Nach 124 kommt 127: In der Verteidigung gegen Bedrohungen aus der Luft nimmt die nächste Fregattengeneration langsam erste Formen an.
Nach dem geplanten Nutzungsdauerende der Fregatte Klasse 124 in den Jahren 2034 bis 2036 wird das Projekt Next Generation Frigate – Air Defence (NGFrig-AD), im Folgenden als Fregatte Klasse 127 (F 127) bezeichnet, den zeit- und bedrohungsgerechten Fähigkeitserhalt Luftverteidigung, den Fähigkeitsaufwuchs um eine seegestützte Ballistic Missile Defence (BMD) sowie die Abwehr hypersonischer Bedrohungen sicherstellen. Die Plattform soll zusätzlich die in den NATO Capability Targets 2021 beschriebene Befähigung zum Naval Maritime Precision Strike – Long Range (NATO Capability Code NMS-LR) abdecken.[ds_preview]
Zur Abwehr von Bedrohungen Deutschlands in allen Dimensionen ist die Bundeswehr in nationale und multinationale Organisationen eingebunden. Dazu gehören auch die Beiträge zur Integrierten NATO-Luftverteidigung und Flugkörperabwehr. Die ungehinderte Nutzung der seeseitigen Versorgungs- und Verbindungswege ist dabei sicherzustellen. Hierfür ist die erweiterte Luftverteidigung, also Verbandsflugabwehr, Gebietsschutz und (T)BMD, eine wesentliche Fähigkeitsforderung an deutsche Seestreitkräfte. Die Überwachung und Gewährleistung der Sicherheit im deutschen Luftraum sowie die territoriale Flugkörperabwehr sind Dauereinsatzaufgaben der Bundeswehr und werden im Systemverbund Heimatschutz und Host Nation Support (HNS) umgesetzt. Die Deutsche Marine leistet ihren Beitrag auf Grundlage des in der Konzeption der Bundeswehr (KdB) beschriebenen Leistungs- und Fähigkeitsprofils und den Aufgaben der Bundeswehr. Über die Wahrnehmung der hier niedergelegten Aufgaben hinaus hat Deutschland entsprechend dem Weißbuch zur Sicherheitspolitik moderne Fähigkeiten zur Verteidigung auch gegen eine veränderte Bedrohung bereitzuhalten.

Die Hessen (Klasse 124) in der Portsmouth Naval Base, Foto: Brian Burnell
Die nationale Ambition für die Klasse 127 geht von einer dauerhaften Einsatzbereitschaft je eines dieser Schiffe in zwei Einsatzverbänden aus. Diese Ambition ist die Grundlage für die Beschaffung von insgesamt sechs Einheiten. Die künftigen Schiffe sind somit nicht nur die Nachfolger der drei aktuellen Luftverteidigungsfregatten der SACHSEN-Klasse, sondern auch Ausdruck eines geplanten stärkeren deutschen Engagements in der strategischen Sicherheitsarchitektur der NATO. Die Fregatte 127 wird zukünftig als Fähigkeitsträger im mehrdimensionalen Seekrieg mit den Schwerpunkten Gebietsschutz in der Luftverteidigung sowie Abwehr von hypersonischen Bedrohungen und ballistischen Flugkörpern eingesetzt.
Mit der F 127 soll so der bedrohungsgerechte Fähigkeitserhalt der Verbandsflugabwehr nach dem Nutzungsdauerende der Klasse 124 sowie die Realisierung von Fähigkeiten im Bereich seegestützter Abwehr von hypersonischen Bedrohungen sowie ballistischen Flugkörpern im Rahmen (T)BMD ermöglicht werden. Als erste Schiffsklasse seit der Fregatte 124 soll diese speziell nach den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung konzipierte Fregatte über Fähigkeiten zum Über- und Unterwasserseekrieg, zum Wirken im Cyber- und Informationsraum und für Einsatzaufgaben im Rahmen des internationalen Krisenmanagements und des nationalen Krisen- und Risikomanagements verfügen. Die zukünftige Klasse 127 wird als durchsetzungsfähiges Seekriegsmittel konzipiert, welches zudem gegen heute noch nicht absehbare Bedrohungen bis weit über die Mitte des Jahrhunderts einsetzbar ist.
Im Prozess steht das Projekt F 127 am Ende der Analysephase 1. Mit Zeichnung der FFF tritt das Projekt in den zweiten Teil der Analysephase ein, in der umfangreiche Studien zur Realisierbarkeit durchgeführt und Lösungsvorschläge entwickelt werden. Mögliche Lösungswege gehen derzeit von einer bi-nationalen Kooperation mit kompletter Neuentwicklung über die Beschaffung mittels eines Foreign-Military-Sales-Programms (FMS) für Plattform und Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FÜWES) bis hin zu einem teilweisen FMS-Case für das FÜWES. Bei Letzterem würde der Bau der Plattform auf einer deutschen Werft erfolgen und somit die Wertschöpfung in Deutschland erhalten bleiben.

Kriegsschiff UNCUT, Foto: BW
Die Grundidee für die Klasse 127 basiert auf der Ausrichtung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung und spiegelt den maritimen Anteil wieder. Die Durchsetzungsfähigkeit im intensiven Seegefecht und gegen Angriffe aus der Luft sowie von Land, der Schutz von zivilen und militärischen Verbänden in See und Einrichtungen in Küstennähe sowie der Beitrag zur Abwehr ballistischer und hypersonischer Bedrohungen stellt bislang nicht gekannte Anforderungen an die technologische Auslegung der Schiffe. Eine besondere Herausforderung wird dabei das Zusammenspiel der internen Prozesse auf den Schiffen mit den externen Sensor- und Wirkverbünden darstellen. Insbesondere im Verband wird es angesichts der oben genannten Bedrohungen auf eine reibungslose Kommunikation und Abstimmung bei der Erstellung des Lagebilds sowie bei der Bekämpfung von Zielen ankommen. Dafür müssen mit der zukünftigen Fregatte die neusten Kommunikationstechnologien und -systeme eingeführt werden, die den heutigen Interoperabilitätsstandards entsprechen oder zumindest unkompliziert nachgerüstet werden können. Die zukünftigen Bedrohungen lassen eine zeitverzögerte Nachrüstung nicht zu – das muss in dem jetzigen Beschaffungsprozess jederzeit präsent sein. Gerade deshalb ist es wichtig, Festlegungen bei den Fregatten 127 zur konkreten Ausrüstung so umsichtig, aber auch so flexibel und modular wie möglich zu treffen. Mit Realisierung des Projekts wird die Deutsche Marine eine zukunfts- und durchsetzungsfähige Plattform erhalten.
Fregattenkapitän Gilda Prüß ist in der Abteilung Planung des Marinekommandos tätig.
Gilda Prüß










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