Jetzt ist er also losgefahren, der Indopazifik-Verband der Marine. Viel ist darüber zu lesen, über die beiden Schiffe, die Besatzungen, über die miltärpolitische Bedeutung der Reise und die sicherheitspolitischen Zusammenhänge im südostasiatischen Raum. Einmal rund um den ganzen Erdball! Aber bevor der Verband den Pazifischen und sehr viel später den Indischen Ozean erreicht, steuerte er erst einmal drei Wochen mit Kurs West durch den Atlantischen Ozean. [ds_preview]Dieser ersten Phase schienen die meisten Pressemeldungen keine große Bedeutung zuzumessen. Aber: Das A in NATO steht für Atlantik, die Verbindung zwischen Amerika und Europa. Die Freiheit in Europa wird noch immer über die „transatlantische Pulsader“ gesichert, von nordamerikanischem Material und Personal zur Verstärkung des europäischen Verteidigungsraums hängt unsere Sicherheit entscheidend ab. Im Gebiet von der Arktis bis zu den Kanarischen Inseln muss die NATO die eigene Operationsfreiheit sichern und sie den russischen See- und Luftstreitkräften verwehren.
Insofern war bereits die Präsenz des deutschen Verbands im Nordatlantik ein wichtiger militärpolitischer Beitrag. Seit den Zeiten des kalten Kriegs sind die Flotten an beiden Ufern erheblich geschrumpft, die maritimen Herausforderungen heute aber noch umfassender und komplexer als damals.
So hat sich die Bedeutung der physischen transatlantischen Verbindungen in den letzten 25 Jahren deutlich verstärkt: Etwa 100 000 Kilometer Kabel stellen Internetverbindungen zwischen Europa und Nord- sowie Südamerika her, die für das wirtschaftliche und politische Miteinander auf beiden Seiten essenziell sind. Zwischen der EU und den USA bestehen die weltweit umfangreichsten Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, allein für das Jahr 2022 beziffert das Europäische Parlament den gegenseitigen Warenaustausch auf 868 Milliarden Euro. Transatlantischer Handel und wechselseitige Investitionen schaffen Wachstum und Arbeitsplätze in der EU und in den USA. Deutschland ist in der EU der größte Handelspartner der USA, sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten.
Die kanadische Gesellschaft ist aufgrund ihrer Geschichte tief mit europäischen Werten verbunden. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit den europäischen Staaten und Institutionen ist sehr eng. Seit 2018 regelt das Handelsabkommen CETA den Handel zwischen der EU und Kanada. Seitdem ist der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und dem nordamerikanischen Land um über 30 Prozent gestiegen. Auch Deutschland profitiert erheblich davon.
Insofern waren die Hafenbesuche in Halifax und New York für die Besatzungen und die Kadetten der Crew 2023 nicht nur kulturell ein erster Glanzpunkt, sie waren auch ein wichtiges Zeichen transatlantischer Beziehungen zwischen Deutschland und den besuchten Ländern. Der alte Begriff des „Botschafters in Blau“ besitzt noch immer Gültigkeit.
Andreas Uhl










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