Immerhin schauen noch 40 Prozent der deutschen Fernsehnutzer TV-Nachrichten, und rund 80 Prozent informieren sich in gedruckten und digitalen Zeitungen. Print ist nicht tot, das zeigen die prall gefüllten Wände im Zeitschriftenhandel. Aber die unerbittliche Tendenz zeigt seit 1994 einen Schwund von 40 Prozent. Da rund 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ein Smartphone besitzt und das Internet nutzt, [ds_preview]ändert sich zudem der Schwerpunkt der Werbung. Einnahmen der Printmedien sanken in diesem Zeitraum um das gleiche Volumen wie digitale Medien zulegten, nämlich ebenfalls rund 40 Prozent.
Worauf will ich hinaus, liebe Leser und Leserinnen? Auch wir folgen dem Trend: Das marineforum ist seit drei Jahren online und hat auch zu unser eigenen Überraschung seine Leserschaft mehr als verzehnfacht. Wir durften erleben, wie sich die zuerst konservativ klein geschätzte Zielgruppe in Marine- und Schifffahrtskreisen enorm ausweitete und bundesweit wahrgenommen wird. Ich lege Wert darauf, dass marineforum und cbmaritim.46181.onlineshophosting.de zwar aus einer Hand sind, aber unterschiedliche Angebote darbieten. Und ich bin fest überzeugt, dass ein Online-Portal auf solider Basis stehen muss, entweder unterstützt durch ein namhaftes Medienhaus oder eine renommierte Institution. So wie die „Großen“ ihre Wurzeln in Hamburg oder Frankfurt haben, haben wir das Deutsche Maritime Institut – seit nunmehr 50 Jahren.
Aber: Die Ware Nachrichten kostet. Es braucht Recherchen und Honorare, Reisen und Ausrüstung sowie Menschen, die das auch können. Es ist eine Dienstleistung, erschaffen von Profis. Nicht von Videoportal-Plapperern oder gefährlichen Subkultur-Demagogen, die sich aufgrund des Besitzes von Tripods und Netzzugängen für Journalisten halten. Deswegen gibt es Gebühren und deswegen bedarf es hinreichender Einnahmen. Gratis-Nachrichten machen eher stutzig, denn wer zahlt und nimmt damit eventuell Einfluss? Selbst der Tech-Riese Alphabet, Mutterkonzern von Google, hält seine Werbeabhängigkeit im Zaum. Wer bevorzugt, für Nachrichten gar nicht zu zahlen, fördert diese Abhängigkeiten.
Eine unabhängige freie Presse zu entlohnen, ist nicht nur demokratisch, sondern anständig. So wie ich eine Zeitung nicht wie selbstverständlich mitgehen lasse, akzeptiere ich auch eine gelegentliche Bezahlschranke. Das ist fair, genauso wie eine gut platzierte und nicht durch Gefälligkeiten hinterlegte Anzeige. Davon leben nämlich auch wir, wenn auch in kleinem Maßstab. Denn bei einem Gesamtumsatz der Unterhaltungs- und Medienbranche in Deutschland von 66 Milliarden Euro spielen wir keine wahrnehmbare Rolle, aber wir unterliegen den gleichen Zwängen.
Wir brauchen Sie als Abonnenten, Anzeigenkunden und Mitglieder. Wir kommen nicht aus dem tintenfreien Cyberraum, wir haben eine Geschichte, zu der man auch als Netzwerk-Mitglied, zum Beispiel in der MOV, gehören kann. Das finanziert und erhält uns, genauso wie die Großen der Branche, wenn sie seriösen Journalismus betreiben. Die Qualität der Inhalte wird auch von Zeitdruck bestimmt, weil das Mantra der Zugriffe – vulgo „Klicks“ – ein sich immer schneller drehendes Karussell der Nachrichten verursacht. Darunter leiden aber die Einordnung oder im schlimmsten Fall die Wahrhaftigkeit. Manch dürftige Nachricht ist lediglich geeignet, Aufmerksamkeit zu erregen oder Klischees zu bedienen. Alles für die Reichweite! Da machen wir nicht mit. Wenn von der kurzfristigen Reparatur einer Fregatte berichtet wird, ist das für uns kein Anlass, unsere kundigen Leser aufzuregen. Und als in der Nordsee ein Schiff brannte, haben wir nicht das Ende des Wattenmeeres oder ein E-Auto-Desaster gemutmaßt, so wie wir auch über die Beschädigung der finnisch-estnischen Pipeline Balticconnector nicht hastig spekulierten, sondern Fakten aufbereiteten. Wir wollen lieber nicht die Ersten sein, vielmehr die ersten Richtigen.
Ach, eines noch: Mit dem Anstieg des Interesses an kriegs- und sicherheitspolitischen Inhalten kamen, Gott sei Dank, auch jene endlich öffentlich zu Wort, deren Bewertungen vor den Kriegsausbrüchen eher nachrangig gehört wurden. Allerdings erschien wie Kai aus der Kiste manch bislang Unbekannter auf den TV-Bildschirmen, zwar als Experte betitelt, aufgrund holprigem Duktus und unpräzisem Vokabular jedoch von echten Fachleuten unterscheidbar. Erfreulich ist, dass man inzwischen eine Lernkurve bemerkt und das gestiegene Interesse an unseren Themen ein erfreulicher Trend ist. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein wahrhaftig gutes Jahr 2024.
Holger Schlüter










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