Kölle Alaaf – Seit 21. April 2022, hört die Baunummer 6 der Braunschweig-Klasse auf den Namen „Köln“. Um 10.55 Uhr zerschellte die von der Oberbürgermeisterin der Patenstadt, Henriette Reker, in Bewegung gesetzte Kölsch-Flasche am Bug der Korvette.
[ 21. April 2022, wurde Baunummer 6 der Braunschweig-Klasse in der Hamburger Traditionswerft Blohm & Voss, seit 2016 zu Lürssen Defence, nunmehr NVL Group, gehörend, auf den Namen „Köln“ getauft. Die „Köln“ ist die erste Einheit des zweiten Loses der Korvetten, Klasse 130 (K130), der Deutschen Marine.]
Die Korvetten Klasse 130 (K130), auch als Braunschweig-Klasse kategorisiert, stellen eine Schlüsselkomponente für Krisenreaktionseinsätze der Marine dar. Hauptaufgaben sind die Aufklärung der Überwasserlage und die Seezielbekämpfung. Das Einsatzspektrum reicht von der Friedenspräsenz über militärische Aufgaben der Krisenbewältigung bis zum Kampf in Randmeeren und der Waffenwirkung an Land. Die ersten fünf Einheiten der Braunschweig-Klasse befinden sich seit 2008 im Dienst und werden bei internationalen Bündniseinsätzen, etwa im Rahmen der UN-Mission im Libanon (UNIFIL), eingesetzt. Zurzeit verstärkt die Korvette "Erfurt" die Standing Naval Maritime Group 1 der NATO in ihren Aufgaben im Nordflankenraum. Sie wurde infolge der aktuellen Entwicklungen vom ursprünglich vorgesehen Einsatz vor der Küste der Levante in Richtung Norwegensee umgeroutet.
Die Beschaffung der K130 geht auf die zweite Hälfte der 1990er Jahre zurück. Eine Bedarfsforderung von 1997 sah vor, die 40 Schnellboote der Deutschen Marine durch 15 Korvetten zu ersetzen. Aus Haushaltsgründen und wegen der damaligen sicherheitspolitischen Lagebeurteilung wurde die Anzahl der Korvetten herunter gerechnet. Im Dezember 2001 kam es zur Unterzeichnung des Beschaffungsvertrages für den Bau von fünf Einheiten. Als im Laufe späterer Jahre die sicherheitspolitische Situation samt ihrer Folgen auf das Aufgabenprofil der Streitkräfte überdacht worden war, wurde – von einem Impuls zweier Abgeordneten der Regierungskoalition befeuert – die Beschaffung von fünf weiteren Korvetten eingeleitet.

Die Köln an der Ausrüstungspier, Foto: Holger Schlüter
Fünf weitere Korvetten sollten dazu beitragen, [ds_preview]die individuellen Einsatzbelastungen aller Korvetten und folglich der Marine insgesamt zu reduzieren. Möglichst große Baugleichheit sollte die Aufwände für Ausbildung sowie Infrastruktur an Land wie auch in technischer, personeller und organisatorischer Hinsicht herabsetzen. Der Plan zur Beschaffung fünf weiterer Einheiten wurde im Herbst 2016 bekanntgegeben und der Bauvertrag am 12. September 2017 unterzeichnet.
Im Haushalt 2017 wurde eine zusätzliche Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro ohne Aufteilung in Jahresscheiben eingestellt. Das Bundeshaushaltsgesetz 2021 weist eine Summe von 2,273 Milliarden Euro für die Beschaffung des zweiten Loses der Korvette Klasse 130 aus. Laut Spiegel betrug der Beschaffungspreis des ersten Bauloses 1,2 Milliarden Euro. Womit die Korvette auf einen Stückpreis von ca. 240 Millionen Euro käme. Dem nun im zweiten Los etwa 455 Millionen Euro gegenüberstehen.
Nun hat sich die Auslegung grundlegend geändert. Modernere Sensoren, die tiefere Integration von Waffen- und Sensorsystemen sowie weiter gehende Automatisierung schlagen sich nieder. Spezifizieren – vielleicht auch eine Frage!
Im April 2019 begann der Bau des zweiten Loses der Korvetten mit dem ersten Stahlschnitt bei Lürssen in Bremen. Gemäß aktuellem Rüstungsbericht (Dezember 2021) hat das Projekt K130 2. Los eine Verzögerung von 9 Monaten gegenüber dem in der parlamentarischen Behandlung vor Vertragsschluß (Juni 2017) avisierten Termin. Damit liegt es weit unter dem Durchschnitt der dort betrachteten Rüstungsvorhaben von 52 Monaten.
Wäre zu fragen: Die Übergabe der „Köln“ an die Marine ist nach dem aktuellen Rüstungsbericht der Bundesregierung für das erste Quartal 2023 vorgesehen. Die Auslieferung der fünften Einheit, der „Lübeck“, soll 2025 erfolgen.
Finanziell liegen die fünf Einheiten 311 Millionen Euro oder 13 Prozent über dem Betrag der ersten 25-Millionen-Euro-Vorlage. Dabei beruhen die finanziellen Mehrbedarfe großenteils auf Leistungsänderungen (bei K130 191 Millionen Euro). Sie sind die Reaktion auf erforderliche Anpassungen an veränderte militärische und/oder technologische Rahmenbedingungen im Laufe des Entwicklungs- und Beschaffungsprozesses.
Eventuell Exkurs.- In der Gesamtbetrachtung stellt – kontinuierlich seit dem ersten Rüstungsbericht – die vertraglich vereinbarte Preiseskalation auf Grundlage von Preisgleitklauseln ein großer Teil der Abweichungen dar. Preisgleitklauseln in längerfristigen Verträgen berücksichtigen die allgemeine Preisentwicklung. Diese können nach Vertragsabschluss in ihren Auswirkungen auf den Preis nicht mehr beeinflusst werden. Die hierdurch verursachte Änderung des Gesamtvolumens von langjährigen Projekten im Projektverlauf eines Beschaffungsvorhabens der Bundeswehr ist daher absehbar. – - Ende Exkurs.
Im Mai 2020 überraschte der Abgeordnete Ingo Gädechens, CDU-Obmann im Verteidigungsausschuss des Bundestages, mit dem Vorschlag, ein weiteres Los von fünf Korvetten K130 (ES&T berichtete) zur Sicherstellung der Einsatzverfügbarkeit zu beschaffen. Bei gleichzeitiger Verwertung des 1. Loses sollte die Gesamtmenge nicht erhöht werden. Die Neubauten sollen die Einheiten des ersten Loses ersetzen, die beim Zulauf des dritten Loses eine Lebensdauer von 20 Jahren und mehr hätten. Sie wären zu veräußern. Der Vorschlag des schleswig-holsteinischen Parlamentariers stand damals im Zusammenhang mit dem Konjunkturpaket der Bundesregierung zur Ankurbelung der Wirtschaft in der Corona-Pandemie. Neben dem operativen Grund, für die Marine den Ausfall von Einheiten wegen der dann notwendigen Instandsetzung der ersten Schiffe zu vermeiden, sah er auch einen Anreiz für den Werftstandort Norddeutschland. Zudem seien die Kosten für die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen des ersten Loses gegenrechnen. Eine Richtungsentscheidung zu dieser Ergänzungsbeschaffung von weiteren fünf Korvetten stellt sich angesichts der gegenwärtigen Finanzlinien als vorerst nicht finanzierbar dar. Zur Erfüllung der nationalen Ambition von insgesamt zehn Korvetten werden im Rahmen einer gesamtplanerischen Betrachtung nun Optionen zur Erreichung untersucht, welche gleichzeitig einer bruchfreien Nutzung des Konstruktionsstandes der laufenden Produktionslinie des 2. Loses gerecht werden
Die Spekulationen über eine Erweiterung des zweiten Loses um fünf Einheiten erhalten mit der infolge des Ukraine-Krieges angekündigten 100-Milliarden-Euro-Bazooka für die Bundeswehr, dem sogenannten Sondervermögen Bundeswehr, neuen Auftrieb. Bis heute sind dazu jedoch noch keine offiziellen Festlegungen erfolgt.
Derweil wurde am 15. März 2022 die vermutlich letzte Korvette in Wolgast auf Kiel gelegt. Während am mecklenburgischen Standort der NVL Group (ehemals: Lürssen Defence) der Bau des Hinterschiffes anlief, begann gleichzeitig auf der Kieler Werft GERMAN NAVAL YARDS KIEL die Fertigung des letzten Vorschiffes. Vor- und Hinterschiff werden nach jeweiligem Fertigungsende zum Zusammenschluss, dem sogenannten „Hochzeitsstoß“, zum Hamburger NVL-Standort Blohm+Voss gebracht.
Die zukünftige „Lübeck“ ist die vorerst letzte (?) Einheit des zweiten Loses der Klasse 130 für die Deutsche Marine. Die Korvetten 6 bis 8 befinden sich, ausweislich des aktuellen Rüstungsberichts, in der Ausrüstung in Hamburg. Baunummer 9, die Korvette "Augsburg", ist noch in der Fertigungsphase. Schiffbaulich befinden sich die Boote im Terminplan. Die Auslieferung der ersten des 2. Loses, Korvette „Köln“ (F265), wird in 2023 erwartet, neun Monate später als bei der Auftragserteilung im September 2017 vorgesehen. Bis 2025 soll der Zulauf aller Schiffe beendet sein. Ursächlich für die gegenüber anderen Rüstungsprojekten vergleichsweise geringe Verzögerung ist u.a. ein vom Auftraggeber geforderter zwölfmonatige „Design-Freeze“ für das Einsatzsystem. Damit soll die Auslieferung der Boote und des Einsatz-/Betriebsunterstützungszentrums mit vollen Funktionalitäten des Einsatzsystems erreicht werden. Ein Lieferverzug der beiden ersten Einheiten „Köln“ und „Emden“ wurde in Kauf genommen.
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