Bis heute ist die Einführung eines unbemannten Luftfahrzeugs für die Korvetten 130 nicht gelungen. Der Blick auf die Projekthistorie zeigt die Gründe hierfür auf.
Für die Korvette 130 wurde frühzeitig ein unbemanntes Luftfahrzeug (Unmanned Aerial System, UAS) vorgesehen. Zunächst zielte dies auf die Realisierung des SAATEG VTOL (Strategische abbildende Aufklärung in der Tiefe des Einsatzgebiets – Vertical Take-off and Landing) ab, das von der Schweizer Firma Schiebel geliefert werden sollte. Phasenweise wurde hierbei eine gemeinsame Einführung mit dem in Erwägung gezogen, da auch ein landgebundener Einsatz vorgesehen war. Verschiedene, nicht erfüllte Anforderungskriterien, wie die Nutzung des auf Schiffen üblichen Flugkraftstoffs F-44 sowie die automatische Start- und Landefähigkeit, führten im Jahr 2013 zum Abbruch des Projekts.[ds_preview]
Auf der Grundlage des kurz zuvor erlassenen CPM (nov.) wurde die Ausstattung der Korvetten mit einem UAS unter der Bezeichnung Aufklärung und Identifizierung im maritimen Einsatzgebiet (AImEG) im November 2013 produktneutral neu aufgesetzt. Nach einer sehr umfangreichen Marktsichtung auf Grundlage der Anforderungen der Marine wurden bis Mitte 2015 verschiedene Dreh- und Starrflügelsysteme identifiziert, die weitgehend marktverfügbar waren und daher für eine Beschaffung infrage kamen. Von den Projektmitarbeitern wurde zunächst die Beschaffung eines Starrflügelsystems empfohlen.
Vor dem Hintergrund der bereits verstrichenen Zeit erschien Mitte 2015 das kurzfristige Angebot eines Firmenkonsortiums attraktiv, innerhalb von nur sechs Monaten eine Korvette mit einem Drehflügelsystem auszustatten. Um endlich den Schritt zur bordgestützten UAS-Nutzung zu gehen, beantragte die Marine die Realisierung dieses Angebots in Form einer Sofortinitiative für den Einsatz (SiE). Diese mündete, zunächst losgelöst von AImEG, in das Projekt Vordringliches Marine Unmanned Aircraft System (VorMUAS).
Aufgrund der inhaltlichen Überschneidungen und der verfügbaren personellen Ressourcen wurde Anfang 2016 ministeriell entschieden, die beiden Projekte nacheinander, beginnend mit VorMUAS, zu bearbeiten. Beide Projekte sollten zudem im Hinblick auf die potenzielle Nutzlastkapazität und die damit verbundenen Zukunftsfähigkeit als Drehflügler ausgeführt werden.
Die ursprünglich avisierten Zeitlinien ließen sich jedoch nicht halten, weshalb VorMUAS ab 2017 im Regelverfahren gemäß CPM (nov.) fortgeführt werden musste. Der aus dem SiE-Ansatz geerbte knappe Finanzrahmen von 25 Millionen Euro blieb bestehen und hat bis heute wesentliche Auswirkungen auf den Projektverlauf.
Nach dem Ausschreibungsverfahren und der Angebotsaufforderung verblieb nur ein Angebot durch die Firma ESG mit dem Produkt Skeldar V-200 und den Unterauftragnehmern UMS Skeldar und Lürssen für die Integration an Bord. Zum Vertragsschluss kam es dann im August 2018.
AImEG ist seit Juni 2021 unter Vertrag. Auftragnehmer sind wieder die Firmen ESG, UMS Skeldar und Lürssen. Auch das Produkt ist mit der V-200 vordergründig das gleiche, es fließen jedoch umfangreiche Änderungen auf Basis der Entwicklungserfahrungen des Projektes VorMUAS ein.
Technische Herausforderungen
Grundsätzlich handelt es sich bei der V-200 von UMS Skeldar um ein marktverfügbares System. Aufgrund der bisher noch geringen nationalen Erfahrungen bei der Zulassung unbemannter militärischer Systeme dieser Größenordnung erfüllt allerdings bisher keine der „marktverfügbaren“ Lösungen die aus der bemannten Luftfahrt entlehnten Entwicklungsstandards zur Flugsicherheit.
Da eine nachträgliche Ertüchtigung und Zertifizierung des Systems hinsichtlich seines Ausfallverhaltens und somit der Nachweis der Unterschreitung von Risikogrenzen eines unkontrollierten Absturzes als zu zeit- und kostenaufwändig bewertet wurden, musste ein anderer Weg gefunden werden, um den Anforderungen für eine militärische Zulassung zu genügen.
Die Lösung besteht aus einem Flugabbruchsystem (Flight Termination System, FTS) und der Vorgabe, sich stets über einem Bodensperrgebiet oder einem Gebiet, in dem durch organisatorische Maßnahmen eine äquivalente Sicherheit garantiert werden kann, aufzuhalten. Das FTS bringt das unbemannte Luftfahrzeug zum kontrollierten Absturz, sobald es den ihm zugewiesenen Einsatzbereich, und damit das Bodensperrgebiet, unkontrolliert zu verlassen droht. Die Entwicklung und Integration des FTS konnte noch nicht zufriedenstellend abgeschlossen werden.
Da die Korvette BRAUNSCHWEIG aufgrund einer ungeplant langen Werftliegezeit lange nicht als Träger der integrierten Bodenkontrollstation für das UAS verfügbar war, verzögerten sich die Nachweisflüge und Erprobungen zusätzlich. So konnte schließlich erst im August 2020 die Seekampagne zur Abnahme des Systems durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) stattfinden. Während der Kampagne stellte VorMUAS seine initiale Leistungsfähigkeit unter Beweis. Verbleibende Restpunkte sollten vor oder während der Einsatzprüfung betrachtet werden.
Aufgrund von Terminabhängigkeiten und personellen Engpässen konnte diese jedoch erst im Dezember 2020 und Februar 2021 stattfinden. Dabei zu Tage getretene technische Probleme führten dann zu einer Fortsetzung der Einsatzprüfung im Mai 2021.
Für weitere Nachweise und Erprobungen und um die Erfahrungen im Bordflugbetrieb zu erweitern, wurde das System im Juni 2021 während des Unifil-Einsatzes auf der Korvette BRAUNSCHWEIG eingeschifft. Vor dem Hintergrund verbliebener offener Punkte kehrte das System im September aus dem Einsatz zurück.
Seither arbeiten die beteiligten Firmen ESG und UMS Skeldar daran, die noch offenen Aspekte zu lösen. Eine Übernahme des Systems VorMUAS, auch bezeichnet als Sea Falcon, ist nunmehr für den Juni dieses Jahres angedacht.

Einsatzbereit bei Tag und Nacht, Fotos: Bw/Thomas Vanselow
Blick nach Vorne
Mit den Systemen VorMUAS und AImEG erhält die Marine neue Fähigkeiten der bordgebundenen Fliegerei mit einem taktischen UAS signifikanter Größe und Nutzlast. Wie immer bei der Erschließung neuen Terrains müssen damit einhergehende Herausforderungen wie die Fähigkeit zum automatischen Starten und Landen sowie die militärische Zulassung eines „marktverfügbaren“ UAS bewältigt werden.
VorMUAS stellt insofern nicht mehr die ursprünglich avisierte Sofortlösung dar, sondern vielmehr die Test- und Lernumgebung für das Folgeprojekt AImEG, in das die Summe aller lessons learned einfließt, um dann ein ausgereiftes und mit operativem Mehrwert einsetzbares Produkt zu erhalten.
Dabei ist nach wie vor Geduld gefragt: Was lange währt, muss in diesem Fall noch weiter reifen.
Fregattenkapitän Arne Kapitza ist MarKdo EinsU2, BV VorMUAS/AImEG,,Fregattenkapitän Nils Christiansen ist LtdIng LfzM.
Arne Kapitza und Nils Christiansen










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