Chancen, diesen Herausforderungen angepasst zu begegnen und unseren Besatzungen neue Möglichkeiten in der Kriegsführung zu eröffnen, die sich in kriegstüchtigen Strukturen für die Kampfschiffe und Unterstützungseinheiten der Einsatzflottille 2 wiederfinden werden.
Fregattenkapitän Florian Gocht ist Gruppenleiter Personal in der Einsatzflottille 2.
Florian Gocht










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