Seit einem Vierteljahrhundert bildet die Marine in Parow ihren technischen Nachwuchs aus. Die Breite und Qualität der angebotenen Trainings sucht dabei ihresgleichen.
Am 28. März 2021 jährte sich die Indienststellung der Marinetechnikschule im vorpommerschen Parow zum 25. Mal. Gestartet als eine prominente Maßnahme im Projekt „Armee der Einheit“ ist sie schrittweise zur Ausbildungseinrichtung der Deutschen Marine für (fast) alle Marinetechniker aufgewachsen. Das Jubiläum gibt Anlass, sowohl rück- als auch vorausblickend eine Standortbestimmung durchzuführen und den aktuellen und künftigen Beitrag der MTS zur Einsatzfähigkeit der Marine in seiner ganzen Vielfalt aufzuzeigen.[ds_preview]
Bereits in der Bundesmarine gab es Ende der Achtzigerjahre erste Überlegungen zur Konsolidierung der maritimen Schullandschaft, die dann mit dem Katalysator der Deutschen Einheit ab 1990 zügig vorangetrieben wurde. Bereits im Jahr 1992 erfolgte die Grundsteinlegung für die MTS am Strelasund, um die Beheimatung zahlreicher ehemals eigenständiger technischer Ausbildungseinrichtungen vorzubereiten. Diese waren bis dahin in ganz Nordwestdeutschland verteilt. Mit der Verlagerung in den Nordosten der Republik wurden die Aufgaben der Technischen Marineschulen (TMS) in Kiel, Brake und Neustadt, der Marinewaffenschule (MWaS) in Kappeln und Eckernförde, der Marineversorgungsschule (MVS) in List auf Sylt, der Marinefernmeldeschule (MFmS) in Flensburg sowie der ehemaligen Lehrgruppe B der Marineortungsschule (MOS) und der Lehrgruppe Seemannschaft auf Borkum zumeist in Gänze an einem Ort konzentriert und damit die Bündelung der technischen Ausbildungsexpertise an einem Standort realisiert. Seit der Indienststellung wurden Aufgabenspektrum und Struktur der MTS immer wieder nachjustiert. Der übergeordnete Auftrag, den Technikernachwuchs der Deutschen Marine auszubilden als Beitrag zur Sicherstellung der technischen Einsatzfähigkeit maritimer Waffensysteme, hat sich in all den Jahren im Kern nicht geändert und bleibt auch künftig oberster Maßstab.
5000 Teilnehmer pro Jahr
Zur Einführung sind zunächst einige prägnante Kennzahlen zur Einordnung des Gesamtbildes hilfreich. Auf dem etwa zwei Quadratkilometer großen Gelände der Strelasund-Kaserne bietet die vielfältige Infrastruktur neben 1800 Unterkünften auch etwa 200 Hörsäle, fachbezogene Labore und systembezogene Praxisräume. Hinzu kommt ein Standortübungsplatz mit Schießanlage in vergleichbarer Größe. Abgerundet wird dieses Portfolio von einem umfangreich ausgestatteten Bootshafen mit direktem Zugang zum Strelasund. Ein Team von 600 Soldaten und zivilen Mitarbeitern stellt die Durchführung von 180 Trainingstypen mit 540 Einzeltrainings im Jahr sicher und erreicht so bis zu 5000 Teilnehmer pro Jahr. Die durchschnittliche Antrittsstärke an der MTS liegt bei etwa 1500 Personen, erreicht in der Spitzenauslastung aber auch schon mal 2500. Das Aufgabenportfolio der MTS erstreckt sich von der militärischen Grundausbildung über die zivilberuflich anerkannte Aus- und Weiterbildung bis zur spezifischen Fach- und Systemausbildung und prägt die Werdegänge der technischen Laufbahnen.
Am Anfang steht die allgemeinmilitärische Grundausbildung mit einer Dauer von drei Monaten, die im Aufgabenspektrum der Lehrgruppe C abgebildet ist. Der erste Kontakt mit der militärischen Welt stellt dabei immer eine Herausforderung für die jungen Menschen dar und erfordert vom Ausbildungspersonal eine austarierte Verteilung der Aspekte Ausbildung und Erziehung. Nicht die spätere Fachlichkeit steht hier im Fokus, sondern eine frühzeitige militärische Prägung, die die Grundlage für alle folgenden Schritte bildet. Insofern ist die Erlangung der elementaren militärischen Grundbefähigungen (Wachsoldat, Einsatzersthelfer A) ein notwendiges, aber kein hinreichendes Ziel dieses Ausbildungsabschnitts. Im weiteren Portfolio der Lehrgruppe C erfolgt dann bereits eine verwendungsspezifische Aufteilung über die Aufbaubefähigungen Bord und Land, die auf der einen Seite beispielsweise theoretische und praktische Grundkenntnisse der Brand- und Leckabwehr mit der Befähigung zum Tragen von schwerem Atemschutzgerät abbildet und auf der anderen Seite die Schwerpunkte im infanteristischen Fähigkeitsspektrum setzt. Bei den Mannschaften erfolgt am selben Ort der Abschluss der Laufbahnausbildung in der Militärfachlichen Ausbildung (MFA) Gast. Hier bedient die MTS die technischen Verwendungsreihen 31, 42, 43, 44, 46 und 48, aber auch die 11er und 63er-Gasten erhalten hier ihren letzten fachlichen Feinschliff.

Schadensabwehrausbildung an Bord der Ausbildungsplattform Ensdorf
Dieser wird in den Laufbahnen der Unteroffiziere und Offiziere ungleich facettenreicher. Nicht nur die Waffensysteme insgesamt werden technisch immer komplexer, sondern auch einfache mechanische Grundsysteme reizen ihre Leistungsfähigkeit durch die Nutzung hochtechnisierter und IT-lastiger Mess-, Steuer- und Regelungssysteme immer weiter aus. Die umfassende Vernetzung und Integration von Automationsmodulen leisten einen weiteren Beitrag zu dieser Entwicklung. Zugleich nimmt der Aufwand exponentiell zu, ein System in allen Einsatzarten technisch sicher beherrschen zu können. Dies muss letztendlich aber das Ziel bleiben, da weder Hotline-Beratung noch das zivile Service-Team in den zugrundeliegenden Szenaren der Auftragserfüllung unterstützen können. Damit einher steigen die Anforderungen an den Techniker und seine Ausbildung. Die lehrgangsgebundene Ausbildung an der MTS kann dies in der Gesamtheit im verfügbaren Zeitrahmen für die Erstausbildung nicht umfassend leisten. Ziel muss es daher bleiben, in der Breite die Grundlagen zu legen, die den Soldaten in seinen folgenden Verwendungen als Mitglied eines Teams befähigen, erworbenes Wissen auf Grundlage belastbarer Dokumentation und notwendiger Hilfsmittel auf den speziellen Anwendungsfall zu übertragen. Kurz gesagt, nicht nur die detaillierte Vermittlung spezifischer Handlungsschritte, sondern vielmehr der Aufbau eines breiten persönlichen Werkzeugkastens steht im Fokus der Ausbildung, aus dem der Soldat sich situationsbezogen bedienen kann und muss. Im Kern legt die Individualausbildung so den Grundstein für die folgenden Abschnitte der Teamausbildung, in der die Sicherstellung der technischen Funktionalitäten des Gesamtsystems das Rückgrat des operativen Einsatzes bildet.
Qualifikation im Mittelpunkt
Grundlegende Voraussetzung für die Ausbildung der technischen Unteroffiziere mit und ohne Portepee ist die zivilberufliche Qualifikation. Den jeweiligen militärischen Verwendungsreihen sind als erforderliche Einstiegsqualifikation zulässige Berufsabschlüsse der verschiedenen Innungen und Kammern zugeordnet. Auch zur Optimierung der Personalgewinnung wurde hier ein breites Spektrum geöffnet, sodass die individuellen Abholpunkte der jungen Soldaten und damit das eigene Startkapital einer erheblichen Streuung unterliegen. Deutlich zielgerichteter erfolgt hier die interne Zivilberuflich anerkannte Aus- und Weiterbildung (ZAW) an der MTS, die mit den Berufsbildern der Feinwerkmechanik, der drei Vertiefungen Betriebstechnik, Geräte und Systeme sowie Automatisierungstechnik im Feld der Elektroniker sowie zuletzt der IT-Systemelektroniker und Fachinformatiker für Systemintegration unmittelbar am Bedarf der Flotte ausgerichtet ist. Die ZAW der MTS nimmt dabei eine besondere Position in den Streitkräften ein, fungiert sie doch nicht nur als Betreuungstruppenteil für die Auszubildenden, sondern ist mit eigenen Ressourcen für den Großteil dieser Berufsbilder gleichzeitig Ausbildungsstätte. Dieses Angebot wird auch für die anderen Teilstreitkräfte durch die Karrierecenter angenommen, sodass regelmäßig auch Kameraden in Heeres- oder Luftwaffenuniform in Parow begrüßt werden können. Diese berufliche Qualifikation innerhalb der Marine erfordert zwar erhebliche Ressourcen in Form von qualifiziertem Personal und entsprechenden Ausbildungsmitteln. Diese Investition ist aber mit Blick auf die Einsatzbereitschaft der Flotte unverändert als zielgerichtet und gewinnbringend zu bewerten, nimmt doch insgesamt die abzubildende Ausbildungsspanne aufgrund absinkender Eingangsbefähigung des Nachwuchses und ansteigender Zielqualifikation für die Verwendung aufgrund der Komplexität der Systeme stetig zu. Nicht ausschließlich in Noten und Leistungen zu bewerten ist hier auch der wichtige Gedanke der Identitätsstiftung für ein später erfolgreich an Bord agierendes Team. Hier wirkt die interne ZAW der MTS spürbar als Katalysator für die jungen Soldaten und unterscheidet sich insoweit maßgeblich von der rein abschlussorientierten externen Ausbildung.

Ausbildung Verwundetentransport im Gelände
So wird in der folgenden Fach- und Systemausbildung für die Soldatinnen und Soldaten aus der internen ZAW ein deutlich höherer Einstiegspunkt und daraus resultierend häufig ein besserer Abschluss ermöglicht. Mehrfach wurden ZAW-Absolventen der MTS sogar als Landesmeister Mecklenburg-Vorpommerns in ihrem Fachgebiet ausgezeichnet.
Das weitere Portfolio der ZAW an der Marinetechnikschule, die fachlich im Hauptfachbereich Basisausbildung und truppendienstlich in der Lehrgruppe B verortet ist, besteht aus Fortbildungen zum Erwerb eines Meisterbriefs, beispielsweise in den Fachrichtungen Feinwerkmechanik, Elektrotechnik sowie IT, der Durchführung des Grundpraktikums Technik für die Offizieranwärter der Marine mit technischem Studium und der Vermittlung von naturwissenschaftlichen Kenntnissen für spezifische Verwendungsreihen. Ebenfalls hier einzuordnen ist die Technikerausbildung der angehenden Offiziere des militärfachlichen Dienstes im Bereich Schiffstechnik und Marineelektronik. Diese finden aber nicht in der ZAW und formal auch nicht an der MTS statt, sondern an der Fachschule der Marine für Technik. Differenzieren können dies in der Regel nur Insider, nutzt die Fachschule doch die identischen Ressourcen der MTS. Die formale Abgrenzung der Fachschule ist aber essentiell, unterliegt sie doch der Kultushoheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern als staatlich anerkannte Ersatzschule und hält nur so die Berechtigung zur Ausbildung staatlich geprüfter Techniker. Diese Qualifikation bereitet die Absolventen auf spätere Verwendungen in höheren Kommandobehörden vor, um dort mit dem zivilen Äquivalent innerhalb und außerhalb der Bundeswehr auf Augenhöhe interagieren zu können. So ist ein wichtiger Ausbildungsabschnitt für den Fachdienst etabliert, der im Truppendienst vergleichbar durch die Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München mit den Studienabschlüssen abgebildet wird.
Das Maritime im Blick
Die zivil anerkannte Vorqualifikation der Marinetechniker ist in den Laufbahnen der Unteroffiziere mit und ohne Portepee unersetzlich, setzt sie doch den notwendigen Abholpunkt für die folgende fachspezifische Ausbildung. Im Kern bildet sie aber nur das Fundament eines komplexen Gebäudes ab und ist somit nicht in Ansätzen ausreichend für die anstehende Verwendung als Marinetechniker. Diese erforderliche Professionalisierung erfolgt erst in der marinespezifischen Fach- und Systemausbildung, die den Kern des Ausbildungsauftrags der MTS bildet und unmittelbarer und unverzichtbarer Beitrag zur personellen und der daraus resultierend auch materiellen Einsatzbereitschaft der Flotte ist. Die Umsetzung dieses Auftrags stellt an der MTS daher ein Gemeinschaftsprojekt dar, welches in der sogenannten Matrix umgesetzt wird. Auf der einen Seite steht hier die Lehrgruppe Ausbildung, die nicht nur die Verfügbarkeit der erforderlichen Ausbildungsmittel, von der Dienstvorschrift über die Radaranlage bis hin zur Gasturbine, sicherstellt, sondern auch die inhaltlichen und methodischen Grundlagen aller Ausbildungsmaßnahmen verantwortet. Die Umsetzung für die Trainingsteilnehmer erfolgt dann im Team mit den Ausbildern der Lehrgruppe A, der zusätzlich noch die truppendienstliche Führung und Erziehung obliegt. Immer mit dem gemeinsamen Ziel des Aufbaus der Fachlichkeit bei weiterhin durchgehender soldatischer und insbesondere maritimer Prägung.

Grundlagenausbildung Elektrotechnik im Rahmen der ZAW
Im Katalog der technischen Verwendungen werden lediglich die Ausbildung der Fliegertechnik in Nordholz und der Schadensabwehr in Neustadt nicht am Strelasund abgebildet. In Konsequenz ergibt sich eine Vielzahl insbesondere an Verwendungsreihen-spezifischen Ausbildungsmaßnahmen, die überwiegend als MFA der Ebenen Maat und Bootsmann ausgestaltet sind. Dabei folgt die Aufteilung der Technikfelder auf die Hauptfachbereiche Schiffstechnik (ST) sowie Führungsmittel-, Waffen- und Informationstechnik (FWI) grundsätzlich der Struktur der Hauptabschnitte 200 und 300 der Schiffsklassen 122 bis 124. In der Schiffstechnik befindet sich neben den klassischen Feldern der Antriebs-, Elektro- und Schiffsbetriebstechnik – also den Verwendungsreihen 42, 43 und 44 – mit dem Anteil Systemkunde und Automation ein Bereich im ständigen Aufwuchs, der den in der Einleitung skizzierten Entwicklungen Rechnung trägt und – zumeist nur simulationsbasiert – das Ziel einer umfassenden Systemkenntnis verfolgt. Ebenfalls dem Hauptfachbereich Schiffstechnik zugeordnet ist der Fachbereich Seemännischer Dienst. Fokussiert auf die grundlegenden Ausbildungsfelder der 11er mit den Elementen Seeversorgung und Bootsführung sorgen mindestens die ST-bezogenen Trainingsanteile mit den Bootsaussetz- und Kransystemen sowie die Schwimmwestenausbildung für eine umfassende Integration des Personals in die „Heizer-Community“. Aus einem ähnlichen Ansatz heraus verantwortet der Hauptfachbereich Schiffstechnik an der MTS auch den Anteil der technisch-logistischen Ausbildung im System Betriebsführung Truppe (BFT) sowie dem Nachfolgesystem SASPF, welches zunehmend auf den schwimmenden Einheiten etabliert wird, sowie der Atemschutzgeräte- und Höhenretterausbildung als die einsatzrelevanten Enabler für die Flotte.

Schweißausbildung in der Zivilberuflich
anerkannten Aus- und Weiterbildung (ZAW)
Nicht minder komplex sind die Ausbildungsfelder im Hauptfachbereich FWI. Die Fachbereiche Führungsmitteltechnik sowie Waffen- und Munitionstechnik decken alle klassischen Disziplinen der Verwendungsreihen 31 und 46 ab. Hier stellen insbesondere die klassenübergreifende Systemdiversität und der Mangel an Fachpersonal die aktuellen Herausforderungen dar. Mit den beiden Geschützen Leonardo Large Caliber Gun (LCG) 127 Millimeter der Fregatte 125 und der Oto Melara Super Rapid 76 Millimeter verfügt die MTS über zwei neue Rohrwaffensysteme, die in einem umfangreichen Prozess in den Status der Ausbildungsbereitschaft geführt wurden beziehungsweise für das Hauptkaliber der Ergänzungsbeschaffung Korvette 130 in diesen Status derzeit noch gebracht werden. Jüngster Fachbereich an der MTS ist die Informationstechnik, die Ausbildungsinhalte der IT-Schule der Bundeswehr marinespezifisch ergänzt und so die Soldaten der Verwendungsreihe 48 sowohl auf den maritimen Bord- als auch Landeinsatz vorbereitet. Hier beginnt in der Ausbildung erst der Wettlauf zu einem umfangreichen Systemverständnis, um letztendlich dem Systembetreuer das Erkennen von Systemanomalien, durch technische Fehler oder Cyberangriffe verursacht, zu ermöglichen und ihm geeignete Gegenmaßnahmen an die Hand zu geben.
Ebenengerechte Ausbildung
Neben der Unteroffizierausbildung werden die oben aufgeführten Ausbildungsfelder auch in der Ausbildung der Offiziere des Truppendienstes umgesetzt. Wie bei den Unteroffizieren werden aber auch hier nur die querschnittlichen Grundlagen für den persönlichen Werkzeugkasten der Soldaten gelegt, auch wenn der Abholpunkt aufgrund des zugrundeliegenden technischen Studiums natürlich auf einer anderen Ebene verortet ist. Die Herausforderung bleibt aber gleich: technisches Grundlagenwissen so zu vermitteln, dass es handlungssicher in einem maritimen Umfeld jederzeit angewendet werden kann.

Einrüstung der Oto Melara 76 mm Super Rapid
Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass an der MTS ein breites Feld an technischer Ausbildung verantwortet wird, welches durch diverse Fachrichtungen und Verwendungsreihen geprägt ist. Eine sachgerechte Ausbildung erfordert jedoch am Ende auch eine explizite Vorbereitung auf die Besonderheiten der künftigen Einheit. Nicht die reinen Anlagenkenntnisse ermöglichen es dem Marinetechniker, seinen Aufgaben an Bord nachzukommen. Notwendig ist vielmehr ein umfassendes Systemverständnis, um Zusammenhänge erkennen sowie bewerten und letztendlich die Verfügbarkeit der Einheit wirksam stützen zu können. Diese Kompetenz wird im finalen Ausbildungsabschnitt, der sogenannten Typspezifischen Systemausbildung (TSSA) vermittelt, die plattformspezifisch das erworbene Grundwissen einordnet und erweitert. Aufgrund der Vielfalt der verschiedenen Waffensysteme müssen die TSSA über ein breites Spektrum angeboten werden und erhöhen die Komplexität der zielgerichteten Ausbildungsplanung jedes einzelnen Soldaten und der Schule insgesamt zusätzlich.
Das aktuelle Ausbildungsportfolio der MTS bedient so fast alle derzeit im Dienst befindlichen Waffensysteme der Marine und schließt auch technische Verwendungsbereiche in Landdienststellen ein. Inhaltlich erfolgt dies sowohl über rein theoretische Wissensvermittlung im Hörsaal als auch – und das in einem doch erheblichen Anteil – durch Praxisunterricht an den verfügbaren Ausbildungsanlagen. Dies geschieht immer mit dem Ziel der Vermittlung einer technischen Kompetenz, die im Zuge eines schrittweisen Erfahrungsgewinns in der neuen Verwendung die Erschließung weiterer anlagen- und systemspezifischer Fähigkeiten ermöglicht. Im Kontext dieses umfassenden Ausbildungsauftrags sind am Strelasund aber auch die Herausforderungen vielfältig: über den weiteren Ausbau der kompetenzorientierten Lehre, der sach- und zeitgerechten Verfügbarkeit von zivilem und militärischem Personal, der zunehmenden Diversifizierung neuer Ausbildungsmittel bis hin zur Vorbereitung der Integration von Ausbildungsanlagen künftiger Waffensysteme. Hier ist das Team der MTS in verschiedenen Projekten aktiv, die – auch gebremst durch die Pandemie – zum jetzigen Zeitpunkt wesentliche Meilensteine noch nicht erreichen konnten und so einer späteren Vorstellung in eigenständigen Beiträgen bedürfen. Stichwortartig seien hier die Umstellung der Grundausbildung, die Etablierung eines Lernmanagementsystems, die Realisierung einer Netzwerkausbildungsanlage sowie einer modernen Schiffstechnischen Ausbildungsanlage und der weitere Ausbau der Kompetenzorientierten Ausbildungsabschnitte genannt. Aber auch vorhandene Effekte durch Laufbahnumstellungen, die Änderung von Besatzungsstrukturen oder aus dem Eckpunktepapier absehbare Verlagerungen von Zuständigkeiten müssen in die Weiterentwicklung der technischen Ausbildung einfließen. Aspekte wie lebenslanges Lernen, Mentoring, Wissensmanagement und Technikerforen sind hier in der aktuellen Betrachtung und in die Diskussion mit der Flotte einzubringen. Wesentlicher Treiber und handlungsleitend bleibt insbesondere deren Bedarf, der vor dem Hintergrund der Gleichstellung von Einsatz sowie Landes- und Bündnisverteidigung umfassend und gemeinsam reflektiert werden muss. Hoffnung ist, dass die Pandemie zeitnah entsprechende Foren zulassen wird, damit diese Zukunft gemeinsam und im unmittelbaren Dialog vor Ort gestaltet werden kann.
Kapitän zur See Dr.-Ing. Stephan Fiebig ist Leiter Lehre an der Marinetechnikschule

Seemännische Ausbildung auf dem Strelasund
Stephan Fiebig










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