Im spanischen Rota wird ein weiterer amerikanischer Lenkwaffenzerstörer stationiert. Damit wächst die Bedeutung des Standorts weiter.
Die US Navy erhöht ihre ständige Stationierungspräsenz in Europa von derzeit vier auf sechs Lenkwaffenzerstörer der Arleigh-Burke-Klasse. Washington und Madrid einigten sich bereits im Sommer 2022 auf die grundsätzliche Verstärkung der seit 2014 im spanischen Rota stationierten Forward Deployed Naval Forces – Europe (FDNF-E). Die formelle Paraphierung des erweiterten Stationierungsabkommens erfolgte im Mai 2023.[ds_preview]
Nun gab Washington bekannt, dass der Zerstörer Oscar Austin im September oder Oktober dieses Jahres als fünftes Schiff von Norfolk zur amerikanischen Naval Station Rota verlegt wird. Die Familienangehörigen der Schiffsbesatzungen sollen bereits im Frühsommer umziehen, um die Einschulung der Kinder im Herbst zu vereinfachen. Ein sechstes, noch nicht bestimmtes Schiff wird 2026 nach Spanien verlegt.
Die amerikanischen Schiffe unterstehen der 6. Flotte und bilden das Zerstörergeschwader 60 (Desron 60). Dessen Geschwaderkommandant dient in Personalunion gleichzeitig als Befehlshaber der Task Force 65. Diese Einsatzgruppe ist verantwortlich für die operative Führung sämtlicher Überwasserkriegsschiffe, die sich – ob ständig oder vorübergehend – innerhalb des geografischen Zuständigkeitsgebiets der 6. Flotte befinden. Die Einheit operiert in sämtlichen europäischen und afrikanischen Gewässern von der Arktis bis zum Kap der Guten Hoffnung.
Desron 60 wurde formell im Jahr 2013 aufgestellt, die Verlegung der ersten US-Zerstörer nach Rota erfolgte 2014. Die Initiative zur ständigen Stationierung der Lenkwaffenzerstörer ging einerseits auf die Notwendigkeit zurück, die integrierte Raketenabwehrfähigkeit der NATO zu stärken, doch leisten die Schiffe in der Praxis das gesamte übliche Einsatzspektrum der Überwasserkriegsführung und Meeressicherung.
Die dreijährige Präsenz der Besatzungsmitglieder im europäischen Raum fördert die Interoperabilität der US Navy mit den Bündnispartnern und die langfristigen Beziehungen des Flottenpersonals der verschiedenen Länder miteinander. Einsatzbereitschaft und Einsatztempo der in Europa stationierten Schiffe und Besatzungen sind nach Angaben der Navy optimal. Die Zerstörer patrouillieren entlang der gesamten Region alleine oder im multinationalen Verband und beteiligen sich an zahlreichen NATO-Übungen, mit zunehmender Schwerpunktsetzung in den arktischen Gewässern und im Baltikum sowie – vor Schließung der Dardanellen aufgrund des Ukrainekriegs – im Schwarzmeerraum.
Wichtiges Logistikzentrum
Genutzt wird die bei Cadiz gelegene Basis nicht nur durch US-Streitkräfte. Vielmehr handelt es sich um ein Areal auf dem größten spanischen Marinestützpunkt, der Base Naval de Rota. Der spanische Flugzeugträger Juan Carlos I., die beiden amphibischen Kriegsschiffe der Galicia-Klasse, die Fregatten des 41. Geleitgeschwaders sowie zwei Fluggeschwader der Armada sind ebenfalls dort stationiert. Auch der Stab des multinationalen EU-Marineverbands Euromarfor ist vor Ort angesiedelt. Standortkommandant ist ein spanischer Konteradmiral, dem der Kommandant der Naval Station Rota protokollarisch wie administrativ untersteht.
Der rund 2500 Hektar umfassende Stützpunkt besitzt drei Kaianlagen sowie Wartungseinrichtungen für sämtliche dort stationierten Schiffstypen. Zum Standort gehört auch ein 270 Hektar umfassender Flugplatz. Diese Anlagen werden von amerikanischen spanischen und Schiffen und Flugzeugen weiterer europäischer Staaten genutzt. Verwaltungs- und Kommandostellen liegen hingegen räumlich getrennt. Auf dem abgeschlossenen US-Teil des Stützpunkts befinden sich unter anderem umfangreiche Lagerstätten für Treibstoff und Munition, darunter auch Kernwaffen. Dies macht den Standort auch zu einem wichtigen Logistikzentrum der amerikanischen Streitkräfte in Europa.
Sidney E. Dean










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