Schoner FRAUENLOB, Abbildung aus: Adolf von Trotha/Paul König, Deutsche Seefahrt, Berlin 1928

Schoner FRAUENLOB, Abbildung aus: Adolf von Trotha/Paul König, Deutsche Seefahrt, Berlin 1928

Tod im Taifun

Die Entstehung der S.M.S. FRAUENLOB war maßgeblich einem Berliner „Frauen-Verein“ zu verdanken. 1860 sank der Schoner im Sturm vor Japan.

Eigentlich hatte alles ganz gut angefangen. Nachdem im Ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg die Notwendigkeit einer eigenen Marine zum Schutz der deutschen Küste offenbar wurde, hatten verschiedene vaterländische Institutionen mit Erfolg für den Bau von Kriegsschiffen geworben. Aus heutiger Sicht bemerkenswert und für die Entstehung der FRAUENLOB entscheidend war der Umstand, dass die Initiative vom Berlin-Potsdamer Frauen-Verein zur Erwerbung eines Kriegsschiffes ausging. Bereits im ersten Kriegsjahr veröffentlichte er in der Lokalpresse einen Spendenaufruf und konnte eine beträchtliche Summe zusammenbringen. Hinzu kamen in der Folgezeit Gelder der Stadt Wolgast und des Wolgaster Komitees zur Erbauung vaterländischer Kriegsschiffe, sodass mithilfe des preußischen Kriegsministeriums 1851 ein zweimastiger, hölzerner Gaffelkriegsschoner nach holländischem Vorbild auf Kiel gelegt werden konnte. Das Schiff, auf der Wolgaster Lübke-Werft gebaut, lief infolge diverser Beanstandungen jedoch erst am 24. August 1855 vom Stapel. Auch gab es keine offizielle Taufzeremonie, dafür war Prinz Adalbert von Preußen, Admiral der preußischen Küsten und Oberbefehlshaber der Marine, beim Stapellauf zugegen. Sein Vetter, König Friedrich Wilhelm IV., mischte sich ebenfalls höchstpersönlich in die Prozedur ein. Eingedenk des weiblichen Engagements, welches die Finanzierung des Schoners ermöglicht hatte, veranlasste er, dass der ursprünglich vorgesehene Name FRAUENGABE in FRAUENLOB geändert wurde und das Schiff unter diesem Namen am 1. März 1856 in Danzig in Dienst gestellt werden konnte.[ds_preview]

ARCONA und FRAUENLOB im Taifun, Abbildung aus: Reinhold von Werner, Das Buch von der Deutschen Flotte, 1889

ARCONA und FRAUENLOB im Taifun, Abbildung aus: Reinhold von Werner, Das Buch von der Deutschen Flotte, 1889

Weltweit unterwegs

Der gut 32 Meter lange und acht Meter breite Schoner, ein Kraweelbau mit kupferbeschlagenem Rumpf und einer Segelfläche von 523 Quadratmetern, durchlief zunächst eine Reihe von Probefahrten und Manövern auf der Ostsee. Auf einer anschließenden Geschwaderfahrt nach Madeira konnte er erstmals seine Eigenschaften auf hoher See unter Beweis stellen. Von Madeira ging das Schiff mit der Segelfregatte THETIS zur Wahrung deutscher Handelsinteressen nach Rio de la Plata, von wo es im Januar 1857 nach Danzig zurückkehrte. 1858 kam es bei Vermessungsarbeiten auf der Ostsee zum Einsatz, so auch im Folgejahr, bis der Schoner im August 1859 zur preußischen Ostasienexpedition des außerordentlichen Gesandten und Ministers Graf Friedrich Albrecht zu Eulenburg abkommandiert wurde. Damit begann seine letzte, verhängnisvolle Einsatzetappe. Obgleich seine Hochseetüchtigkeit von Fachleuten angezweifelt wurde, trat er mit der THETIS und dem Transportschiff ELBE im Oktober 1859 die Reise an, die nach einer Winterpause in Portsmouth und dem Hinzustoßen des Geschwaderflaggschiffs, der Korvette ARCONA unter Kommodore Henrik Ludvig Sundevall, zunächst nach Rio de Janeiro führte. Hier langte man im Mai 1860 wohlbehalten an und begab sich Anfang Juni auf Weiterfahrt nach Ostasien.

PRINZ ADALBERT VON PREUßEN, Abbildung aus: Reinhold von Werner, Das Buch von der Deutschen Flotte, 1889

PRINZ ADALBERT VON PREUßEN, Abbildung aus: Reinhold von Werner, Das Buch von der Deutschen Flotte, 1889

Nachdem man am 7. August in Singapur eingelaufen war, musste die vorgesehene Route infolge der Ereignisse im Zweiten Opiumkrieg jedoch abgeändert werden. Man trennte sich von THETIS und ELBE und steuerte als neues Ziel Tokio an, für den Kapitän der FRAUENLOB, Leutnant zur See I. Klasse Wilhelm Reetzke, eine fatale Entscheidung. In der Nacht vom 1. zum 2. September 1860 geriet sein Schiff mit der ARCONA 40 Seemeilen vor Edo in einen Taifun. Dieser hatte sich bereits am Abend des 1. September mit Auffrischen des Windes und schwülem Wetter angekündigt. Um Mitternacht zeigte sich eine breite Gewitterfront im Südosten, die aufgewühlte See erschwerte das Fortkommen, zumal die Korvette den Schoner inzwischen hatte in Schlepp nehmen müssen. An Bord der ARCONA traf man alle Vorbereitungen für den bevorstehenden Sturm, derweil nahmen See und Wind weiter zu, zum großen Unglück brach obendrein das Bugsiertau, sodass beide Schiffe von nun ab vollkommen auf sich gestellt waren. Noch im Morgengrauen konnte die FRAUENLOB von der ARCONA gesichtet werden, gegen acht Uhr tobte der Sturm noch einmal mit solcher Stärke, dass die Leeverschanzung der Korvette im Wasser lag und der Großmast zu brechen drohte. Während die ARCONA mit dem Verlust von zwei Beibooten davonkam, war von der FRAUENLOB nach Abebben des Sturms nichts mehr zu sehen. Als gegen Mittag des 2. September das Unwetter endlich abgezogen war, musste man davon ausgehen, dass der Schoner und mit ihm seine gesamte Besatzung, vier Offiziere, ein Arzt, ein Verwalter und 38 Unteroffiziere und Matrosen, Opfer des Taifuns geworden waren. Dies bestätigte sich nach dem Einlaufen der ramponierten ARCONA in Edo am 4. September. Zwar schickte die japanische Regierung umgehend ein Dampfschiff zur Suche aus, doch ohne Erfolg. Mit der FRAUENLOB war in der Sturmnacht die Brigg CAMILLA der Royal Navy mit 120 Mann Besatzung verlorengegangen, zudem hatte der Taifun mehrere Handelsschiffe und an die Hundert Dschunken an der chinesischen Küste zerstört.

Schiffsmodell des Schoners FRAUENLOB im Küstenmuseum Wilhelmshaven, Foto: von Klewitz

Schiffsmodell des Schoners FRAUENLOB im Küstenmuseum Wilhelmshaven, Foto: von Klewitz

Der Verlust der FRAUENLOB war ein schwerer Schlag für die junge preußische Marine. Es sollte nicht der letzte sein. Nur ein Jahr später, im November 1861, ging die Korvette AMAZONE im Ausläufer eines Orkans vor der holländischen Küste unter. Keines der über 100 Besatzungsmitglieder überlebte.

Andreas von Klewitz studierte Slawistik sowie Ost- und Südeuropäische Geschichte und ist freischaffender Publizist.

Andreas von Klewitz

21. Nov. 2022 | 0 Kommentare

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