Entsprechend seinem technologischen Stand baut Südkorea moderne Fregatten für seine Marine. Exportpotenzial eingeschlossen.
Die knapp 52 Millionen Einwohner zählende Republik Korea – kurz Südkorea – gehört zu den wohlhabendsten und wirtschaftlich sowie technologisch am weitesten fortgeschrittenen Ländern Asiens. Geografisch befindet sich der 1948 gegründete Staat, der den größten Teil der koreanischen Halbinsel einnimmt, zwischen Japan und der Volksrepublik China, umgeben vom Gelben, Ostchinesischen und Japanischen Meer.
Die einzige Landgrenze unterhält Südkorea mit Nordkorea, mit dem es seit der Staatsgründung in einem dauerhaften Konflikt steht, aufgrund dessen das südkoreanische Militär zu den am besten ausgestatteten Streitkräften der Welt zählt.[ds_preview]

Das FFX-Programm soll die neun Fregatten der Ulsan-I-Klasse ersetzen, Foto: US-Navy
Technologische Sprünge
Die Marine der Republik Korea umfasst heute rund 70.000 Personen. Während in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens das schwimmende Material hauptsächlich aus Einheiten bestand, die von der US Navy ausgemustert wurden, kam es Mitte der 1970er-Jahre im Rahmen des ersten Yulgok-Projekts zu einer „Koreanisierung“ des Verteidigungsbereichs, infolge dessen auch ein größeres Marinebaupragramm angestoßen wurde. Nach dem Lizenzbau von vier Kanonenbooten der amerikanischen Asheville-Klasse als PSMM Mk 5 Multi-Purpose Patrol Boat wurden insgesamt 28 Korvetten der Donghae- und Pohang-Klassen sowie neun Fregatten der Ulsan-Klasse zwischen 1980 und 1993 gefertigt, ehe sich die südkoreanische Marine dem Ersatz ihrer noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden ehemaligen US-Zerstörer durch moderne, in Korea gefertigte Lenkwaffenzerstörer zuwandte.
Beim Bau der Fregatten und Korvetten konnten insgesamt fünf daran beteiligte Werften (Korea Tacoma, Korea Shipbuilding, Hyundai Heavy Industries, Daewoo Shipbuilding und Hanjin Heavy Industries) wichtige Erfahrungen im Marineschiffbau sammeln. Parallel wurden zahlreiche von den Korvetten abgeleitete Schiffe für die südkoreanische Küstenwache sowie in weiterentwickelter Form für die indische Marine gebaut.
Incheon-Klasse
Zeitgleich zum Zulauf erster Lenkwaffenzerstörer aus koreanischer Produktion Anfang des 21. Jahrhunderts konzipierte die südkoreanische Marineführung den Ersatz der 37 vorhandenen Korvetten und Fregatten durch das Programm Future Frigate Experimental, kurz FFX. Dabei sollten insgesamt 24 hochseetaugliche Fregatten mit Helikopterdeck sowie Hangar die für den Einsatz im Küstenvorfeld ausgelegten bisherigen Fregatten und Korvetten ersetzen. 2010 ging der Bauauftrag für die erste Fregatte, der ROKS Incheon (FFG-811) an die Hyundai-Werft in Ulsan. Dort wurden zwei weitere Schiffe gefertigt, ergänzt um drei zusätzliche Einheiten, die von STX Offshore & Shipbuilding in Changwon gebaut wurden. Alle sechs der 114 Meter langen und voll beladen rund 3250 Tonnen verdrängenden Schiffe der Incheon-Klasse – offiziell auch als FFG-1 bezeichnet – wurden zwischen Januar 2013 und November 2016 in Dienst gestellt. Angetrieben werden sie von einem CODOG-Antrieb bestehend aus zwei Dieselmaschinen des Typs MTU 12V 1163 TB83 und zwei LM2500-Gasturbinen von General Electric. Zur Bewaffnung zählen ein 127-Millimeter-Schiffsgeschütz Mk 45 Mod 4, acht Seezielflugkörper SSM-700K Sea Star (Hae Seong) in zwei Vierfachstartern sowie RAM-Starter und Phalanx CIWS zur Nahbereichsverteidigung.

Auch die insgesamt 24 Korvetten der PPHANG-Klasse werden durch FFX abgelöst, Foto: Koreanische Marine
Daegu-Klasse
Die auf die Incheon-Klasse nachfolgende Daegu-Klasse – auch als FFG-2 bezeichnet – umfasst acht Schiffe, deren Bauaufträge je zur Hälfte auf Hyundai in Ulsan sowie Daewoo in Geoje aufgeteilt wurden.
Die erste Einheit, die ROKS Daegu (FFG-818) lief im Juni 2016 bei Daewoo vom Stapel. Das achte Schiff wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2022 bei Hyundai zu Wasser gelassen. Bisher wurden zwei Schiffe in den Dienst der südkoreanischen Marine gestellt. Die Schiffe der Daegu-Klasse sind 116 Meter lang und verdrängen voll beladen knapp 3600 Tonnen. Auffällig sind die im Vergleich zur Incheon-Klasse stark veränderten vorderen Aufbauten zur Reduzierung der Radarsignatur sowie der vergrößerte Helikopterhangar am Heck. Bei der Daegu-Klasse kommt erstmals ein CODLOG-Antrieb zum Zug, bestehend aus einer Gasturbine des Typs Rolls-Royce MT 30 und vier Hochgeschwindigkeits-Dieselgeneratoren, die zwei Leonardo-Permanent-Magnet-Elektromotoren antreiben. Die Ausstattung der Daegu-Klasse wurde um ein aus 16 Zellen bestehendes Vertical Launching System (VLS) aus koreanischer Produktion namens K-VLS ergänzt, das für den Abschuss von K-SAAM-Luftabwehrraketen, Hong-Sang-Eo-Raketen (K-ASROC) zur Bekämpfung von U-Booten und Haeryong-Seezielflugkörpern ausgelegt ist. Erstmals sind ein Rumpfsonar vom Typ SQS-240K sowie ein Schleppsonar vom Typ Hanwha Systems SQS-250K vorhanden.

Die INCHEON-Klasse ist die erste koreanische Fregattenklasse mit Helikopterhangar und Flugdeck, Foto: Koreanische Marine
Zweiter Streich
Auf die Daegu-Klasse folgt die Ulsan (II)-Klasse, die sich den Namen mit der ersten koreanischen Fregattenklasse aus den 1980er-Jahren teilt. Bei ihr soll erstmals ein AESA (Active Electronically Scanned Array)-Radar verbaut werden, was es ermöglichen soll, eine Vielzahl Kontakte gleichzeitig zu erkennen, zu verfolgen und darauf zu reagieren. Die Fregatten (offiziell bezeichnet als FFG-3) sollen weiterhin mit verbesserten U-Jagd- und Luftabwehrfähigkeiten ausgestattet werden. Das erste von insgesamt sechs geplanten Schiffen soll im Jahr 2023 bei Hyundai in Ulsan vom Stapel laufen. Interessanterweise meldeten koreanische Nachrichtenagenturen am Anfang Januar 2022, dass der Auftrag für das zweite Schiff der zukünftigen Ulsan-Klasse an Samkang M&T in Goseong vergeben wurde, eine – nach südkoreanischen Standards – mittelgroße Werft, die bisher hauptsächlich als Zulieferer von Rumpfsegmenten großer Frachtschiffe in Erscheinung getreten ist. Da man dort bereits einige Patrouillenschiffe für die südkoreanische Küstenwache gebaut hatte, gab sich der Samkang-Vorstandsvorsitzende Moo Seok Song bezüglich des ersten Fregattenauftrags in der Firmengeschichte sehr selbstbewusst und sprach von einem wichtigen Beitrag, den sein Unternehmen zur Sicherheit seines Landes beitragen wird.

Die bei Daewoo gebaute ROKS GYEONGNAM ist die zweite Einheit der DaeguKlasse. Das VLS vor der Brücke stammt aus koreanischer Produktion, Foto: Koreanische Marine
Die Zukunft
Im August 2021 wurde durch das südkoreanische Defense Project Commission Committee (DPCC) die vierte Stufe – bezeichnet als FFG-IV – des Fregattenbauprogramms autorisiert, in dessen Rahmen bis 2032 sechs weitere Schiff an die Marine abgeliefert werden sollen und somit das Vorhaben FFX nach dem Bau von insgesamt 26 Fregatten abschließen wird. Nach Informationen des südkoreanischen Verteidigungsministeriums soll die eingangs erwähnte „Koreanisierung“ bei diesem letzten Baulos weiter vorangetrieben werden, um nicht zuletzt die Chancen auf dem Exportmarkt zu erhöhen, da bei potenziellen Verkäufen alle Schiffskomponenten lediglich den koreanischen Exportregularien unterliegen.
Hyundai konnte bereits 2016 zwei auf der Incheon-Klasse basierende Fregatten an die Philippinen verkaufen, weitere zwei Einheiten folgten Ende 2021. Die aufwendige Beantragung von Exportgenehmigungen für Elektronik-Komponenten oder Waffensysteme beispielsweise aus amerikanischer oder westeuropäischer Produktion kann entfallen.
Derzeit wird spekuliert, ob die Fregatten des Projekts FFG-IV mit einer geplanten Verdrängung von voll beladen rund 4500 Tonnen neben dem Ersatz der letzten Fregatten der Ulsan(I)-Klasse und den Korvetten der Pohang-Klasse auch die Zerstörer der Gwanggaeto-the-Great-Klasse ersetzen könnten, die ab 1998 in Dienst gestellt wurden. Die Bauaufträge der Marine werden den südkoreanischen Werften so schnell nicht ausgehen!

Die im April 2020 bei Hyundai vom Stapel gelaufene ROKS DONGHAE, Foto: Koreanische Marine
Stefan Ulsamer ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Marinetechnik.










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